51. Deutsche Einzelmeisterschaft: Michael Kaus bricht den Bann

130 Teilnehmer fanden den Weg nach Kaiserslautern zur 51. Deutschen Meisterschaft im Tipp-Kick und durften sich über eine optimale Organisation sowie eine tolle Atmosphäre freuen. Nach dem 2-Tage-Turniermarathon stand am Sonntagabend kurz vor 18:45 Uhr der Frankfurter Michael Kaus ganz oben auf dem Treppchen. Er besiegte in einem nervenaufreibenden Finale mit 3:1 Patrick Malessa (Celtic Berlin).

Das Turnier wurde im Gruppenmodus (5er und 6er Gruppen) ausgetragen, wobei jeweils drei Runden an beiden Tagen gespielt wurden. Am ersten Tag erwischte es mit Fabio de Nicolo (Grönwohld) den Erstplatzierten der Turnierrangliste in Runde 2. Ebenfalls ausgeschieden waren am Samstag Thomas Krätzig (Amberg) und der mehrfache Deutsche Einzelmeister Jens König (K´lautern), welche sich zumindest eine Endrundenteilnahme gewünscht hatten.

Am Sonntag hatten noch 40 Tipp-Kicker die Chance, am Ende des Tages den begehrten Pott in die Höhe zu reißen. In acht 5er-Gruppen konnten sich wiederum 24 Teilnehmer für die nächste Runde qualifizieren. Dort setzte man einen Cut, denn nur die Hälfte durfte sich über eine Endrundenteilnahme freuen. Diese Endrundenphase wird als eine der denkwürdigsten überhaupt in die Tipp-Kick Geschichte eingehen. Denn in den beiden Gruppen verhielt sich die Konkurrenz wie folgt:

 

Endrundengruppe A

Michael Kaus, Christian Kuch, Max Daub, Marcel Horchert, Beni Buza, Frank Hampel

1.Runde

Gruppe A begann mit den beiden vereinsinternen Duellen zwischen Buza und Hampel sowie Kuch und Horchert. Diplomatisch endeten diese Duelle 4:4 bzw. 2:2. Im letzten Duell untermauerte Kaus mit einem glatten 4:0 gegen Max sein hohes Konzentrationsniveau und seine Titelambitionen.

Hat ein starkes Turnier gespielt: Marcel Horchert (Celtic Berlin)

2. Runde

In dieser Runde lautete die Frankfurter Partie Kaus gegen Hampel. Kaus ging ähnlich konzentriert wie in der Runde zuvor auch gegen seinen Teamkollegen vor und fuhr einen nie gefährdeten 4:2-Sieg ein. Kuch besiegte Daub mit 5:2 und versetzte sich dadurch in eine komfortable Position, um sich den Traum von Finale und Titel zu erfüllen. Im dritten Spiel musste Buza im Kampf um seinen dritten DEM-Titel einen herben Dämpfer hinnehmen und trennte sich von Horchert 2:2 unentschieden

3. Runde

Im dritten vereinsinternen hessischen Duell traf Kaus auf Buza und weil Letzterer 3:2 gewinnen konnte, haderte Kaus damit, mal wieder eine Chance auf den lang ersehnten DEM-Titel verdaddelt zu haben. Kuch setzte sich durch einen Sieg gegen Hampel mit 5 Punkten an die Spitze der Tabelle. Horchert mauserte sich in der Endrunde zum Spezialisten für Unentschieden: Das 3:3 gegen Daub war bereits sein drittes in dieser Runde.

4. Runde

Spätestens jetzt begann die heiße Phase. Jedes Tor konnte über die Finalteilnahme entscheiden. Die Anspannung war den Akteuren wie den Zuschauern anzumerken. Kaus verlor gegen Horchert und damit endgültig die Hoffnung auf einen Erfolg. Daub gewann gegen Hampel, wodurch sich dieser endgültig von den Titelkandidaten verabschieden musste. Kuch und Buza hielten die Spannung hoch und boten beim 4:4 ein überragendes Spiel auf Augenhöhe. Eine brenzlige Konstellation für die letzte Runde war also bereitet…

Zu diesem Zeitpunkt noch mit Chancen auf seinen dritten DEM-Titel: Beni Buza

5. Runde

Nach dem Abpfiff herrschte Stille. Totenstille. Die beteiligten Spieler hatten keinen Überblick über die Ergebnisse an den anderen Platten. Was war passiert? Christian Kuch hätte mit einem Sieg gegen Michael Kaus aus eigener Kraft das Finale klarmachen können, allerdings gewann der Frankfurter mit 2:0. Auf der anderen Platte beim Duell Daub gegen Buza stand es eine Minute vor Schluss 4:4 und Buza wäre im Finale gewesen. Aber dann trifft Daub zum 5:4! Manch einer hätte in dieser Situation aufgegeben, doch fast mit dem Gegenzug konnte der zweimalige DEM ausgleichen. Aber dabei sollte es nicht bleiben: Max Daub erzielte mit einem sehenswerten Treffer das 6:5 und Buzas Finalträume waren geplatzt. Auf der dritten Platte standen sich Marcel Horchert und Frank Hampel gegenüber. Mit einem Unentschieden wäre der junge Berliner der lachende Dritte im Bunde gewesen. Doch drei Sekunden vor Schluss setzte Hampel einen langen hohen Ball an, der kurz vor dem Torwart aufsprang und in die Maschen sauste. Kaum einer der Zuschauer konnte die Ereignisse richtig einordnen und niemand wusste, wer den Sprung ins Finale geschafft hatte. Michael Kaus fragte in die Runde: „Und, wer ist es?“ und nur Fabio de Nicolo hatte den Überblick und überbrachte dem überraschten Kaus die frohe Botschaft.

Michael Kaus (rechts) macht gegen Christian Kuch den Finaleinzug klar

 

Endrundengruppe B

Patrick Malessa, Alex Beck, Artur Merke, Kai Schäfer, Marcus Socha, Jonathan Weber

1. Runde

In Gruppe B traf Malessa zunächst auf Beck und musste sich diesem mit 2:4 geschlagen geben. Vielleicht war dieses Spiel der entscheidende Knackpunkt, sollte er doch nun keinen Punkt mehr abgeben. Weber gewann sein Duell gegen Socha in einem engen Spiel hauchdünn mit 1:0 und Merke setzte sich mit einem 3:0 gegen Schäfer anfangs an die Tabellenspitze.

2. Runde

Nun begann die Zeit von Patrick Malessa. Souverän rang er Merke mit 3:1 nieder, allerdings siegte Beck mit 4:2 auf der anderen Platte gegen Socha. Schäfer und Weber trennten sich in einem spannenden Spiel 5:5. Nach zwei gespielten Runden war also alles noch offen.

3. Runde

In dieser Runde fuhr Socha seinen ersten Sieg gegen Schäfer ein (3:2). Weber hatte beim 0:3 gegen Malessa nicht den Hauch einer Chance und verzweifelte insbesondere im Strafraum an den Reflexen seines Gegners. Merke zog punktemäßig mit Malessa und Beck gleich, indem er letzteren 3:2 besiegte.

Starker Gewinner und anerkennender Verlierer: Patrick Malessa und Jonathan Weber

4. Runde

Mit seinem Sieg gegen Schäfer versetzte sich Malessa in die glückliche Position, im letzten Spiel den Finaleinzug selbst in der Hand zu haben, denn auf den anderen Platten trennten sich Beck und Weber sowie Socha und Merke jeweils unentschieden. Merke und Beck mussten auf einen Ausrutscher des Berliners hoffen und ihre Aufgaben lösen, um noch zu hoffen. Weber, Socha und Schäfer verabschiedeten sich aus der Verlosung um das Finalticket.

Trennten sich leistungsgerecht unentschieden: Artur Merke und Marcus Socha

5. Runde

Mit Merke und Beck verdaddelten beide Herausforderer die Chance aufs Finale. Während Merke mit 4:3 gegen Weber den Kürzeren zog, verlor Beck gegen Schäfer, welcher bisher nur einen Punkt geholt hatte. Nur Malessa selbst nutzte das Moment und bezwang Socha mit 4:3. Der junge Berliner krönte seine Leistung mit dem Finaleinzug und stand schon damit vor dem größten Erfolg seiner bisherigen Tipp-Kick Laufbahn.

Finale

Im Finale standen mit Michael Kaus und Patrick Malessa zwei komplett unterschiedliche Typen. Kaus – seit Jahrzehnten in der Weltklasse des Tipp-Kicks – hatte an diesem Wochenende seine 90. Endrunde bei einem Grand Slam gespielt und war sehr erfahren und besonnen. Malessa hingegen ist einer, der sich in den letzten Jahren zu einem Topspieler entwickelt und immer mehr gelernt hat, nachdem er eine zeitlang mit dem professionellen Tipp-Kick pausiert hatte.

Michael Kaus stößt im Finale an

Wie bei anderen Endspielen auch, merkte man den Kontrahenten die Anspannung an. Sie war sogar besonders ausgeprägt, schließlich ging es in diesem Duell um die Deutsche Meisterschaft und knapp 60 Zuschauer waren heiß auf Tipp-Kick vom Feinsten.

Das Spiel war anfangs sehr von Taktik geprägt und ausgeglichen. Niemand konnte anhand der Körpersprache einen sicheren Sieger ausmachen und man hatte das Gefühl, dass das erste Tor entscheiden würde. Michael Kaus gelang es, diesen Treffer durch einen sehenswerten Schuss zu erzielen. Doch Malessa gab nicht auf und konnte ungefähr eine Minute später ausgleichen. Die Partie blieb also spannend, bis Kaus zwei Minuten vor Schluss das 2:1 schoss. Seine Teamkameraden jubelten und trieben ihn an, doch selbiges taten Malessas Celticer. Er gab nicht auf und versuchte, den Ausgleich zu erzielen, doch als Kaus wenige Sekunden vor Schluss zu einem seiner gefürchteten Aufsetzer ansetzte, war das Spiel entschieden. Michael Kaus setzte seiner Karriere mit dem letzten fehlenden großen Titel die Krone auf.

Stolzer Sieger in seiner 90. großen Endrunde: Michael Kaus

Der DTKV bedankt sich bei allen Akteuren für die fairen Wettkämpfe. Insbesondere die Veranstalter vom 1. TKC Kaiserslautern ’86 haben den Tipp-Kickern eine top organisierte DEM mit viel Liebe zum Detail geboten und sich damit als Turnierausrichter bewährt. Lediglich die geringe Teilnehmerzahl von 130 macht dem begeisterten Tipp-Kicker Sorgen. Wir müssen und werden Lösungen finden, die Tendenz von einer negativen in eine positive zu verwandeln.

Alle Pokalgewinner der 51. Deutschen Einzelmeisterschaft!

Die Endplatzierungen der DEM findet ihr auf artbot.

Bilder: André Bialk