Ausrichter der 1. DEM: „Tipp-Kick half uns, die Schrecken des Krieges kurzzeitig zu vergessen“

Am 9. und 10. Mai 2015 wird die 50. Deutsche Einzelmeisterschaft in Bornheim bei Köln veranstaltet. Für Siegfried Friese, der 1959 in der Organisation der 1. Deutschen Einzelmeisterschaft mitwirkte, war an ein solches Jubiläum noch nicht zu denken. Der 82-jährige, der mittlerweile Mitglied bei den TKC Balingen Headbangers ist, erzählt, mit welcher Faszination Tipp-Kick zu seiner Zeit gespielt wurde und erinnert sich an die Jahre im zweiten Weltkrieg, seine Tipp-Kick-Laufbahn und die gelungene Premiere des größten Turnieres der Welt.

Siegfried Friese bei der Turnierorganisation 1959

Siegfried Friese bei der Turnierorganisation 1959

Siegfried Friese wurde 1933 in Danzig geboren und war ein typisches Kind seiner Zeit. In den Kriegsjahren wurde er mit der „Kinderlandverschickung“ vor Bombenangriffen in Sicherheit gebracht. „Wir haben das immer Kinderlandverschleppung genannt“, merkt Friese süffisant an. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde er 1943 mit vielen anderen Kindern auf der Halbinsel Hela, in der Danziger Bucht, untergebracht. „Neben der Möglichkeit Tischtennis zu spielen, gab es auch mehrere Tipp-Kick-Sets, die wir benutzen durften“, erinnert er sich. Siegfried und seine Freunde waren sofort vom Spiel mit den Zinkfiguren begeistert.

„Tipp-Kick half uns, die Schrecken des Krieges kurzzeitig zu vergessen“

Plötzlich war es möglich, wie im „echten“ Fußball, um Tore und Punkte zu spielen. „Sobald wir aus der Schule kamen, kämpften wir Tag und Nacht um Tore und Punkte. Es wurden Tabellen erstellt und Turniere gespielt. Tipp-Kick half uns, die Schrecken des Krieges kurzzeitig zu vergessen“, erzählt Friese mit glänzenden Augen.

„Wir waren Weltklasse und haben Ecken direkt verwandelt“

Nach der Vertreibung aus Danzig landete Siegfried zum Kriegsende in Sehnde bei Hannover, wo er sich später in der evangelischen Jugend engagierte. Zur Kirchengemeinde gehörte der „Borsum-Saal“. (Anm. d. Redaktion: Kennt jemand diesen Saal?) Im Bestand der Gemeinde waren auch Tipp-Kick-Spiele, deren Faszination Siegfried sofort wieder erlag. Neben ihm fanden sich schnell wieder Spieler, die wie auf Hela, jede freie Minute trainierten. „Wir waren einfach Weltklasse! Wir haben Ecken direkt verwandelt und mit gekonnten Bogenlampen die Abwehrmauer überwunden.“

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Siegfried Friese musste sich für die Teilnahme an der 1. DEM qualifizieren. Im Qualifikationsturnier wurde er Württembergischer Einzelmeister.

Im Jahr 1958 gründete der damals 25-jährige Siegfried Friese in Oberndorf am Neckar einen Tipp-Kick-Club. Freddy Stehula und Heinz Gamber waren Clubkameraden von ihm, die auch auf der 1. Deutschen Einzelmeisterschaft in Duisburg teilgenommen und dabei vordere Plätze belegt haben. Sie veranstalteten an vielen Wochenenden im Jahr Tipp-Kick-Turniere im „Oberen Werk“, einem Raum, der von der Stadtverwaltung kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. „Es traten auch die Berufsspieler der Familie Mieg an, die bei der 1. Deutschen Meisterschaft mit frisierten Spielern glänzten. Wahrscheinlich hatten sie das gemacht, weil sie bei den Qualifikationsturnieren so viele Tore von mir kassierten“, merkt Friese lachend an. 1958 wurde er „Württembergischer Meister“, bei der 1. Deutschen Einzelmeisterschaft Achter.

„Soweit ich mich erinnern kann, hatten wir schon Turnierplatten“

Die Deutsche Einzelmeisterschaft 1959 in Duisburg organisierte Friese aufgrund der guten, freundschaftlichen, Beziehungen zur Firma Mieg, die im Laufe der Zeit, vor allem im Rahmen der Turniere des Oberndorfer Tipp-Kick-Clubs, zustande kamen. Eine besonders freundschaftliche Beziehung hatte er vor allem zu Peter Mieg.

Friese war für die Versendung der Einladungen, die Auslosung der Turniergruppen und das Erstellen der Tabellen verantwortlich. „Soweit ich mich erinnern kann, hatten wir für die Meisterschaft schon Turnierplatten“, sagt Friese, dessen Onkel auch mit eingebunden war: „Er war damals als Pressereferent für die Deutsche Meisterschaft tätig. Durch ihn hatten wir eine sehr gute Resonanz in der Presse, vor allen in Funk und Fernsehen“, sagt Friese, der die Organisation damals ehrenamtlich durchführte. „Die Familie Mieg übersandte mir zum Dank aber ein paar Spiele aus ihrem reichhaltigen Sortiment.“

„Meine Frau spielt deutlich besser als ich“

Friese heute

Friese heute

Siegfried hat bei sich zu Hause noch immer eine Tipp-Kick-Platte aufgebaut. Vor ein paar Jahren, als es seine Gesundheit noch zuließ, hat er gelegentlich eine Partie gegen seine Frau Gerlinde gespielt. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht stellt er fest: „Meine Frau spielt deutlich besser als ich.“

Zusammenschnitte der 1. Deutschen Einzelmeisterschaft in Duisburg:

Fotos: Lukas Homscheidt, youtube.com/watch?v=Twrq_VAF_Rs