5. Delligser Hils-Cup: Souveräner Turniersieg von Christian Kuch (Celtic Berlin)

Mit einer konzentrierten Leistung und einem klaren 4:0 gewinnt Christian Kuch souverän das Finale des 5. Delligser Hils-Cup gegen den amtierenden Deutschen Meister Michael Kaus.

Einige Bemerkungen vorab

Wer Delligsen nicht kennt, dem sei erklärt, dass sich hier Fuchs und Hase scheinbar gute Nacht sagen, zumindest aus Sicht der Großstädter. Solche Orte bezeichnet der Geograph gerne als „Flecken“, also als ein Ort mit einer lediglich lokal bedeutenden Ansiedlung. Meistens hatten solche Flecken ein eigenes „Königliches Amt“, nicht aber die hiesigen Hilsdörfer, die dem Amt Greene unterstanden. So mußten die Delligser 130 Jahre seit Abschaffung der Königlichen Ämter warten, bis ein echter König, nämlich Jens König aus der Provinzhauptstadt Hannover, seine Aufwartung mit dem Titel des Norddeutschen Meisters krönte.

Bei der heutigen Flut der Turniere der früh Ausgeschiedenen (früher ganz gemein „Lucky Looser-Turnier“ bezeichnet) muß ein Turnierveranstalter mächtig genau geographische Karten studieren: nach dem einzigen Flüsschen Wispe ist das eine Turnier benannt und dann kommen die Höhenzüge drumherum, der Reuberg, der Steinberg, der Selter (der Name ist hier nicht verpflichtend!), sowie die Höhenzüge Hils (aha!) und Ith. Also könn(t)en noch neue Turnierserien geschaffen werden. Für die Umsetzung dieser Turniere erklärte sich ein leibhaftiger Schotte bereit, dem Outfit nach.

So freute sich das Team um und mit Arndt Schotmann über 69 Teilnehmer bei diesem Regionalturnier, auch wenn diese Rekordzahl der Tatsache geschuldet war, dass am Vortag die Norddeutsche Einzelmeisterschaft hier in Delligsen gespielt wurde. Wer das Pech hatte trotzdem früh auszuscheiden, der konnte sich dann im Wispe-Cup weiter vergnügen, oder genoss einfach das gute Wetter. Empfehlenswert ist übrigens das sehr gute Restaurant „Zucchero“ einige hundert Meter entfernt, hier kann man sich den Frust stilvoll wegfuttern. Oder den eigenen Erfolg feiern.

Übrigens erschienen einige Teilnehmer am Sonntag – wir bezeichnen es vorsichtig – ziemlich „geschafft“. Das lange Turnier am Vortag und/oder die danach folgende lange Nacht waren ein Stolperstein für den einen oder anderen Spieler oder zumindest für die spielerische Qualität.

 

Runde 1

12 Fünfer- bzw. Sechser-Gruppen an 21 Tischen, 48 Spieler qualifizieren sich für Runde 2.

In Gruppe 1 siegt ungefährdet der spätere Turniersieger Christian Kuch (Celtic), verliert im letzten Spiel nur gegen den Drispenstädter Youngster Schreiber. Eine von zwei Niederlagen an diesem Tag! Da der Drispenstedter sein Schicksalsspiel gegen Sylvia Sgobio (Kierspe) mit 5:4 verliert, scheidet er aus.

In Gruppe 2 endet das Spitzenspiel Kaus (Gallus) gegen Lungela (Drispenstedt) mit 7:4, da sind die Torhüter wohl noch im kollektiven Tiefschlaf. Achim Schmidt (Bochum) und Lars Schulze (Herford), der noch in Gevelsberg beeindruckend aufgespielt hatte, erreichen gerade eben die 2. Runde.

In Gruppe 3 trennen sich die Spitzenspieler Socha (Drispenstedt) und Foit (Herford), beide ehemalige Vereinskameraden, 1:1 im letzten Spiel. Die 3 restlichen Spieler spielen das Weiterkommen über den direkten Vergleich aus, Nachsehen hat hier Melanie Grämmel (Drispenstedt).

In Gruppe 4 dominiert Berthold Nieder (Drispenstedt) mit 9:1 Punkten vor dem neuen norddeutschen Vizemeister Jonathan Weber (Wasseralfingen) mit 7:3 Punkten.

In der Gruppe 5 muss man schon hellwach sein, um sich für die 2. Runde zu qualifizieren. Hampel (Gallus, 9:1 Pkte.) vor Simon Hansen (Kiel, 7:3) vor Marcus Müller (Waltrop, 6:4) und Gerke (Jerze, 5:5). Chancenlos der Bochumer Wietoska und der Bundesligaspieler Max Bartels (Drispenstedt, 0:10).

In Gruppe 6 überzeugen neben dem Favoriten A. Bialk (Filzteufel, 10:0) auch ein weiterer Drispenstedter Youngster, Robin Schmidt, der mit 6:4 Punkten gefallen kann. Renninger (Gallus, 5:5) und Drescher (Rheinland, 4:6) ziehen auch in die 2. Runde ein.

In Gruppe 7 qualifizieren sich die starken Spieler Kandziora (Drispenstedt, 8:2), Lennemann (Rheinland, 6:4) und Ihme (Jerze, 5:5). Arndt Schotmann (Delligsen) kommt weiter, da er im letzten Spiel Lennemann mit 3:2 schlägt und so ebenso 5:5 Punkte erreicht.

In Gruppe 8 walzt von Hering (Kiel) mit 10:0 Punkten alles nieder. Bastian (Wolfsburg, 8:2), Kröning (Hannover, 6:4) und F. Socha (Drispenstedt, 4:6) folgen dahinter.

In Gruppe 9 überzeugt der Schweizer Asmis (Flamengo) mit 10:0 Punkten. Es folgen Deutschlands U18-Star Stähle (8:2) und überraschend G. Mielke (Filzteufel, 5:5). Manuela Winter (Gevelsberg) schlägt den späteren Sieger des Wispe-Cups, Joachim Pohl (Hannover), locker mit 5:1 und zieht mit 4:6 Punkten in die Runde 2 ein.

In Gruppe 10 ist das Feld ausgeglichener. Elesbao (Hannover, 8:2) landet vor Schirmer (Filzteufel, 7:3), Leinz (Flamengo, 6:4) und vor Gies (Gevelsberg, 6:4).

Die Gruppe 11 ist der Hammer, zumindest wenn man die Punkteverteilung am Ende der Runde betrachtet: Der Erste der Gruppe, Poetsch (Hirschlanden) kommt auf 6:4 Punkte und der Sechste der Gruppe, Hardy Schau (Filzteufel) auf 4:6 Punkte. Freuen kann sich Anna Lena Neumann von Delligsen über 5:5 Punkte und Platz 3. Lennart Johannsen (Buxtehude) kann sicherlich mehr und bleibt mit 4:6 Punkten das ewige Talent und steigt mit 4:6 Punkten aus diesem Turnier aus. Sternberg (Neukölln, 6:4) auf Platz 2 und D. Bialk (Filzteufel, 5:5) auf Platz 4 freuen sich über das Weiterkommen.

In der Gruppe 12 herrschen klare Verhältnisse: Tuma (Amberg) vor Bräuning (Hirschlanden), M. Kalentzi (Bochum) und G. Johannsen (Buxtehude). 10-8-6-4 Punkte lautet hier die Punkteverteilung.

 

Runde 2

8 Sechser-Gruppen an 12 Tischen, 24 Spieler qualifizieren sich für Runde 3.

In Gruppe 1 setzen sich die Favoriten Kuch (9:1), Foit (6:4) und Lungela (6:4) durch. Enttäuscht sind Elesbao, Bastian und T. Witte.

In Gruppe 2 gibt es kleinere Überraschungen. Dass Leinz mit 8:2 Punkten vor Kaus (7:3) liegen würde und dass F. Socha (6:4) die Spieler Sternberg, Gerke und Schmiddi (Bochum) abhängt, ist für den Außenstehenden überraschend.

Die Gruppe 3 ist ziemlich ausgeglichen. M. Socha (9:1) lässt nichts anbrennen. M. Müller (7:3) und Kröning (6:4) folgen. Es scheiden aus: Altmeister Kandziora, der am Vortag eine glänzende Norddeutsche gespielt hatte, sowie Bräuning und L. Schulze.

In Gruppe 4 dominieren Weber (10:0), Asmis (8:2) und Poetsch (4:6). Adios amigos, sagen sich die Herren Schmidt (Bochum), Schmidt (Drispenstedt) und Kretlow (Dortmund).

Die Favoriten setzen sich auch in Gruppe 5 durch: Hampel (8:2) verweist Lennemann (7:3) und Tuma (5:5) auf die Plätze. A. Schmidt, Gies und Renninger dürfen in dieser Reihenfolge die Spieler einpacken.

In der Gruppe 6 schlägt ein Bialk den anderen Bialk mit 3:2 und wird am Ende Erster mit 8:2 Punkten vor dem anderen Bialk, der sich mit 7:3 Punkten schwer tut, denn in einem Schicksalsspiel kämpft er die Gevelsbergerin Winter mit 4:3 nieder, sonst wäre hier schon Endstation für den Schreiberling gewesen. So freut sich der Vereinsbummler Kalentzi mit ebenso 7:3 Punkten über Platz 3, während sich Madame Winter über die verpasste Chance(n) ärgert.

In der Gruppe 7 gieren gleich mehrere Außenseiter auf das Weiterkommen. Und so siegt Mielke (hört, hört, mit 8:2 Punkten) vor Schirmer (7:3) und Ihme (6:4). Es ärgern sich die Spieler Drescher und G. Johannsen. Anna Lena Neumann dagegen ist stolz auf das Erreichen der 2. Runde.

Gruppe 8 ist schnell erzählt. Von Hering und S. Hansen, beide Vereinskameraden, trennen sich friedlich zum Auftakt 2:2, gönnen danach dem Hirschlandener Stähle jeweils einen Punkt und so ziehen diese drei in die 3. Runde ein. Überraschenderweise landet Horstmann (Buxtehude) noch vor Nieder (Drispenstedt). Abgeschlagen auf dem letzten Platz Sylvia Sgobio von den Scorpions aus Kierspe.

 

Runde 3

4 Sechser-Gruppen an 6 Tischen, 12 Spieler qualifizieren sich für die Endrunde.

Die Gruppe 1 hat Charme. Doch mit dieser Umschreibung kann der Spieler Kuch (Celtic) nichts anfangen und qualifiziert sich locker mit 8:2 Punkten nach einer Auftaktniederlage gegen Asmis (Flamengo) für die Endrunde. Der Tourfinal-Sieger von Hering folgt ihm mit 7:3 Punkten. Jungstar Stähle gewinnt das entscheidende letzte Spiel gegen den Bundesligisten Müller mit 5:3 und zieht als Dritter in die Endrunde ein. Neben Müller scheiden Asmis und F. Socha aus. Die dritte Runde ist ein Erfolg für diesen jungen Spieler (er ist übrigens der Neffe von M. Socha), ihm würden mehr Turnierteilnahmen einen großen Schub geben.

Die Gruppe 2 hat auch seinen Charme, der darin besteht, dass die Gruppe sehr ausgeglichen ist. Ihme und Kaus mit je 8:2 Punkten vor Foit und Kröning mit je 5:5 Punkten. Foit hat im direkten Vergleich das bessere Torverhältnis und kommt so in die Endrunde. Schluß mit lustig ist für Schirmer und S. Hansen. Zumindest Schirmer kann zufrieden sein, zumal er am Tag vorher auf der Norddeutschen prächtig aufgespielt hatte.

Die Gruppe 3 bringt gleich 3 Filzteufel in eine Gruppe zusammen und nachdem das Duell Bialk vs. Bialk zur Abwechslung mal unentschieden endet und der Schreiberling dieser Zeilen dann nach einer 0:6 Klatsche gegen Socha quasi schon ausgeschieden ist, nehmen sich die Mitstreiter Poetsch und Lennemann und D. Bialk gegenseitig die Punkte weg. Socha qualifiziert sich mit 9:1 Punkten unangefochten für die Endrunde, ebenso Lennemann mit 7:3 Punkten. Da D. Bialk mit 4:6 Punkten enttäuscht die Spieler einpacken muss, muß sein Vater gegen den starken Poetsch gewinnen, um in die Endrunde einzuziehen. Er liegt in der letzten Minute noch mit 1:2 zurück und vor lauter Verzweiflung ob seiner katastrophalen Schüsse setzt er seinen Strafraummänniken ein und schießt den Ausgleich. Danach segelt der Ball 15 Sekunden vor Schluß etliche Meter von der Platte entfernt in die weite Ferne. Der Sohnemann sprintet, noch 7 Sekunden, der Vater legt den Ball ins Feld, schießt sofort, Tor, Abpfiff. Für solche Spieler fährt man gerne hunderte Kilometer. Sorry, Stephan! Danke, Daniel!

Die Gruppe 4 ist eine Hammergruppe und einer Endrundengruppe würdig: Hampel, Kalentzi, Lungela, Tuma, Weber und Leinz. Alles klangvolle Namen. Hier weiss man, wo man nach 5 Spielen steht. 7 Spiele enden unentschieden, 8 Spiele haben einen Sieger. Dramatik bis in die letzte Runde. Und ein tragisches Ausscheiden. Lungela schießt Sekunden vor dem Abpfiff ein ansatzloses Brett aus kurzer Distanz ins Tor. Der Ball fliegt unter das hochstehende Torgummi, verlässt die Platte. Schiri Lennemann und Mitspieler Leinz sehen unglücklicherweise nichts und glauben, der Ball wäre vorbei geschossen worden. Viele Zuschauer sehen jedoch ein Tor. Lungela akzeptiert die Schiedsrichterentscheidung und scheidet so als Vierter aus. Bitter! Ach ja, am Ende liegen Weber, Tuma und Kalentzi vor Lungela, Hampel und Leinz. Eine wirklich starke Gruppe!

 

Endrunde, Gruppe A

Teilnehmer: Kuch, Weber, A. Bialk, Stähle, Tuma, M. Kalentzi

Turnierranglistenplätze: 4-10-15-18-29-31

Schon in der ersten Runde ein Paukenschlag: Weber ist gegen Bialk beim 1:4 chancenlos, ebenso verliert er gegen Kuch im zweiten Spiel. Die Chancen auf einen Finaleinzug sind somit dahin. Während Kuch Spiel um Spiel gewinnt und schon frühzeitig den Einzug ins Finale perfekt macht, landen nach 5 Runden die Spieler M. Kalentzi, Weber und A. Bialk mit 5:5 Punkten auf die folgenden Plätze. Auf Grund des direkten Vergleiches freut sich A. Bialk schließlich über Platz 2 in dieser Gruppe. Etwas überraschend, dass Stähle nur auf Platz 6 der Gruppe landet. Aber trotz seiner Jugend, zeigt er eine unglaubliche Konstanz in den letzten Monaten. Sein Tunnelblick ist bundesligareif. Weiter so, Florian!

Endrunde, Gruppe B

 Teilnehmer: Kaus, Socha, Ihme, von Hering, Lennemann, Foit

Turnierranglistenplätze: 5-9-16-17-33-34

In dieser Gruppe geht es wesentlich spannender zu. Erst die letzte Runde wird die Entscheidung bringen. Kaus verliert gegen von Hering mit 1:2 und poltert unzufrieden über seine eigene Leistung herum. Damit sind beide punktgleich, advantage von Hering. Doch Socha spielt überraschend nur 2:2 gegen den heute stark aufspielenden Lennemann und erreicht wie Kaus und von Hering am Ende 7:3 Punkte. Der direkte Vergleich muss her.

Und da ist es wieder: das Glück des Tüchtigen. Der so unzufriedene Kaus steht nach diesem Herzschlagfinale auf einmal im Finale. Dabei hat man doch gedacht, dass so ein Deutscher Einzelmeister-Titel die eigenen Emotionalitätsstufen glättet, weit gefehlt!

 

Endspiel Michael Kaus (Gallus Frankfurt) gegen Christian Kuch (Celtic Berlin)

 Dieses Endspiel geht bedauerlicherweise für die vielen Zuschauer nicht in die Geschichte ein, denn es ist relativ einseitig. Christian Kuch, hochfokussiert, schießt besser, hält besser. Seine 4 Tore zum ungefährdeten 4:0-Sieg fallen in regelmäßigen Abständen. Kaus hadert mit seinen Schüssen, die nur selten das Ziel treffen oder zu harmlos sind. Im Gegensatz zu den vielen Spielern, die bei eigenen Führungen gegen Spitzenspieler die knappe Führung verwalten wollen und dann noch knapp vor Schluß verlieren, ist Christian Kuch clever und erfahren genug, seinen effektiven Stil konsequent bis zum Abpfiff durchzuziehen. Glückwunsch, Christian!

Zum Abschluß noch die Tagesbilanz der beiden Finalisten, inklusive Finalpartie:

Kuch: 34:6 Punkte, 87:41 Tore

Kaus: 30:10 Punkte, 78:39 Tore