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Tipp-Kicker des Monats September 2017: Jakob Weber

Eine Wahl der Superlative endete passend mit einem Sensationssieger: rekordverdächtige 78 Stimmen wurden insgesamt gezählt, 36 mal stand ein Name auf dem Stimmzettel, dessen Träger im September weder ein Turnier gewonnen noch mit einer sagenhaften Liga-Einzelbilanz aufgewartet hatte: Jakob Weber von PWR Wasseralfingen ist Tipp-Kicker des Monats September 2017!

Nach über vier Jahren zurück an der Platte: Jakob Weber, Tipp-Kicker des Monats September 2017! (Foto: W. Renninger)

 

Abstimmung:

 

Noch nie war eine Wahl zum Tipp-Kicker des Monats so von einer Veranstaltung geprägt, noch nie wurde der Verlierer eines Finals anschließend zum Kicker des Monats gekürt. Zugegeben, es war nicht irgendeine Veranstaltung und auch kein x-beliebiges Finale: Die Deutsche Einzelmeisterschaft 2017 drückte der Abstimmung ihren Stempel auf, mit Max Bartels und Fabio de Nicolo waren unter den sechs nominierten Kandidaten nur zwei Kicker, die ihre Bewerbung nicht auf der DEM abgegeben hatten. Anna Lena Neumann (Deutsche Damen-Meisterin 2017), Daniel Bialk (Deutscher U-18-Meister 2017) und Philipp Baadte (Deutscher Einzelmeister 2017) holten die Titel bei der DEM.
Wenn dann am Ende der Verlierer des Finales der DEM zum Tipp-Kicker des Monats gewählt wird, muss es sich um eine besondere Geschichte handeln. Deshalb haben wir Jakob einige Fragen gestellt. Im Interview präsentierte er sich so, wie man ihn spätestens seit der DEM auch wieder an und neben der Platte wahrnimmt: Selbstbewusst, reflektiert, einfallsreich und extrem sympathisch!

Interview:

 

–              Hallo Jakob, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum Tipp-Kicker des Monats September 2017!

Vielen Dank!

–              Mal ehrlich: Bist Du überrascht über die Wahl oder hattest Du nach deinem fulminanten Auftritt bei der DEM und der denkbar knappen 2:3 Finalniederlage gegen Philipp Baadte sogar damit gerechnet?

Bei all den anderen Tipp-Kickern, die zur Wahl standen, konnte ich nicht unbedingt damit rechnen. Es freut mich natürlich umso mehr, dass so viele in der Tipp-Kick-Gemeinschaft für mich gestimmt haben und so in gewisser Weise meine Leistung honorieren.

–              In deinen eigenen Worten: Wer ist eigentlich dieser Jakob Weber?

Jung (19), akribisch, keck, originell, begabt, willensstark, ehrgeizig, beredsam, emotional, rechthaberisch.

–              Erst in der letzten Saison hast Du bei PWR wieder komplett durchgespielt, vorher war einige Jahre nichts mehr von dir zu hören. Hattest Du einfach „die Schnauze voll“ von Tipp-Kick oder waren andere Gründe dafür ausschlaggebend?

„Die Schnauze voll“ von Tipp-Kick? Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen! Tipp-Kick war, ist und wird immer ein großes Thema für mich sein. Da gab es andere Gründe, die mich davon abgehalten haben.

–              Gab es in dieser Zeit auch Phasen, in denen Du über einen längeren Zeitraum wirklich keinen Kicker in der Hand hattest?

Im Hause Weber ist es beinahe bis vollkommen unmöglich, keine Kicker in der Hand zu haben. Aber mit der Frage sind bestimmt meine eigenen Kicker gemeint. In den Jahren ohne Turnier gab es Phasen, in denen ich meine Spieler mal mehr und mal weniger in der Hand hatte. Wenn ich genau überlege, dürfte die längste komplette Abstinenzphase beinahe ein halbes Jahr gedauert haben.

–              Erzähl doch bitte mal, wie Du selbst die DEM in Bockenem erlebt hast. Hattest Du schon vor dem Turnier ein gutes Gefühl? Ab wann hast Du dann schließlich realisiert: Das kann heute ganz weit gehen?

Donnerstagmittag saß ich noch in der Hochschule und habe in einem Tutorium neue Erstsemester betreut, da hatte ich noch kaum einen Gedanken an die DEM verloren. Auch wenn die Zeit davor relativ intensiv hinsichtlich Tipp-Kick war, ging es dann am Freitagmittag ziemlich spontan gen Norden. Nach ziemlich genau 4,5 Jahren wieder ein DTKV-Turnier zu spielen, wieder mit Bruder und Papa unterwegs zu sein – das war schon ein Erlebnis an sich. Das Finale bei der DEM zu spielen hätte ich im Vorfeld sofort unterschrieben und ist mehr, als ich mir vorgenommen hatte. Wo ich stehe, konnte ich auch nicht hundertprozentig einordnen. Wenn ich ehrlich bin: Primäres Ziel war es zunächst, Tag 2 zu erreichen; ich habe dann jeweils von Runde zu Runde gespielt. Nachdem ich an Tag 2 mal wieder schlecht gestartet bin (0:4 Punkte und eine saftige Klatsche gegen Fabio), war ich extrem fokussiert und konnte das noch ausbügeln. Dementsprechend bin ich auch mit 4:0 Punkten in die Vorschlussrunde gestartet und war voll da!

–              In der Endrunde hast Du gegen Alex Beck, Frank Hampel, Jens Foit und Patrick Malessa gekickt, die zusammen insgesamt 37 Endrunden bei Deutschen Meisterschaften auf dem Buckel haben; nur Robert von Hering war Novize wie Du, hatte allerdings im letzten Jahr schon das Tourfinale für sich entschieden. Trotzdem hast du keines der fünf Matches verloren. Musstest Du dich zwischendurch mal zwicken oder hast Du gewusst, dass Du das drauf hast?

Gegen Robert, den ich bei der DEM kennenlernen durfte, war ich der Niederlage am nächsten, weil er sich erst einige Sekunden vor Schluss eine Ecke selbst reingeschossen hat (jedoch ging auch ein unhaltbarer Torwartschuss von mir an den Pfosten 🙂 !). Es hat sich zeitweise echt surreal angefühlt, weswegen ich mich und auch ein paar wenige Tipp-Kicker verdutzt fragen musste, ob das alles gerade so passiert. Ich weiß aber natürlich, was ich kann (und was nicht). Wenn das Ganze läuft und ich mein Ding mache, kann ich alles schaffen.

–              Hand aufs Herz: Dein erster Gedanke nach dem Schlusspfiff des Finales?

5 Sekunden vor Schluss: Mist, das war’s!
3 Sekunden vor Schluss: Das ist deine Chance!
1 Sekunde vor Schluss: Geil, der sitzt!

Im allerersten Moment danach habe ich mir gedacht, wie ich den nur darüber setzen konnte. Das hat aber nur sehr kurz angehalten. Philipp war stark und er ist auch ein Typ, dem ich das sehr gönne – ich für meinen Teil war und bin froh, das geschafft zu haben. Der Nachmittag hat sich einfach extrem geil angefühlt und mein erster Gedanke war: Das will ich wieder haben!

–              Wie wichtig war es für dich, dass dein Papa Bernd und dein Bruder Jonathan dabei waren? Hat dich das zusätzlich gepusht?

Familie ist nicht das Wichtigste, sie ist alles. Nach dem Ende der Vorschlussrunde war ich abseits vom Geschehen mit meinem Papa und Jonathan alleine, da bin ich ein wenig emotional geworden (auf Details verzichte ich hier 😉 ). Sonst waren (und sind) die beiden ein riesengroßer Rückhalt für mich, insofern hat es mir natürlich geholfen, dass sie dabei waren. Zum anderen hat mich einfach das Ereignis an sich getragen, mit der großen „Tipp-Kick-Familie“ (ein großes Danke an alle – nach all der Zeit hat sich nichts geändert) Zeit zu verbringen.

–              Wie schätzt Du selbst dein Spiel ein? Wo liegen deine Stärken, wo siehst Du Schwächen?

In letzter Zeit konnte ich beobachten, dass ich zum Teil extrem schwach in Spiele starte. Ich muss danach schauen, dass ich dauerhaft über 10 Minuten an der Platte zeige, was ich alles kann. Meine technischen Fähigkeiten sind grundsolide und damit lässt sich arbeiten, doch da hat mir der ein oder andere Spieler gewiss noch etwas voraus. Wenn ich etwas erreichen will, kommt mir zugute, dass ich Ehrgeiz, Mentalität und Wille habe: Ein ums andere Mal durfte ich gegen einen Rückstand anspielen und Spiele, in denen ich punkten oder gar gewinnen musste, konnte ich zu 100 Prozent für mich entscheiden.

–              Du als Sohn des größten Spieler-Tüftlers der Szene musst es doch wissen: Braucht man Lagerspieler?

Etwas zu brauchen sehe ich als ziemlich philosophische Frage an und gerade im Tipp-Kick gibt es einige Philosophen und Philosophien. Letztendlich zählt, dass ich einen Kicker in der Hand habe, mit dem ich Dir das Zwölfeck ins Viereck knalle. Vor ein paar Monaten (als ich noch nicht mit Lagerspielern gespielt habe) hätte ich diese Frage wohl noch anders beantwortet. Hinsichtlich Reproduzierbarkeit der Schüsse sehe ich nach etwa einem dreiviertel Jahr einen kleinen, aber feinen Vorteil (der oft entscheidend sein kann) auf der Seite der Lagerspieler. Was in meinen Augen aber viel schwerer wiegt, ist der Aspekt der Wartung. Bei der DEM muss ein Fussel in meinen Spieler gekommen sein, Schraube lösen, durchpusten, Schraube anziehen und alles war wieder in Ordnung. Scheiben hätte ich nicht so schnell wieder einsetzen können. Das System Lagerspieler bringt in meinen Augen keine Nachteile, lediglich Vorteile. Wenn ich das subjektiv bewerte, sehe ich einfach mit welch einer Leidenschaft mein Papa dabei ist und wie viel Spaß ihm das Basteln macht – objektiv betrachtet ist das, was er da macht und reinsteckt, einsame Spitze und spricht für sich selbst.

–              Wenn du dein Verhältnis zu Jonathan in Sachen Tipp-Kick betrachtest, was überwiegt: Konkurrenz oder Unterstützung?

Ich denke jeder, der Geschwister hat, kennt das, dass in jüngeren Jahren das ein oder andere Mal gestritten wird, mit der Zeit reduziert sich das aber auf ein Minimum. Man kann auf jeden Fall sagen, dass wir uns nahestehen. Genauso ist es in Sachen Tipp-Kick. Im Vordergrund steht bei unseren zum Teil exzessiven Sessions (Prädikat „meistbespielteste Platte Deutschlands“) nicht mehr die Frage, wer jetzt gewonnen hat und wer der bessere Spieler ist (diese Frage können sich gerne die anderen stellen), sondern die gemeinsame Zeit, die Freude (riesengroß!) und das gegenseitige Voranbringen. Auch in der Mannschaft ist es ein Miteinander. Nachdem es letzte Saison so knapp nicht gereicht hat, ist es unser gemeinsames Ziel, den PWR in die 1. Bundesliga zu führen.  Also: Unterstützung!

–              Endspiel DEM 2018 in Berlin: Jakob Weber – Jonathan Weber. Traum oder Alptraum?

Familie Weber regiert Tipp-Kick Deutschland? Nice! Bei mir überwiegt der Traum, bei dem Gedanken an ein Duell unter Brüdern wäre das für meinen Papa aber wohl eher ein Alptraum!

 

Gewinner des Materialgutscheins:

Unter den 78 Teilnehmern der Abstimmung haben wir wieder einen Materialgutschein in Höhe von 10.- Euro verlost. Der Gewinner ist:

Frank Derkow

Herzlichen Glückwunsch von der Rundschau-Redaktion!

 

 

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Tipp-Kicker des Monats Februar 2017: Vito-André Filipiak

Die Redaktion bedankt sich bei 62 Teilnehmern, die ihre Stimmen auf 4 Kandidaten verteilen konnten. Vito-André Filipiak (1. TKC Scorpions Kierspe) setzte sich dabei mit genau 30 Stimmen klar gegen die restlichen 3 Kandidaten durch. Diese waren in alphabetischer Reihenfolge Tim Debert (TKG Wolfsburg), Andreas Hagenstein (TFC Alemania Neumünster) und Robert von Hering (SpVgg Balltick Kiel). Alle drei waren in nicht-alphabetischer Reihenfolge mit 12-11-9 Stimmen fast gleichauf. Ein Glückwunsch dem sympathischen Sieger dieser Wahl, Vito-André!

Unter allen Teilnehmern der Abstimmung wurde ein Materialgutschein für den DTKV-MITGLIEDERSHOP in Höhe von zehn Euro verlost. Der Gewinner ist Felix Lennemann von SG Rheinland/Düsseldorf.

 

Porträt des Siegers:

Vito-André Filipiak, Jahrgang 1981, versuchte bereits als Kind im zarten Alter von 5 Jahren seinem Onkel Frank an der Tipp-Kick-Platte das Fürchten zu lehren. Das gelang nicht immer, aber schon damals zeichnete ihn der unbedingte Siegeswille und Ehrgeiz aus, immer besser zu werden.

Dann folgte eine etwas längere Pause bis zum Herbst 2013, als das alte Tipp-Kick-Spiel reaktiviert wurde. Im Sommer 2016 beschloss er mit einigen Begeisterten, den Club 1. TKV Scorpions Kierspe zu gründen. Umgehend wurde der Club beim DTKV angemeldet, mit dem Ziel am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen zu können. Hierzu wurde extra eine Räumlichkeit angemietet, die mit viel Liebe zum Detail zur „Scorpions-Arena“ umgestaltet wurde. Jeden Mittwoch ab 18 Uhr werden dort nun die 12-eckigen Bälle in den Kasten gezirkelt.

Der Tipp-Kick-Virus infizierte den neuen Verein und insbesondere den aktuellen „Tipp-Kicker des Monats“ Vito-André. Er nahm seitdem an 13 Regionalturnieren im Westen Deutschlands und mit der Norddeutschen Einzelmeisterschaft an seinem ersten Sektionsturnier teil. Langsam stellten sich mit den zunehmenden Erfahrungen auch erste Erfolge ein: Teilnahmen an Playoffs, wie z.B. das Latscho-Turnier 2017 in Düsseldorf, als er nach 10 Spielen im Schweizer System den 9. Platz belegte. Im Augenblick rangiert er in der deutschen Rangliste auf Platz 145. Ranglistenplatz 100 ist im Einzelspielbetrieb sein nächstes großes Ziel.

Doch Vito-André betont auch, dass seine Mannschaft, die Scorpions von Kierspe, ihm immens wichtig ist. Nach einem Jahr Spielbetrieb gibt es noch viele Ansätze, um sich verbessern zu können. Und parallel möchte er auch den Tipp-Kick-Sport in seiner Heimat bekannter machen.

Auf die Frage, worauf er bei seinem Club besonders stolz ist, antwort er, dass er es genießt mit tollen Menschen einem geilen Hobby nachzugehen!

Die Rundschau-Redaktion wünscht ihm dabei weiterhin viel Spaß und viele Erfolge! 

 

 

Eine kleine, manchmal bitte nicht ernst zu nehmende, statistische Auswertung der Stimmen ergab:

  • Bei der Wahl zum „Tipp-Kicker des Monats Februar 2017“ wurden genau 62 gültige Stimmen abgegeben. Es gab 4 (vier!) ungültige Stimmen. Ein Wähler wählte am 1. April und somit zu spät. Drei Wähler wählten doppelt, darunter 1 weibliche Wählerin und 1 Wähler aus dem Südwesten der Republik, der bereits einmal früher bei einer anderen Wahl zum Tipp-Kicker des Monats doppelt gewählt hatte. Doch auch bei ihm ist eine schrittweise positive Verbesserung festzustellen: Während er damals noch 2 unterschiedliche Kandidaten wählte, wählte er dieses Mal den gleichen Kandidaten.
  • Es wählten nach Regionen: Norden (27 Stimmen), Westen (18 Stimmen), Süden (11 Stimmen) und der Osten (3 Stimmen). Den Button „Interessent“ drückten 3 Teilnehmer, darunter 2 weibliche Teilnehmerinnen.
  • Ein Kandidat beteiligte sich selbst an der Wahl und wählte – wie gewohnt – sich nicht selbst. Hätte er sich jedoch selbst gewählt, wäre er sogar Zweiter geworden, doch mit der goldenen Ananas gibt sich dieser Spieler in der Regel nicht zufrieden und daher Applaus für diese selbstverständliche Nicht-Selbstwahl.
  • Betrachtet man die Anzahl der abgegebenen Stimmen pro Tag, sieht man bei jeder Wahl, dass bereits 24 Stunden nach Vorstellung der Kandidaten über 50 Prozent aller Stimmen abgegeben sind. Dann trudeln die Stimmen kleckerlesweise ein. Nach der Erinnerung am vorletzten Tag der Abstimmung, dass diese bald enden wird, kommen noch einmal im Schnitt 10 Prozent der endgültigen Stimmen hinzu.
  • Auf die vorliegende Wahl bezogen, hieß das konkret: Die 1. Stimme traf am 17.3. um 21.44 Uhr ein. Die 18. Stimme, abgegeben am 18.3. morgens um 8.29 Uhr, brachte Vito-André bereits den Sieg in dieser Wahl. Zu diesem Zeitpunkt dämmerten die Nordlichter noch im Tiefschlaf dahin und der spätere Zweitplatzierte hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Stimme erhalten. Erst ein öffentlicher Facebook-Aufruf seiner Clubkameraden bescherte ihm die notwendigen Stimmen für Platz 2.
  • Betrachtet man die Ergebnisse nach Regionen, weiß man, warum Vito-André die Wahl gewonnen hat: In „seiner“ Westregion erhielt er von 18 Wählern 18 Stimmen, also unglaubliche 100%. Vorschlag für die Westregion: Wählt euren Sektionsleiter-West doch mal online! Natürlich hatten die anderen 3 Kandidaten Pech, dass sie alle aus dem Norden stammen und die Stimmen ihrer Region gesplittet wurden …
  • Und zum vierten Mal in Folge erweist sich der Osten als Multikulti: 3 Stimmen für 3 verschiedene Kandidaten. Unfassbar!
  • Bei dieser Wahl der „Außenseiter“ beteiligten sich immerhin 5 Bundesliga-Spieler. Hier konnte sich Robert von Hering mit 2 Stimmen durchsetzen, alle anderen 3 Stimmen verteilten sich auf die 3 anderen Kandidaten.
  • Ursprünglich angenommen beteiligten sich 6 Damen an der Wahl: sie verteilten Ihre Gunst auf die beiden Kandidaten Vito-André und Andreas! Hier siegte Vito-André mit 4:2, wobei eine der Stimmen für Andreas überaus kritisch zu bewerten ist. Wenn Vor- und Nachname identisch sind, wenn beide auf -a enden, muss das nicht zwingend eine weibliche Abstimmende sein. Zumal diese Variation weder im Internationalen Handbuch der Vornamen noch in Spezialvornamenverzeichnissen der Ostfriesen, Skandinavier oder Isländer aufzufinden war. Hehe, entlarvt, ein Fake also! P.s.: In der Zwischenzeit konnte dieser Teilnehmer enttarnt werden, da er unter der gleichen email-Adresse im August 2016 an einer Tipp-Kicker des Monats-Wahl teilgenommen hatte. Er ist männlich und entstammt der Westregion!

 

 

 

Pokale kannst Du vergessen, aber niemals deinen Tipp-Kick-Koffer oder die längste Tipp-Kick-Fahrt aller Zeiten

Christian Schäl stellt 59 Fragen an die Nummer 3 der Hall of Fame, Oliver Schell.

 

1. Du bist der „letzte Lübecker“, der noch regelmäßig und aktiv Tipp-Kick spielt. Hättest Du das mal so erwartet? – oder anders: was treibt Dich an, noch zu spielen?

Weniger die Jagd nach irgendwelchen Rekorden. Aber ich fühle mich bei Tipp-Kick-Veranstaltungen eben wohl. Egal, ob es bei mir selber um Erfolg geht oder bei anderen. Ich quatsche auch gerne. Es sind ja auch genug gleichaltrige da. Ich hätte aber eher erwartet, dass Normann oder Dirk als letztes spielen. Ich glaube aber auch nicht, dass die anderen drei Lübecker komplett aufgehört haben. Warum sollte man das beim Tipp-Kick auch machen? Um den Meniskus zu schonen?

2. Wir leben in einer Zeit der Revival. Wie hoch schätzt du die Wahrscheinlichkeit, nochmals mit Koch, Kallies und Winckelmann eine Saison durchzuspielen?

So ziemlich genau 17%.

3. Eine Spinne mag es, wenn etwas in ihr Netz fliegt. Woher rührt dein Spitzname „die Spinne“? Sind es tatsächlich die acht Arme, die dein Torwart hat?

Nein, es war Michael Schuster, der bei der DEM 2006 diesen Spitznamen ersann. Ich meine, es beschreibt meine Art und Weise, wie ich um den Tisch herum arbeite, ähnlich fleißig wie eine Spinne eben.

Oliver Schell (r.) erlebt man immer sehr aktiv an der Platte!

4. Was ist das schönste Element in deinem Spiel?

Der tödliche Pass in die Tiefe.

5. Welchen Ball hättest du gerne gehalten?

Den Ball, den mir Sebi 1992 auf der Süddeutschen an den Innenpfosten geschossen hat 😉

6. „Legen und Strafraumball“ müssen ein Arbeitsgang sein. So konnte man deinen Minimalismus beschreiben. Durch die Regeländerung, dass der zweite Ball auf’s Tor muss, wurde das Kompetenzzentrum deines Spiels aufgelöst. Wie sehr hat dich das zurückgeworfen?

Eigentlich gar nicht. Vielleicht habe ich dadurch ein, zwei Chancen weniger, aber andere haben drei, vier weniger davon. Mich würde mal eine Statistik interessieren, wie viele Tore überhaupt aus Strafraumbällen erziehlt werden – und wie viele es bei mir sind. Ich habe nach der Regeländerung, an der ich übrigens auch beteiligt war, ja auch noch drei Sektionstitel gewonnen.

7. Du und Normann, ihr habt jahrelang das Niveau markiert. An wessen Spiel muss man heute anknüpfen, will man Erfolg haben oder ist der „Thron“ im Augenblick leer?

Das würde ich nicht sagen. Dirk Kallies war über drei Jahre Ranglistenerster. Das hat noch niemand geschafft, selbst Normann nicht. Außerdem gab es „damals“ auch noch eine Reihe ebenbürtiger Spieler. Auch heute sind es ein knappes Dutzend, aber ich würde, ähnlich wie Normann damals, Buza als den, den es zu schlagen gilt, nennen. Wenn bei ihm alles „normal“ läuft, ist er quasi nicht schlagbar.

8. Kann man ohne Trainingspartner, also alleine an der Platte, sein Torwartspiel verbessern oder geht das nur durch das Spielen?

Das geht auf zwei Arten: Natürlich durch Spielen und mit der Werner-Glück-Ballmaschine, ohne die ich niemals einen so guten Torwart bekommen hätte.

9. Jens König hält die Materialfrage für überbewertet. Wie siehst Du das?

Das sehe ich genauso. Da noch nicht einmal Jonathan Weber Lagerspieler benutzt, kann das nicht sehr wichtig sein.

10. Deine Tipp-Kick-Lieblingsanekdote?

Die längste Tipp-Kick-Fahrt aller Zeiten: Ein Ostalbturnierwochenende. Juhu! Ich düse also los und hole die Winckelmänner in Lübeck noch ab, um dann nach insgesamt fast 800 km endlich in der Halle zu sein. Zwischendurch dann irgendwie Bier, Tipp-Kick, Bier, Tipp-Kick (oder andersherum) – keine Ahnung mehr, wer da wie gewonnen hat – anschließend die Rückfahrt. Dann nach einigen Stunden auf der Autobahn, ungefähr Höhe Kassel, bemerkt Basti dann, dass seine Spieler nicht an Bord sind. Nach einigen erfolglosen Telefonaten vom Festnetz einer Raststätte (muss also in den 90ern gewesen sein) also wieder los Richtung Wasseralfingen. Dort mitten in der Nacht angekommen, steht Bastis Tipp-Kick-Koffer tatsächlich auf dem Parkplatz! Nun also wieder los Richtung Norden über Lübeck nach Kiel, um dann am Montag Morgen, nach über 2200 km mit meinem Honda CRX endlich eine Erholung zu gönnen.

11. Hättest Du mehr Titel geholt, wenn Du nicht so hoch im Norden leben würdest? – oder anders: wirst Du eines Tages weiter in den Süden ziehen, damit Du in der Hall-of-Fame Jens König einholst?

Das haben wir uns tatsächlich oft gefragt. Aber Lübeck und Leck waren ja trotzdem sehr erfolgreich. Letztendlich gab es drei Effekte dadurch: Die Touren waren teurer. Wir waren am Montag oft müde. Wir konnten uns auf den langen Fahrten besser auf das Event einstellen. (alternativ: Für Leck und Lübeck war und ist es natürlich immer der doppelte Aufwand, aber dafür wäre ich ohne NoKo, Diak und Basti niemals so gut geworden und der Gewinn der Tönniger Tipp-Kick-Trophy/Schleswig-Holsteinischen Landesmeisterschaft wäre mein größter Triumpf geworden. Der König zehrt ja immer noch von meiner Hannover-Zeit, als er mehrmals pro Woche mit mir trainieren durfte.)

Die Fantastic Four: Oliver Schell, Sebastian Winckelmann, Dirk Kallies und Normann Koch

12. Wenn Dir ein Spiel entgleitet, wie versuchst Du, die Kontrolle zurückzugewinnen?

Erstmal: Entspannen! Anschließend Powerplay, also „Nach-Vorne-Verteidigen“ und „Gegenpressing“ – um nur zwei Plattitüden von Fussball-Kommentatoren zu nennen.

13. An welche unfaire oder zumindest fragwürdige Situation musst du häufig denken?

Och, da gab es sicherlich schon ein paar. Aber das MM-Play-Off-Spiel ‚Koch vs Heinze‘ wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben.

14. Hast Du in den Anfängen viel ausprobiert oder schnell deinen Stil gefunden?

Klar, in den Anfängen haben wir alles ausprobiert. Anfänglich war ich die Tormaschine, dann der Konterspieler, Abwehrbollwerk und schließlich der Strafraumdribbler. Nur ein gutes Drehermännchen konnte ich nie erwerben …

15. Würdest Du einen Deutschen Einzelmeistertitel hergeben, wenn Du dafür als der Erfinder des Farbspiels in die Geschichte eingehen würdest?

Nein, ich bin schon stolz, dass Normann es mir als Erstem verraten hat! Ich habe ihn damals übrigens für verrückt gehalten.

16. Findest Du die Farbe des Torwarts wichtig, gar entscheidend, um gut halten zu können?

Vor meiner Hoch-Zeit als Torwarttitan (in den 1990ern) hatte ich meinem Torwart einen Superman-Anstrich verpasst. Dieser hatte leider eine 2mm-Stange, so dass ich diesen ausmustern musste.

17. Wann hast Du dein letztes Eckballtor geschossen?

2016 in Berlin. Zwei von jeder Seite.

18. Normann gilt als der brilliantere Spieler, einer, der in die Bälle schon mal eine Portion Chaos hineinfügt. Dein Spiel versucht, das Chaos auf Muster zu reduzieren. Normanns Spiel war eher entdeckend, deins wiederholend. Siehst Du das auch so?

Ich habe es in direkten Partien eher so gesehen: Normann kreierte neue Schüsse, die ich dann zerstören durfte.

19. Du bist der einzige, der Normann Koch in einem DEM-Finale jemals besiegt hat. Habt ihr manchmal über dieses Spiel gesprochen oder es gar analysiert?

Ja, auf der Rückfahrt ungefähr eine Minute.

Oliver Schell war der einzige, der seinen Kollegen Normann in einem DEM-Finale mit 2:1 schlagen konnte

20. Wenn es einen Oliver-Schell-Fan-Club geben würde und die würden sich alle einmal im Jahr an einer Tipp-Kick-Platte treffen. Welches Tor von Dir sollten sie nachspielen?

An so ein „Götze-/Gerd-Müller-Tor“ kann ich mich nicht erinnern.

21. Was hältst du von Jens König? Also ehrlich!

(Die Antwort wurde auf Wunsch eines Tipp-Kickers gestrichen… haha…)

Im Prinzip ziemlich viel. Z.B. ist es quasi unmöglich, sich mit ihm zu streiten, obwohl ich das doch schon mal geschafft habe. Er hat allerdings auch Schwächen. Die werden hier aber natürlich nicht verraten.

22. Welches Alterswerk hast Du in Sachen Tipp-Kick noch vor?

Vielleicht irgendwann nochmal mit den alten Lübeckern BW Concordia Lübeck mit jungen Spielern aufleben lassen. Dirk hat da ja auch so ein paar Schulprojekte laufen. Vielleicht ziehe ich als Rentner ja auch wieder nach Lübeck.

23. Deine Erfahrung mit Eigentoren? oder anders: Wie sehr sollte man als Champion (oder um einer zu werden) mit dem Glück zusammenarbeiten?

Da gab es schon ein paar sehr bittere (Bretter vom Gebälk oder eine Ecke ins eigene Tor „legen“). In einem Zehnminuten-Spiel braucht man i.d.R. auch Glück, um gegen einen nahezu gleichstarken Gegner zu gewinnen. Um Ranglistenerster zu werden allerdings nur Ausdauer neben einem gewissen Talent.

24. Die „Königsdisziplin“ im Tipp-Kick: Eckballtor oder Strafraumball?

Die „Jens-Königsdisziplin“ ist ganz klar der Strafraumball. Die Königsdisziplin“ im Tipp-Kick ist natürlich die Ecke (neben dem ein oder anderen Verarschungstrick).

Jens König und Oliver Schell – zwei Weggefährten, die sich gut verstehen!

25. Hast Du schon mal ungepflegt oder schlampig gekleidet an der Platte gestanden? oder anders: Sollte es im Tipp-Kick (wie im Dart und beim Billard) eine Kleiderordnung geben?

Ich hatte auf langen Fahrten mal so eine weite Adidas-Jogginghose an, worauf Dirk mich als „lettischen LKW-Fahrer“ bezeichnete. Kann sein, dass ich die auch mal an der Platte trug. Normalerweise bin ich gegen eine Kleiderordnung. Wenn es allerdings Sponsoren gibt oder gar TV-Übertragungen, wäre ich zu Kompromissen bereit.

26. Du hast dich von den öffentlichen Tipp-Kick-Verbandsämtern verabschiedet. Faulheit oder sind jetzt mal die anderen dran?

Jetzt sind mal andere dran. Am besten immer die, die auch gerade Bock darauf haben. Es ist eben auch viel Arbeit.

27. Kennst Du einen Tipp-Kick-Witz?

Nicht so einen richtigen. Aber Ende der 80er hat unser damaliger Vereinschef – Andreas Henseling – Normann und mich damit beauftragt, neuen Mitgliedern ein bisschen etwas zu zeigen. Worauf wir ihnen diverse Lichtschalter, Schubladen und Schränke zeigten 🙂

28. Würdest Du sagen, dass Du durch dein Spiel die Welt verändert hast?

Natürlich nicht. Vielleicht nicht mal die Tipp-Kick-Welt. Aber der lange Pass auf die Sechzehnerlinie und ein modernes Torwartstellungsspiel wird man vielleicht schon mit mir in Verbindung bringen.

29. Wieviel Raum gibst Du während eines Matches der Selbstdarstellung?

Das kommt natürlich auf die Wichtigkeit des jeweiligen Spiels an. Und ob es strategisch klug ist. Und und und …

30. Das nächste Level wäre, den Ball nicht nur auf Farbe zu legen, sondern so, dass er auf einer gewünschten Position, in einer bestimmten Stellung liegen bleibt. Ist das anzustreben oder tut sich da ein Wahnsystem auf?

Naja, natürlich legt man auf die gewünschte Position. Aber die bestimmte Stellung? Wie soll das denn gehen? Ach ja, einfach zum Torwart zurückspielen.

31. Tipp-Kick ist nur in Echtzeit genießbar. Es gibt wenige gute Aufzeichnungen von alten Spielen. Fluch oder Segen?

Schade. Das ist sehr schade. Aber die Videoaufzeichnungen steigen mit der Technik (Smartphones) ja gerade stark an.

32. Manchmal gehörst Du auch zu den „lauten Spielern“, den „Brüllern“. Dann hört man Wörter aus dem eigenen Mund kommen, die das Selbstbildnis eines fairen, coolen, beherrschten Menschen zertrümmern. Ärgerst Du dich hinterher über solche „Ausraster“?

Nein, das war immer berechtigt 😉

33. Zehn Jahre nachdem A. -als Schiedsrichter- eine Ecke zu unrecht gegen B. gegeben hatte (die Ecke blieb folgenlos), rächte sich B., in dem er A. bei einem Spiel einen Elfmeter ins Tor schoss! Wie gut ist Dein Tipp-Kick-Gedächtnis?

Es gibt natürlich ein paar Spiele, die immer in Erinnerung bleiben. Also eher Spielszenen. Aber bei der Mehrzahl dieser bemerkenswerten Spiele war ich dann eher Schiedsrichter oder Zuschauer.

34. Ärgerst Du Dich auch über gewonnene Spiele?


Ich heiße ja nicht Dirk Kallies.

Oliver Schell hat 13 große Einzeltitel gewonnen – hier bejubelt er den Triumph bei der Norddeutschen Einzelmeisterschaft 2010.

35. Letzte Worte auf dem Sterbebett:

„Letzte!“

36. Wie sieht deine Wunsch-Mannschaft unter den derzeit noch aktiven Tipp-Kickern aus?

König, Malessa, Sebi Wagner und wenn ich darf: Schell.

37. Wie positionierst Du deinen Abwehrkicker? Benutzt Du Spielfeldlinien zur Orientierung?

Nein, nur die Pfosten sowie die gefährlichste Flugbahn des jeweiligen Gegners. 15 cm vor dem Strafraum ist es gegen Schwaß allerdings reine Glückssache.

38. Wo siehst Du noch Erneuerungsmöglichkeiten beim Tipp-Kick?

Die Spielmännchen sind schon sehr gut. Eine Vereinheitlichung und Perfektionierung des Filzes würde sicherlich viel bringen.

39. Frage an den Torwarttitan: Ist der Ylipulli, diese Schlampe unter den Tipp-Kick-Bällen, nicht eine angemessene Form, eine stabile Abwehr zu überwinden?

Ja, natürlich! Gegen Torhüter, die gerade in einem Halterausch sind, helfen normalerweise nur solche Schlampen. Außerdem bringen sie einen gewissen Witz in das Spiel. Wenn die Aktion ungefähr so auch gewollt war, finde ich es dann auch eine schöne Aktion.

40. Dein Name auf isländisch: Olivar Zunullson oder Spinnar Strafraumson?
Letzteres ist besser. Aber bleiben wir lieber bei der Spinne.

41. Wann das letzte mal gegen ein Kind verloren?

Ich glaube in Berlin gegen Valentin Tenner (Ostern 2016). Aber diese Niederlage tat kaum weh, obwohl ich letztendlich in der Gruppe ausgeschieden bin.

42. Ist Fairness wichtiger als Ergebnis?

Gegen einen fairen Spieler ja! Und das betrifft über 95% der aktuellen Tipp-Kicker. (Wer sich angesprochen fühlt bzw. nicht angesprochen fühlt: selbst schuld.)

43. Sollte Tipp-Kick mehr Einzug in das öffentliche Leben nehmen, also z.B. Kicker als Ampelmännchen; auf den Autobahnraststätten mehr überdachte Tipp-Kick-Platten (statt Spielplätze) oder als Redewendung in Partnerschaften…“Sprich nicht in diesem Klemm-Brett-Ton mit mir“!

Das würde mich natürlich freuen. Aber bevor dafür Millionen investiert werden, wäre ich eher für ein Preisgeld $$$, auch wenn ich selbst davon nicht mehr profitiere.

44. Stimmt es, dass viele große Tipp-Kicker, die verschwunden sind (Runge, Steinfeld, Bacher, Koch, Klecz) sich heimlich in Darkrooms treffen und Turniere spielen?

Sind Bacher und Klecz wirklich große Tipp-Kicker? 😉 Ansonsten: Ja, Normann trifft sich regelmäßig mit Jens Runge zu ein paar Feindschaftsspielen…

45. Kennst Du Verarschungstricks im Tipp-Kick?

Na klar. Aber die kennen mittlerweile meine Gegner auch. Ach so, soll ich jetzt den anderen diesen auch noch verraten? Okay, also man täuscht einen ungefährlichen Schuss an, bzw. eine indirekte Aktion, um dann aufs blanke Tor zu schießen.

46. Spielst Du gerne Tipp-Kick?

Hängt echt stark von meiner Laune ab. Deswegen bringen Turniere eigentlich immer Spaß, da ich da eben nur hinfahre, wenn ich Zeit und Bock habe. Bei Mannschaftsspielen kann das mal in „Arbeit“ ausarten.

47. Vor einem wichtigen Spiel: bist Du vor deinem Gegner an der Platte oder erst in letzter Sekunde?

Idealerweise eine Minute vorher. Um in Ruhe die Spieler auszupacken und den Ball noch zu checken. Wann der Gegner kommt, ist mir egal.

48. Gibt es beim Tipp-Kick-Training auch Übungen, die man ohne Ball machen kann?

So wie der Hackl-Schorsch beim Bob oder wie? Nicht, dass ich wüsste.

49. Der Norden ist flach. Dort spielt (spielte) man häufig Aufsetzer und harte Bretter. Der Süden ist eher hügelig und kurvenreich. Dort spielt man Heber und hohe Bälle, um aus den Tälern hinauszukommen. Wie wichtig ist Geographie – also die physische Beschaffenheit des Raumes – für die Art und Weise wie wir spielen?

Flach spielen – hoch gewinnen.

50. Allein das Zögern ist human. Ist der Konter also ein barbarischer Ball?

Ja. Und das in Reinkultur.

Zum Konter bereit- Oliver Schell im Spiel gegen Michael Hümpel.

51. Werden Tipp-Kick-Bälle eines Tages so rar werden, dass sie Zigaretten als Währung auf dem Schwarzmarkt ersetzen?

Zigaretten? Die kannst du dann mit Gold aufwiegen.

52. Sind Wegener-Kicker (egal ob von Oliver oder Uwe) kleine Skulpturen der Überlegenheit? oder anders: sollte man so einen Kicker auf der Platte liegen haben, damit der Gegner weiß: hier wird Tipp-Kick 4.0 gespielt (oder 4:0..)?

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das wirklich so viel bringt. Ein gut getrimmtes Männchen der alten Generation ist meiner Meinung nach auch nicht schlechter. Aber vielleicht nicht so wartungsfrei.

53. Welche Frage sollte Dir die Wunschfee beantworten?

a.) Was ist dunkle Materie?

b.) Wie gelingt mir der perfekte Dreher?

Da ich die Antwort auf b.) sowieso nicht verstehen würde, lieber a.)

54. Du hast unzählige Stunden an der Platte gestanden, bist tausende von Kilometern gefahren, um Strafraumbälle zu versenken… was hättest Du mit dieser Zeit sonst gemacht, wenn nicht Tipp-Kick gewesen wäre?

Sehr gute Frage! Aber ich habe auch sonst sehr viel gemacht (Reisen usw.), so dass ich nicht das Gefühl habe, etwas verpasst zu haben. Wahrscheinlich hätte ich die Zeit dann entweder mit einem anderen Sport verbracht oder mit dem Versuch, Millionär zu werden.

55. An der Platte: Ist die Körpersprache (Ausdruck) wichtiger als das technische Vermögen?
Natürlich technisches Vermögen. Wer sich von der Körpersprache beeinflussen lässt, ist eh kein Gegner.

56. Sollte der Deutsche Tipp-Kick-Verband einen Detektiv engagieren, um die letzten noch fehlenden Tipp-Kick-Spielprotokolle für das Liga-Archiv ausfindig zu machen?
Jens König und ich würden es zusammen schaffen. Unser Arbeitgeber müsste uns nur einen Monat freistellen. Dann würden wir deutschlandweit in Kellern rumwühlen.

57. Gibt es jetzt auf den Turnieren häufiger Gegner, die gar nicht wissen, wer du eigentlich bist?

Die gab es tatsächlich schon immer. Aber jetzt werden es wieder mehr.

58. Ist die Torlinie der Trennungsstrich zwischen Himmel und Hölle?

Ach Quatsch. Über eine tolle Aktion von einem sympathischen Gegner kann man sich doch auch freuen. Apropos Torlinie: wie geil wäre es, wenn wir die Hawk-Eye-Technik hätten? (Christian, jetzt bist du mal dran)

59. Bevor ich Dir Frage 59 stelle, bitte an einen Tipp-Kick-Tisch stellen, Kicker und Ball nehmen und 15 x hintereinander auf Farbe legen…ohne Fehlversuch…

Ich habe früher vor wichtigen Events (BL-Spielen, Play-Offs, Turnieren) solange Abstöße geübt, bis ich zehn Mal hintereinander den Ball auf meine Farbe gelegen habe. Das mache ich seit ca. 10-15 Jahren nicht mehr, weil ich sonst eine Spielplatte blockieren würde.

Interview mit Christoph Schmidt (Schlachtenbummler Bochum)

Hallo Schmiddi,

schön von dir zu hören. Und, wie viele Gleitlagerspieler hast du in den letzten Wochen schon gekauft?
Hehe … tatsächlich habe ich zuletzt auf der NDEM mal wieder beim Bernd Weber zugeschlagen. Neben einem interessanten Neuzugang, ging es allerdings mehr um Umbauten meiner „Altstars“, die ich über den Winter geplant hatte und nur auf Gelegenheit gewartet habe dies mit Bernd zu besprechen.
Keine Angst, es kommt nicht zur Verknappung des Spielermarktes durch Bochumer Groß-Einkäufe, viel mehr geht es um strategische, qualitative Verbesserung des vorhandenen Spielermaterials.
Letzten Endes befindet sich meiner Meinung nach das wichtigste Spielermaterial oberhalb des Druckknopfes und besteht aus Fleisch und Blut. 😉

Plötzlich standest du durch deine Teilnahme bei „Wer wird Millionär“ im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Bei Facebook klatschen unzählige Frauen Beifall. Wie geht man mit so einer neuen Situation um? Kannst du diese neue Wirklichkeit schon realisieren?
Der erste Hype war schon echt enorm und ungewohnt, ließ aber so schnell wieder nach, wie er gekommen war. Nach 2-3 verrückten Wochen kehrte langsam wieder der Alltag bei mir ein.
Ab und zu wird man zwar noch vereinzelt darauf angesprochen und um ein gemeinsames Selfie gebeten oder zum Bier eingeladen, aber das sind inzwischen glücklicherweise Ausnahmen. Auch wenn man solch einen Ausnahmezustand auf einer Seite genießt, bleibt es doch ungewohnt und teilweise auch ein wenig lästig.
Momentan hat sich aber alles wieder auf ein normales Maß eingepegelt.
Von daher weiß ich „Normalität“ nun noch ein wenig mehr zu schätzen und zu genießen, z.B. beim Tipp-Kick, wo ich einfach der Schmiddi aus Bochum und nicht bloß „der tätowierte Dicke ausm TV“ bin. 😉
Wie man mit so einer Situation umgeht?
Na ja, so wie man sonst auch damit umgeht… z.B. wenn jemand sich jemand die Mühe macht mir zu schreiben, antworte ich auch, oder wenn mich jemand anquatscht, nehme ich mir die paar Minuten für ein bisschen Small Talk oder ein Foto.
So hat man nach meiner Erfahrung am schnellsten wieder seine Ruhe. 😉
Ich muss allerdings sagen, dass fast alle Leute mit denen ich jetzt durch WWM Kontakt hatte, sehr vernünftig und verständnisvoll waren und es so glücklicherweise auch keine besonders aufdringlichen oder unangenehmen Situationen gab.
Daran, dass man öfters mal dieselbe Geschichte erzählen oder immer wieder dieselben Fragen beantworten soll, gewöhnt man sich mit der Zeit.
Übrigens fällt dieses Interview in dieser Beziehung sehr angenehm aus dem Rahmen! 😉

Schmiddi bei Günther Jauch auf dem Stuhl!

 

Was hat sich geändert, positiv wie negativ?
Eigentlich hat sich nichts grundlegend in meinem Leben geändert.
Schön finde ich, wie viele Leute sich mit meinem Wunschtraum von der eigenen KiTa bzw. dem Bauernhof identifizieren können und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Leider fehlt für solch ein Projekt dann doch die finanzielle Grundlage, bzw. Unterstützung… da geht es um Millionenbeträge.
Es gäbe zwar sicher Möglichkeiten und Konzepte solch ein Projekt in abgespeckter Form an den Start zu bringen und schrittweise zu erweitern, allerdings bin ich mit meinem bisherigen Leben und meinem Job bei der Bahn ja nicht unzufrieden und möchte es auch nicht unbedingt aufgeben, um etwas anderes zu machen.
Es handelt sich dabei ja mehr um einen Wunschtraum als ein geplantes Projekt meinerseits … was einem halt so in den Sinn kommt, wenn man gefragt wird, was man mal theoretisch mit einer Million anfangen würde.
Negative Veränderungen gab es aus meiner Sicht also keine, im Positiven aber auch allenfalls nur kleinere. Natürlich kann man sich nun den einen oder anderen Wunsch direkt erfüllen, ohne lange darauf sparen zu müssen, wie z.B. ein neues Handy oder Computer, das ist schon ganz nice. 🙂
Die eine oder andere Reise nach Skandinavien oder auf die britischen Inseln steht im Laufe der nächsten Zeit sicherlich auch noch an.
Aber im Großen und Ganzen bleibt eigentlich alles beim Alten. Und das ist auch gut so! 😉

Auch die Tipp-Kick-Szene war schwer beeindruckt von Deinem Auftritt. Viele Tipp-Kicker drückten dir die Daumen. Gab es beim nächsten Training der Schlachtenbummler eine Flasche Schampus? Schließlich waren auch einige Vereinskameraden deine Telefonjoker!
In Bochum gibt’s „Fiege“, keinen Schampus! 🙂
Natürlich habe ich die Leute, die zum Gewinn beigetragen haben (ob als Joker, Begleitung oder sonstige Unterstützung) nicht vergessen und werde mich auf die eine oder andere Weise erkenntlich zeigen.
Da habe ich mir aber individuell etwas Persönliches für jeden einfallen lassen.
Im Falle meiner Joker aus Reihen der Schlachtenbummler ist ein gemeinsamer Stadionbesuch in der VIP-Loge für die kommende Saison geplant, soviel sei verraten. 😉

Christoph Schmidt verpasst kaum ein Turnier!

Du bist Fan des VFL Bochum. Hast du vom Verein eine Jahreskarte bekommen?
Leider nein. Aber bei meinem letzten Fanshop-Besuch hat mir die freundliche Verkäuferin verraten, dass man seitens des Vereins wohl etwas plant… bisher ist aber noch niemand offiziell an mich heran getreten.
Ähnlich verlief es übrigens mit der Brauerei Moritz Fiege; nachdem sie durch mein großflächiges Rückentattoo, welches im TV zu sehen war, in diversen Interviews zum Gesprächsstoff wurde, nahm man via Facebook-Seite Kontakt auf und avisierte eine Brauerei-Besichtigung. Danach hat sich leider auch hier niemand mehr gemeldet.
Ich hätte mich in beiden Fällen zwar sehr über die Aufmerksamkeit gefreut, da es sich um Bochumer Unternehmen handelt, die einen festen Platz in meinem Leben haben und für die ich große Sympathien hege, andererseits möchte ich mir da auch gar keine Vorteile „erschleichen“ oder irgendwelchen Leuten hinterher laufen… so wichtig ist mir das nicht, aber es wäre halt schon schön gewesen. 😉

Viele Tipp-Kicker hätten sich gewünscht, dass du bei deiner Vorstellung in der Sendung auch unsere Randsportart präsentiert hättest. Mit einem Schlag hätten sich die Mitgliederzahlen vervielfachen können. Gab es überhaupt eine Chance für dich, Tipp-Kick ins Rampenlicht zu rücken?
Das war leider nicht ganz einfach.
Ursprünglich hatte ich tatsächlich vor eine Tipp-Kick-Figur als Talisman mit ins Studio zu nehmen, allerdings machte mir mein Patenkind Nick einen Strich durch die Rechnung, in dem er mir eine seiner Holz-Lokomotiven als Glücksbringer für’s Fernsehen mitgab.
Um dort nicht mit vollen Händen auf dem Stuhl zu sitzen, musste ich leider Prioritäten setzen.
So ließ sich das Gesprächsthema leider nicht auf unser Lieblings-Hobby lenken, auch wenn ich das grundsätzlich gern getan hätte.
Mindestens genauso enttäuscht waren meine Freunde der Turbojugend Bochum, dass ich im TV nicht unsere Kutte trug, aber auch da gab es strikte Vorgaben seitens der Redaktion, auch technischer Art.
Einerseits zwar schade, andererseits aber auch verständlich, da sich die Redaktion halt auch im Vorfeld Kandidaten ausgesucht hat, um die herum sie eine Geschichte aufbauen können und das war in meinem Falle nun mal der kinderfreundliche Eisenbahner.
Alle Facetten einer Persönlichkeit in einer solchen Situation zu erfassen ist aber wohl ohnehin unmöglich, von daher kann ich mit dem ausgestrahlten Fokus ganz gut leben.
Es scheint ja auch ohne Tipp-Kick nicht das unsympathischste Bild von mir vermittelt zu haben… 😉

Wie gehen die Tipp-Kicker mit dem neuen „Schmiddi“ um? Gewinnst du mehr Spiele, weil der Gegner in Ehrfurcht erstarrt oder weil du lockerer aufspielen kannst?
Gott-sei-Dank gehen alle ganz normal mit mir um und über Sieg oder Niederlage entscheidet weiterhin, Trainingsfleiß, Spielpraxis und Tagesform. Also alles wie immer, der „neue Schmiddi“ ist ganz der Alte geblieben!
Ich habe mich ja persönlich nicht verändert (hoffe ich) und bin derselbe wie vor, während und nach der Show. Scherzhaft wird man auch mal als „Fernsehstar“ bezeichnet, oder nach Autogrammen gefragt, aber solche Promi-Behandlung ist natürlich Quatsch und ich gehe auch nicht weiter darauf ein. Ich sehe das eher so, dass mich jetzt ein paar Leute mehr kennen als vorher und wer mag, kann gern auch mal ein Foto mit mir machen… aber dann muss es auch gut sein.

Ein Tattoo vom Ratestuhl dient Schmiddi als Erinnerung

Auf der DTKV-Seite bist du im Autoren-Team gelistet und für Berichte aus der Westsektion zuständig, aber auch für „Denk-Anstöße“. Der letzte Artikel erschien 2015 und wir sind alle auf deine nächsten „Denk-Anstöße“ gespannt, wann wird hierzu ein Artikel erscheinen?
Den „Denk-Anstoß“ habe ich gemeinsam mit Max Gottschalk damals als Rubrik eingeführt und dort Themen aufgegriffen, die z.B. auf Facebook unter Tipp-Kickern sehr angeregt und bisweilen auch kontrovers diskutiert wurden. Für mich war dies ein Indikator dafür, dass ein offensichtlicher Gesprächsbedarf bestand und wollte die Möglichkeit nutzen, diese Thematik auch Aktiven, die nicht bei Facebook angemeldet sind näher zu bringen und so den Anstoß zu geben, sich darüber Gedanken zu machen.
Die Rubrik war also nicht als regelmäßige Kolumne geplant, sondern eher spontan je nach Bedarf verfasst.
In letzter Zeit hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, dass ein bestimmtes Thema das Gros der Tipp-Kick-Szene besonders beschäftigt, somit sah ich auch keinen Ansatzpunkt für einen weiteren Artikel.
Falls jedoch Bedarf bestehen sollte oder mir ein bestimmtes Thema unter den Nägeln brennt, werde ich sicherlich auch mal wieder einen „Denk-Anstoß“ verfassen … ansonsten sehe ich das als „offene Rubrik“ in der sich gern auch andere Autoren austoben dürfen, wenn sie Ideen haben oder den Bedarf sehen etwas konkreter zu thematisieren und lade ausdrücklich jeden ein, der Zeit und Lust hat sich hier zu beteiligen. 😉
Für die Sektion West gilt übrigens selbiges, auch dort freue ich mich immer über Unterstützung und Mitstreiter, was z.B. Vorberichte etc. angeht!

Wenn du dein Hobby „Tipp-Kick“ betrachtest und eine Fee würde dir 3 Wünsche erfüllen, was wären dann deine Wünsche?

1. einen 100%igen Farbleger,
2. einen Torwart, der alles hält und
3. einen Spieler mit Torgarantie. 😉

Hahaha …, aber mal im Ernst:
Speziell auf meinen Verein, Schlachtenbummler Bochum, gemünzt, bin ich (fast) wunschlos glücklich. Wir haben zwei tolle Teams im Westen an den Start gebracht und spielen derzeit in Verbands- und Regionalliga jeweils um den Aufstieg mit. Intern läuft alles sehr harmonisch ab, auf menschlicher Ebene lässt unser Verein keine Wünsche offen und wir versuchen derzeit die Weichen für die mittelfristige Zukunft zu stellen.

Langfristig wäre es sicherlich wünschenswert den Weg in die 1. Bundesliga zu beschreiten – wenn man einen Sport ausübt, möchte man dies natürlich am liebsten auch in der höchsten Spielklasse tun – auch wenn es bis dahin noch ein harter Weg sein wird.
Dem Tipp-Kick-Sport allgemein wünsche ich viel talentierten Nachwuchs, wobei dieser Wunsch ja zum Teil schon in Erfüllung gegangen ist und ich hoffe, dass dieser Trend fortbesteht.
Als drittes wünsche ich allen Mitspielern, Gleichgesinnten und Leidensgenossen, dass sie den Spaß an unserem Hobby nicht verlieren und weiterhin viele spannende, aber vor allem faire Spiele bestreiten dürfen!

Auf das diese Wünsche in Erfüllung gehen und vielen Dank, Schmiddi, für das Interview!
Sehr gern geschehen und vielen Dank für die kreativen Fragen! 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tipp-Kicker des Monats Januar 2017: Christoph Ihme

Porträt des Siegers:

Christoph Ihme, geboren 1994, kam durch die vom TKV Jerze veranstaltete Ferienpassaktion 2008 zum Vereins-Tipp-Kick. Die ersten Jahre seiner Tipp-Kick-Vita verliefen eher unspektakulär und wenig erfolgreich. Seit 2011 ist er mit viel Ehrgeiz und Fleiß dabei und stets bemüht, sich in allen Bereichen zu verbessern. Dafür hat er beim TKV Jerze ein ideales Klima, sehr gute Platten- und Raumbedingungen und auch die nötigen Mitstreiter für spontanes Training auch unter der Woche. Mittlerweile ist er fester Bestandteil des Vereins und unterstützt die Jerzer intern sowie extern. Ihn faszinieren beim Tipp-Kick das taktische Verhalten, die benötigte Konzentration und Kondition. Auch den familiären Charakter findet er ideal. Zudem ist Christoph ein absoluter Fan von technischem Tipp-Kick. Im Sommer 2016 übernahm er das Amt von Oliver Schell und lies sich zum Sektionsleiter Nord wählen und ist seit dem sehr engagiert und der neue Ansprechpartner im Norden. Bei der Frage, wo Christoph seine größten Erfolge feierte, unterscheidet er konsequent zwischen Mannschaft und Einzelturnieren. Seine größten Mannschaftserfolge feierte er sicherlich mit dem verlustpunktfreien Aufstieg in die 1. Bundesliga in der Saison 2014/2015. Der darauffolgende Klassenerhalt und das sensationelle Erreichen der DMM-Playoffs und der 2. Platz bei den Pokal-Play-Offs im vergangenen Sommer waren für ihn die bedeutendsten Erfolge. Aber auch der Sieg der Einzelwertung der Verbandsliga Nord in der Saison 2011/2012 mit sportlichen 36:4 Punkten soll nicht vergessen werden. Auf Einzelturnieren feierte er 2014 den 3. Platz auf der SDEM in Erlensee. Aber auch der 3. Platz bei der Berliner-Pokalmeisterschaft im vergangenen Jahr zeigt, mit welchem Ehrgeiz Christoph beim Tipp-Kick dabei ist. Im April 2016 feierte er nach zwei verlorenen Finals seinen ersten Turniersieg auf der 26. Schleswig-Holsteiner Landesmeisterschaft. Gefolgt von seinem zweiten Turniersieg im Januar 2017 beim 2. Gevelsberger AVU-Winter-Cup wünscht er sich noch weitere Erfolge im Einzelspielbetrieb und mit der Mannschaft. Sein größter Wunsch ist es, Tipp-Kick berühmter und der breiten Masse zugänglich zu machen. Die Frage, ob er glaubt, dass Tipp-Kick in 50 Jahren noch gespielt wird, beantwortet er mit einem „Ja“, aber nur wenn es die aktuelle Tipp-Kick Jugend den zukünftigen Nachwuchs einfach macht und ihnen alle Tipps und Tricks zeigt.

 

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Talentschmiede: Ivan Pulice

Bei der Suche nach dem aktuell größten Tipp-Kick-Talent im Westen Deutschlands wird man beim TKC 1986 Gevelsberg fündig. Dort kickt nämlich der 16-jährige Ivan Pulice in der zweiten Mannschaft, einer reinen Jugendmannschaft.

Im Jahre 2007 kam der Jugendliche durch seinen Vater Roberto, der schon lange Tipp-Kick aktiv betreibt, zum TKC Gevelsberg. Dort spielt er in der zweiten Mannschaft, auch wenn er im letzten Jahr auf Einzelturnieren die besten Leistungen seines Vereins ablieferte. Bei der U18 DEM im vergangen Jahr musste er sich Daniel Bialk erst in der Verlängerung geschlagen geben, nachdem er sich nach einem zwischenzeitlichen Rückstand wieder ins Spiel zurückgekämpft hatte. Außerdem belegte er beim 2. Herner Ruhrpott-Cup einen starken 8. Platz, wobei bis zum letzten Spiel in der Endrunde noch der Finaleinzug möglich gewesen wäre.

Spannung bis zum Schluss bei der U18 DEM: Ivan (l.) gegen Daniel

Ivan zeichnet sich vor allem durch seine Kampfstärke aus. Selbst bei Rückständen wie im Finale der U18 DEM oder in knappen Situation bleibt er cool. Dadurch kann er wichtige Punkte für sich und seine Mannschaft erspielen. Im familiären Umfeld in Gevelsberg fühlt er sich sehr wohl und wird dort durch eine große Anzahl an Gegnern gefördert. Durch das Training und die Turnierteilnahmen feilt Ivan ständig an seinem Spielstil, um immer besser zu werden.

 

Steckbrief

Name: Ivan Pulice

Alter bzw. Geburtsdatum: 16 Jahre / 04.04.2000

Beim Tipp-Kick seit: 2007

Bisherige Vereine: TKC Gevelsberg

Lieblingsschuss: Innendreher

Erfolge: Vize-Vereinsmeister, 2. Platz bei der U18 DEM, 7.Cult Classics 2015, Zahlreiche „Bester U-18“-Titel

Vorbild: Mein Vater Roberto, Siggi Gies

Andere Hobbies: Freunde treffen

Lieblingsmusik: Ich höre eigentlich alles, Hauptsache das Lied gefällt mir.

Ivan (Mitte) bei der Siegerehrung der U18 DEM 2016

 

Fragebogen

Wie bist du eigentlich zum Tipp-Kick gekommen?
Mein Vater spielte es und ich wollte es auch mal ausprobieren.

Wie und wie oft trainierst du?
Eigentlich jeden Dienstag.

Beschreibe doch mal bitte, was dich an Tipp-Kick so sehr fasziniert.
Was mich am meisten daran fasziniert, ist, dass man seinen eigenen Spielstil entwickeln kann und dass man es weit bringen kann, wenn man sich stark genug anstrengt und man immer wieder die Herausforderung bekommt, gegen Stärkere zu spielen und man sogar bei einer Niederlage viel lernen kann.

Du hast Anfang Oktober das Finale der Deutschen U18 Meisterschaft nach der Verlängerung verloren. Warst du sehr enttäuscht darüber?
Enttäuscht war ich eigentlich nicht, ich fand es wenn überhaupt nur schade. Ich war sehr froh, dass ich es so weit gebracht habe. Und es war auch sehr knapp, von daher bin ich eigentlich sehr zufrieden, weil mein Gegner auch ein sehr guter Spieler war.

Du teilst dein Hobby mit deinem Papa Roberto. Was hast du dir alles von ihm abgeschaut?
Anfangs habe ich mir alles bei ihm abgeschaut. Doch ich finde, wenn lange genug dabei ist, entwickelt man sein eigenes Spiel. Aber am Anfang hat mir mein Vater sehr geholfen.

Von welchen Tipp-Kickern außerdem deinem Papa hast du viel gelernt?
Ich habe angefangen auf Turnieren zu spielen, da wurde mir schon sehr viel gezeigt, aber unter anderem hat mir Siggi Gies viel gezeigt.

„Bei Turnieren lernt man am meisten!“ versichert das Talent.

In deinem Verein, dem TKC 1986 Gevelsberg, läuft es bei der Jugendarbeit sehr gut! Beschreib doch mal bitte, wie bei euch das Vereinsleben ausschaut.
Die Atmosphäre im Verein ist sehr gut, wir machen auch vieles privat. Beim Training wird sich auch nicht nur auf Tipp-Kick konzentriert, sondern auch einfach unterhalten. Manchmal kommt es mir auch so vor, als würden sich Freunde treffen, die einfach zusammen Zeit verbringen. Ich würde sagen, wir sind wie eine große Familie.

Wie kann der DTKV mehr Jugendliche für unser Hobby begeistern?
Ich weiß nicht genau. Ich glaube, man muss es für sich selber finden, weil die meisten meiner Freunde können es sich nicht wirklich vorstellen, wie das ist, egal wie oft ich es ihnen gezeigt habe.

Welchen Tipp würdest du einem Jugendlichen geben, der gerade mit dem Tipp-Kick angefangen hat?
Wenn es ihm wirklich Spaß macht, sollte er immer versuchen am Ball zu bleiben und versuchen so viele Turniere zu spielen, weil das das beste Training ist, weil man bei Turnieren am besten seinen Spielstil entwickeln kann.

Vervollständige bitte folgenden Satz: Tipp-Kick werde ich in zwanzig Jahren noch spielen, weil…
 es immer kreativer wird und es nie das gleiche Spiel bleibt, man immer was Neues versuchen kann und die anderen Vereine sich auch weiterentwickeln und man immer eine Herausforderung oder einen Ansporn hat.

 

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Andreas Sigle (TKC 71 Hirschlanden) – Clubchef seit 1972!

Bei der Wahl „Spieler des Monats Dezember“ wurden ungewöhnlich viele Kandidaten nominiert, die dafür sorgen, dass viele Hundert Tipp-Kicker Woche für Woche Spaß an unserem Hobby bzw. Randsportart haben. Auch wenn es eine Rekordzahl an Stimmen gab, war die Stimmenverteilung so ausgeglichen, dass die Rundschau-Redaktion beschlossen hat, dieses Votum anzuerkennen und bedankt sich stellvertretend für die Teilnehmer an der Wahl bei allen, die sich ehrenamtlich Woche für Woche für unser aller Wohl einbringen! DANKE!

Wir haben stellvertretend für alle Kandidaten bzw. Teams, den Clubchef von TKC 71 Hirschlanden, Andreas Sigle, um ein Interview gebeten.

 

Hallo Andreas, schön dich zu hören. Du bist, glaube ich, der dienstälteste Clubchef der deutschen Tipp-Kick-Szene. Wie lange führst du schon deinen Verein?

Seit 1972.

Was bereitet Dir einen besonderen Spaß an der ehrenamtlichen Arbeit? Oder gibt es auch Anlässe für Kummer?

Mit den richtigen Mitstreitern an meiner Seite macht es mir Freude einen Club zu führen. Natürlich kann es bei Gruppen von Menschen immer mal zu Konflikten und Streitigkeiten kommen, was auch bei uns ab und an schon mal vorkam. Hier ist es besonders wichtig, dass man als Führungsperson ausgleichend wirken kann und nicht polarisiert.

Der Verein bringt aus der Jugend, Spieler wie jüngst Florian Stähle in Serie hervor, wie gestaltet sich eure Jugendarbeit konkret?

Wir machen in 14-tägigem Rhythmus ein separates Jugendtraining zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr unter der Anleitung erfahrener Aktiver mit einem gewählten Jugendleiter. Die Jugendabteilung wurde nach unserem Verbandseintritt im Jahre 1982 gegründet. Wir nehmen in der Regel Jugendliche ab dem 10. Lebensjahr auf. Wir sehen in der Jugendabteilung eine Abteilung, welche auch finanziell gefördert wird. Der Jugendliche bezahlt bei uns 12 € Jahresbeitrag und braucht bei Mannschafts- und Turnierspielbetrieb kein Fahrt- und Startgeld entrichten. Sollte ein Jugendlicher besonders talentiert sein, darf er mit dem Einverständnis der Eltern auch im Erwachsenentraining mitmachen, welches bei uns zwischen 20.00 Uhr und 22.00 Uhr gespielt wird.

Stimmt es, dass du für deine ehrenamtliche Arbeit als Club-Chef eine Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg bekommen hast?

Ja, das ist richtig! 1988 wurde ich von unserer Stadtverwaltung für über 15 Jahre aktive Vereinsarbeit im Ehrenamt des TKC 71 Hirschlanden für die Verleihung der „Silbernen Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg“ vorgeschlagen, welche mir vom damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth verliehen und vom Oberbürgermeister unserer Stadt bei einer Zeremonie in der stadthalle mit anderen zu Ehrenden überreicht wurde.

Der TKC 71 Hirschlanden ist als Verein sportlich unglaublich erfolgreich. In den letzten 8 Jahren holte man 3 Deutsche Mannschaftstitel, eine Rekordzahl, und war in dieser Zeit ebenfalls 8 Mal in den Mannschafts-Playoff, ebenso Rekord! Ohne die vielen verschiedenen Einzeltitel unterschlagen zu wollen, wie kommt dieser nachhaltige Erfolg zustande?

Da muss man bis auf unsere erste Saison zurückgehen. Wir waren von Anfang an bestrebt, sportlich erfolgreich zu sein. Dabei kam uns zu Gute, dass wir aus dem nahen Umfeld von Stuttgart kommen und uns Spieler des damals aufgelösten und ein Jahr später wieder gegründeten Spitzenclubs SSG Stuttgart auf sportlichem Gebiet geholfen haben relativ schnell nach oben zu kommen. Hier seien vor allem Klaudio Lange, Beno Garstka, Werner Glück und Dietmar Häfner zu nennen. Eine mitentscheidende Rolle fiel hier sicherlich Beno Garstka zu. Er stieß in unserer zweiten Saison zu uns, als er vom damaligen Bundesligisten Kirchheim zu uns in die Regionalliga wechselte. Er übernahm die Jugendabteilung mit damals etwa 15 Jugendlichen. Unter seiner Führung wurde einige Jugendspieler in die Spitze geführt. Unter anderem Benjamin Buza, Harald Füßinger, Rainer Schlotz und Stefan Poetsch. Es war die Basis unseres Erfolges. Später kamen noch Sascha Bareis, Jochen Härterich, Markus Laich, Max Daub, Lukas Emmrich, Luca Kraus, Tim Hecker oder Florian Stähle dazu.

Auch kamen immer wieder externe Topspieler dazu, wie Klaudio Lange, Dietmar Häfner, Werner Glück, Franz Kleofasz, Robin Loew-Albrecht, Andreas Schneider, Oliver Bacher, Frank Hampel, Stefan Wenzel, Michael Steinfeld, Jens König, die Wagnerbrüder, Artur Merke und William Schwaß. Das Entscheidende für den dauerhaften Erfolg war und ist sicherlich die Balance zwischen Eigengewächsen, fest integrierten Aktiven ehemaliger Vereine aus dem Stuttgarter Umland, sowie externen Spielern. Natürlich auch Kontinuität im Vereinsleben, wie eigene Turnierveranstaltungen, jährlich veranstaltete Vereinsmeisterschaften, Vereinsfeiern, und ein geregelter Trainingsbetrieb. Alles was einen Verein ausmachen sollte.

Wenn Du deine persönliche Supermannschaft des TKC 71 Hirschlanden der letzten 4 Jahrzehnte aufstellen dürftest, wen würdest du nominieren?

Benjamin Buza, Harald Füßinger, Andreas Schneider, Florian Wagner

Es gibt allerdings auch einige Hirschlandener Spitzenspieler wie Buza, Schwaß, die Wagner-Brüder usw., die Hirschlanden verlassen haben. Besorgt dich das entstehende „Legionärstum“ im deutschen Tipp-Kick?

Es ist natürlich immer schade, wenn Leute einen Verein verlassen, um woanders hin zu wechseln. Für einen Verein wie uns bedeutet das aber noch keine Krise, sondern ist eher eine Zäsur. Problematisch wird es erst, wenn diese Leute eine verantwortliche Position über das Sportliche hinaus im Verein ausübten und wenn diese Abgänge kleine Clubs betreffen.

Peter Funke, unser DTKV-Präsident, hat jüngst in einem Interview hervorgehoben, dass du „der“ Statistiker des deutschen Tipp-Kicks par excellence bist. Gib uns doch bitte mal eine Kostprobe. Wer führt nach Punkten die ewige Tabelle der 1. Bundesliga seit Bestehen an? Lübeck oder Hirschlanden?

Lübeck.

In den vielen Interviews der letzten Monate habe ich stets den Interviewten gebeten seine Meinung darüber abzugeben, ob uns Tipp-Kick langfristig erhalten bleibt und wie der Interviewte die zunehmende Überalterung der Szene einschätzt. Was denkst du?

Es ist schwierig zu beurteilen. Wie andere Sportarten bleibt auch unsere Hobbybewegung im Computerzeitalter nicht vor Nachwuchsproblemen verschont. Hier möchte ich aber nicht weiter als 20 Jahre vorausblicken wollen. Wichtig wird sein, dass es trotz der Überalterung immer ein paar Vereine geben wird, welche durch ihre Konstanz in der Vereinsarbeit und darüber hinaus den DTKV am Leben erhalten werden. Natürlich müssen die Leute auch in Zukunft Kinder und Jugendliche für den Tipp-Kick-Sport begeistern können.

Es wurde im Januar über eine Gründung einer U 18-Nationalmannschaft intensiv nachgedacht. Ich selbst habe bereits einige Gespräche zu diesem Thema geführt. Könntest du dir vorstellen, dass der Verein TKC 71 Hirschlanden, der für seine tollen Turnierausrichtungen bekannt ist, ein U 18-Länderspiel z.B. gegen die Schweizer A-Mannschaft ausrichtet? Für alle anderen, die zu diesem Event kommen, könnte man drumherum z.B. ein Kombiturnier Tipp-Kick und Darts anbieten, eine Idee, die jüngst von Peter Funke geäußert wurde. Vielleicht kann man auch Spieler aus dem Darts-Lager für unseren Sport begeistern. Was hältst du von dieser Idee?

Sicherlich ist es für uns machbar. Ein Versuch wäre es wert. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob Hirschlanden dafür der richtige Veranstaltungsort wäre? Schließlich repräsentieren wir seit nahezu 30 Jahren Tipp-Kick-Sport in der obersten Kategorie. Da würde es mir als Veranstalter schwer fallen ein Länderspiel zwischen der Schweiz und der U 18 nur annähernd ähnlich zu hypen wie beispielsweise ein Bundesliga-Play-Off mit zwei unserer Mannschaften, zu welchem die Besten der Besten nach Hirschlanden kommen, um die Deutsche Meisterschaft auszuspielen.

Vielen Dank, Andreas, für das Interview!

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Porträt: Headbangers Balingen und der Zollernalb-Pokal

Die kleine Geschichte eines Tipp-Kick Clubs und eines Turniers mit „quasi“ einer langen Tradition.

Wir gehen zurück ins Jahr 1980, in das beschauliche Städtchen Balingen im Südwesten Baden-Württembergs. Dort in das von den Balinger Jugendlichen neu bezogene Jugendhaus (Bild unten, das Jugendhaus existiert auch heute noch).

Es gründeten sich viele sogenannte „Arbeitskreise“( kurz AKs). Die wichtigsten waren unter anderem der Motorrad AK, der Teestuben AK, und viele weitere. Für das Jugendhaus konnten durch die großzügige finanzielle Ausstattung seitens der Stadtverwaltung viele Spiele angeschafft werden, darunter auch ein Tipp-Kick-Set. Rüdiger Albrecht, Lukas Homscheidt (der damals noch unter seinem Mädchennamen „Gerstheimer“ wirkte), Ralf Sense, Markus Sense, Achim Stebner sowie Thomas Will, (siehe Bilder von 1980 und 2012; Reihenfolge wie im Text) spielten fast täglich gegeneinander und nach wenigen Tagen gab es etliche Freunde dieses Spiels. Es wurden regelmäßig Turniere auf dem einzigen Feld gespielt. Innerhalb weniger Wochen wuchs die Tipp-Kick-Gemeinde auf über 10 regelmäßig teilnehmende Spieler an. Es war naheliegend, ebenfalls eine AK zu gründen, um im Jugendrat des Hauses ein Stimmrecht zu bekommen und auch von öffentlichen Geldtöpfen zu profitieren.

So entwickelte sich eine imposante Schar von Tipp-Kickern. Mit Hilfe des damaligen TKC Schwenningen wurde das Spiel professionalisiert. Man schloss sich dem Tipp-Kick Verband an, nahm am offiziellen Ligabetrieb teil und besuchte auswärtige Turniere.

Nach gut eineinhalb Jahren wurde die Idee geboren, ein eigenes offizielles Tipp-Kick-Turnier zu veranstalten. Mittlerweile gab es genug Turnierplatten im Club, um das Vorhaben umzusetzen. Mit dem Veranstaltungsaal des Balinger Feuerwehrgerätehauses gleich gegenüber dem Jugendhaus, war ein geeigneter, großer Raum gefunden und die „Balinger Jungs“ knieten sich in die Organisation.

Wenn wir an das Jahr 1982 zurückdenken, dann stellen wir überrascht fest, dass es weder E-Mail, WhatsApp noch Internet gab, um solch ein Turnier zu bewerben oder organisatorisch zu begleiten. Es gab weder Word noch Excel. Glücklich war, wer eine Schreibmaschine nutzen konnte oder eine gut leserliche Handschrift besaß.

Die Einladung wurde mit den damaligen Möglichkeiten (Schere, Kleber, Stift und Papier) „zusammengebastelt“. Kopiermöglichkeiten gab es sehr wenige. Aber die Stadtverwaltung hatte einen zentralen Kopierer, der von den Angestellten mit Argusaugen bewacht wurde. Jede Kopie musste registriert werden und waren teuer. Man hatte also nur die Chance, einmalig zu vervielfältigen. Das Ergebnis konnte nicht mehr revidiert werden.

Einladung für das 1. Balinger Zollern-Alb-Pokal Turnier 1982

Bild vom Turnier im Feuerwehrgerätehaus Balingen. Wer erkennt Klaudio Lange?

Eingeladen wurden die Clubs aus dem Süddeutschen Raum, vorrangig aus Baden-Württemberg. Man bedenke, allein im Umkreis von 50km um Balingen gab außer dem TKC JH 1980 Balingen fünf weitere aktive Clubs, die sich mit insgesamt 8 Teams am Ligabetrieb beteiligten. Natürlich gingen auch Einladungen an damalige Spitzenclubs wie den SSG Stuttgart, nach Kirchheim/Teck, Schwenningen oder nach Wasseralfingen.

In den frühen 80ern gab es wenig Turniere in Württemberg. Der Zollern-Alb-Pokal war innerhalb kürzester Zeit mit 61 Teilnehmern ausgebucht. Am 6.11.1982 war es dann soweit. Das Turnier war organisiert. Schon damals waren die Freundinnen oder die Freundinnen in spe für die Versorgung der Teilnehmer zuständig. Markus Sense, „alias Maxe“, auch schon damals „Präse“ der Balinger Tipp-Kicker, konnte tatsächlich 61 Teilnehmer begrüßen. Darunter Stars der Szene wie der Kirchheimer Bruno Jäger (Bild) oder Werner Glück und Dietmar Häfner aus Stuttgart. Dabei waren auch heute noch aktive Spieler wie die Hirschlander Andreas Sigle oder Klaudio Lange (AKA: Kazmierczak). Der spätere Deutsche Meister Peter Gehrung, der damals noch am Anfang seiner Tipp-Kick-Laufbahn war und für den TKC Sigmaringen die Knöpfe drückte, war unter den Teilnehmern ebenso wie Stefan Wenzel aus Schwenningen, der später zweimal Süddeutscher Meister wurde.

Das Endspiel bestritten dann die damaligen Stars der Szene, Dietmar Häfner († 2002) und Werner Glück, beide vom Spitzenclub SSG Stuttgart. Nach 10 Minuten sicherte sich Häfner mit 5:2 den Sieg und gewann somit das 1. Zollern-Alb-Pokalturnier 1982.

Siegerehrung: Links Markus Sense, rechts Dietmar Häfner

Spielszene aus dem Turnier: Links, eventuell Bruno Jäger, rechts Markus Sense

Im Rahmenprogramm gab es ein Dokuvideo über die Deutsche Meisterschaft 1982 in Wasseralfingen, das die Balinger während des Turniers als „SFB“ (Sender freies Balingen) selbst gedreht hatten.

Unsere Sigmaringer Tipp-Kick-Freunde waren dagegen nicht nur vom Turnier, sondern auch von den Balinger Catering-Mädels angetan. Einige wollten deshalb kurzfristig auch noch das am Abend stattfindende Rockkonzert im Jugendhaus besuchen.

Artikel in der damaligen Clubzeitung des TKC Sigmaringen über den Besuch in Balingen

Das Trikot von 1982 gibt es heute noch

Das Turnier war ein voller Erfolg und alle Teilnehmer waren zufrieden mit der Organisation und den Rahmenbedingungen. Es gab viel Lob. Die Balinger Filzkicker waren stolz und zufrieden. Man war sich einig: der Zollern-Alb-Pokal sollte fortgesetzt werden. Die Balinger Tipp-Kicker waren noch bis Anfang der 90er Jahre aktiv. Eine Neuauflage des Turnieres gab es bis dahin nicht.

Als „Alte Säcke“ traf man sich im November 2012 nach 22 Jahren Pause zum „Alten Säcke Cup“. Die damals „jungen Hirsche“ waren jetzt um die 50 und konnten trotzdem damit leben, jetzt „Alte Säcke“ zu sein.

Mit dem „1. Alten Säcke Cup“ beginnt Teil zwei der Balinger Tipp-Kick Geschichte. Im Nachgang zum „1. Alten Säcke Cup“ fanden die Freunde aus dem letzten Jahrtausend wieder zusammen. Jetzt als „Balinger Headbanger“, bezugnehmend auf das jährlich in Balingen stattfindende „Bang Your Head“-Festival, zu dem die meist ebenfalls gealterten Heavy Metall-Fans jährlich zu Zehntausenden pilgern.

Der Club fand Nachwuchs und weitere Freunde des Tipp-Kick, so dass sich bald zwischen 10 und 20 Headbanger regelmäßig an den Aktivitäten beteiligten.

Headbangers 2015

Lediglich die Leistungen im Vergleich mit anderen Spielern bei Turnieren oder im Ligenbetrieb fielen nicht besonders erfolgreich aus. Bemühungen, Spitzenspieler zu den Trainingseinheiten nach Balingen zu bekommen, um das Niveau zu verbessern, scheiterten. Im späten Winter fand zu dieser Zeit regelmäßig die „Karlsruher Stadtmeisterschaft“ statt. Die Balinger waren dort mit großer Präsenz anwesend. Jedoch war es ein erheblicher Aufwand, 15 Spieler für die Veranstaltung in Karlsruhe zu organisieren. Damit alle Headbanger die Gelegenheit bekommen sollten, von guten Tipp-Kick-Spielern der Szene zu lernen, entstand die Idee, zusätzlich zum „heiligen Gral“ der Balinger Tipp-Kicker, dem „Alten Säcke Cup“, ein weiteres Turnier zu veranstalten, das vom Deutschen Tipp-Kick Verband (DTKV) anerkannt wird. Dem „Alten Säcke Cup“ wurde die Anerkennung als DTKV Turnier verweigert, was zur Folge hatte, dass es schwierig war, gute Spieler auf dieses Turnier zu bekommen.

Man fragte in Karlsruhe nach, ob anstatt der Karlsruher Stadtmeisterschaft ein Turnier in Balingen im Turnierkalender des DTKV angeboten werden könne. Die Karlsruher waren einverstanden.

Jetzt kamen die Erinnerungen an das in Balingen vor 33 Jahren stattgefundene Turnier, das 1. Balinger Zollern-Alb-Pokal-Turnier, auf. Auch erinnerte man sich daran, dass 1982 eine Neuauflage des Turnieres geplant war, die bis in die Gegenwart nicht umgesetzt worden war. Also lag es nahe, diese Neuauflage 2015 stattfinden zu lassen. So geschah es dann auch. Ein Turnier wurde wieder „ausgegraben“, „abgestaubt“ und angeboten. Am 21 Februar 2015 war es dann soweit. Turnierort war das Evangelische Gemeindehaus in Balingen, Stadtmitte. Nach den sehr guten Erfahrungen beim „Alten Säcke Cup“, wurde die Idee des „All-inklusive“-Caterings übernommen. Startgebühr und die Komplettversorgung zu einem einzigen günstigen Preis sollte jeden zum VIP machen und dem Turnier eine besondere Note verleihen. Mit Heike Homscheidt († 2016) war eine Küchenchefin im Club, die es verstand, ein großes und hochwertiges Angebot an Speisen und Getränken anzubieten.

Einladung für das 2. Zollern-Alb-Pokalturnier 2015

Heike Homscheidt

2015 waren mit Beni Buza und Jonathan Weber die beiden Endspielkontrahenten der Deutschen Meisterschaft 2014 in Hirschlanden am Start. Wie bei der DEM bestritten die beiden auch das Endspiel um den 2. Zollern-Alb-Pokal. Beni Buza konnte sich nach Verlängerung mit 6:4 durchsetzen und so nach 33 Jahren die Nachfolge von Dietmar Häfner, der zuletzt für den TKC Hirschlanden an die Platte ging, antreten.

Endspiel 2015: Beni Buza gegen Jonathan Weber

Siegerehrung 2015: v.l.n.r. Florian Stähle, Michael Kleofasz, Bruno Wilke, Beni Buza, Jonathan Weber

Die Reaktionen der 46 Teilnehmer auf das Turnier waren mehr als positiv. Es war klar, dass schon aufgrund des Alters die „Alten Säcke“ aus Balingen nicht nochmal 33 Jahre warten konnten, um den nächsten Zollern-Alb Pokal zu veranstalten. Diesmal sollte das Turnier im darauffolgenden Jahr stattfinden.

Der Termin im Turnierkalender des DTKV hatte sich bewährt. Deshalb wurde der 3. Zollern-Alb-Pokal am 20. Februar ausgetragen. Mit Phillip Baadte vom TKC Kaiserslautern, ging auch der damalige amtierende Deutsche Meister in Balingen an die Platten. Mittlerweile fanden auch immer mehr Tipp-Kick-Freunde aus der nahen Schweiz den Weg zu Balinger Turnieren, mit der Schweizer Tipp-Kick-Ikone Dani Nater und dem ambitionierten Markus Kälin, auch zwei Schweizer, die alle bisherigen Balinger Turniere gespielt hatten. Beim 3. Zollern-Alb-Pokal waren schon neun Tipp-Kick Eidgenossen am Start. Das Endspiel bestritten Michael Link und der Chef des Deutschen Tipp-Kick Verbandes und Tipp-Kick-Urgestein Peter Funke von den Flinken Fingern aus Bruck. Funke gehört auch zu den Deutschen Tipp-Kick-Meistern. 1984 gewann er den Deutschen Einzeltitel in Schöppenstedt.

Funke setzte sich gegen den starken Michael Link nach Verlängerung mit 5:3 durch und gesellte sich somit zu Häfner und Buza, den bisherigen Gewinnern des „Zollern-Alb-Pokals“.

Endspiel 2016: Peter Funke gegen Michael Link

V.l.n.r: Markus Sense, Thomas Ruchti, Michael Link, Peter Funke, Christoph Weishaupt

Aktuell steht nun am 4. März diesen Jahres die 4. Auflage des „Zollern-Alb-Pokals“ an. Es gibt einige Veränderungen. So findet beispielsweise ein Turnierwochenende statt, bei dem am Samstag die 4. Auflage des Zollern-Alb-Pokals und am Sonntag der Süddeutsche Pokal (Qualifikations-Mannschaftsturnier zur Finalrunde im DTKV-Pokal) ausgetragen werden. Eine Zäsur gibt es auch beim Catering. Mit dem unerwarteten und plötzlichen Tod von Heike Homscheidt im Juni 2016 stehen die Headbangers vor der Herausforderung, die kulinarischen Fußstapfen von Heike auszufüllen.

Das Turnier scheint mittlerweile sehr beliebt zu sein. Innerhalb von vier Tagen meldeten sich 71 Teilnehmer an. Die Balinger „Alten Säcke“ sind deshalb guter Dinge, dieses Mal die Teilnehmeranzahl von 2016 (54 Teilnehmer) zu toppen. Auch für den Turnierrahmen sind wieder Überraschungen angedacht. Man darf also gespannt sein. Informationen zum Turnier, die Möglichkeit sich online anzumelden und die aktuelle Teilnehmerliste, findet man auf der Headbanger Homepage unter www.headbangers.eu.

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Interview mit DTKV-Präsident Peter Funke

Hallo Peter, schön von Dir zu hören. Auch wenn das neue Jahr schon einige Tage alt ist, würde ich mich freuen, wenn du das alte Jahre 2016 als DTKV-Präsidiumsvorsitzender noch einmal rückwirkend betrachtest. Wie ist Deine Bilanz, positiv wie negativ?

Gefreut hat mich, daß der Spielbetrieb gut funktioniert hat und wir trotz aller Rückgänge bei den Mitgliederzahlen einen zuverlässigen Stamm an engagierten „Machern“ haben, die überhaupt erst ermöglichen, daß die Turniere und Mannschaftsspiele stattfinden können!
Hier an dieser Stelle dafür ein ausdrückliches Danke! Es hat auch 2016 viele Presseartikel und Medienpräsenz über uns gegeben. Dies auch dank der vielen unermüdlichen Kontakte zur Presse durch die Vereine vor Ort. Sehr schön ist auch, daß die DTKV-Infoseiten mit interessantem Inhalt präsentiert werden. Das ist ein lebendiges Organ mit vielen schönen Ideen und sieht sehr gut aus. Ein dickes Kompliment an alle, die dabei mitwirken.

Einzelne herauszuheben birgt immer die Gefahr, andere zu wenig zu würdigen. Ich möchte dennoch die Headbangers Balingen hervorheben. Sie sind nicht nur fleißige Turnierbesucher, sondern mittlerweile auch selbst prima Turnierorganisatoren. Auch in Gevelsberg ist viel gutes im Entstehen (wobei ich mir hier wünsche, daß manch Unstimmigkeit im nachbarschaftlichen Bereich vielleicht beigelegt wird). Da kommen wir direkt zu den Baustellen: Nicht so gut waren die persönlichen Konflikte im Spielerbereich. Das ist vielleicht auch ein Stück weit der Fluch der Dreier-Spieltage. Man fährt irgendwohin, spielt Tipp-Kick und fährt wieder heim. Persönliches kommt zu kurz. Vielleicht resultiert daraus auch die zunehmende Distanz untereinander. Daß man sich unterschiedlich mag ist völlig normal. Aber ein Umgang innerhalb der festgelegten Grenzen („Anstand“) muß möglich sein.

Persönlich hat mich der Gewinn der deutschen Einzelmeisterschaft durch Michael Kaus gefreut. Er hat damit seine außergewöhnliche Karriere gekrönt. Auch daß viele verschiedene Gewinner in den Siegerlisten 2016 zu finden sind (darunter einige Erstsieger) ist etwas erfreuliches.

 

Kannst Du dem Leser einmal deine Arbeit als DTKV-Präsidiumsvorsitzender etwas genauer beschreiben? Wieviel Zeit kostet so ein Ehrenamt monatlich?

Nach außen bin ich für die Öffentlichkeitsarbeit der Ansprechpartner. Da könnte übrigens gerne mehr kommen. Das erfordert auch meist nicht allzuviel Zeitaufwand. Ich habe Kontakt zur Firma Mieg (sehr wichtig aus meiner Sicht ist) und zu anderen Verbänden (Tischfußball z.B.). Diese Zeit rechne ich gar nicht, weil es auch insbesondere mit Mathias und Jochen Mieg ein sehr angenehmer Umgang ist.

Intern wird allerlei an Problemen an mich herangetragen. Persönliche Vorfälle, Terminstreitigkeiten, finanzielle Themen. Da gehen manchmal schon mehrere Stunden mit Telefonaten und/oder persönlichen Gesprächen dahin. Da einiges auch bei Turnieren oder Ligaspielen stattfindet, läßt sich der Nettozeitaufwand schwer beziffern. Es ist aber meist in überschaubarer Dimension. Hinzu kommt der Bundestag einmal im Jahr und die Vorbereitung dafür, wobei hier die Präsidiumskollegen wirklich sehr unterstützen!

 

Gibt es auch schwierige Entscheidungen bzw. unangenehme Aufgaben?

Wenn zwischenmenschliche Probleme vorliegen, also insbesondere unangemessene Verhaltensweisen, ist das „Sanktionieren“ solcher Vorfälle nicht angenehm. Zumal selten echte Einsicht in ein Fehlverhalten zu finden ist. Meist ist immer irgendwer schuld, aber selten der Verursacher selbst.

Auch wenn Vereine sich nicht auf Termine einigen können und ich dann als Beschwerdeinstanz eingreifen soll, empfinde ich das als meist vermeidbare Scharmützel – im Normalfall geht doch bei vorhandenem Willen immer etwas. Ich habe auch einmal nach Mitternacht ein Pokalspiel gespielt – weil es halt anders nur mit riesigem Aufwand gegangen wäre. Und keiner hat darüber gemeckert.

 

Es gibt auch vereinzelte, kritische Stimmen gegenüber dem DTKV, die insbesondere in den neuen Medien wie facebook geäußert werden. Wie gehst Du damit um?

Wenn alle alles gut fänden, wäre das schon verdächtig. Kritik ist gut und für eine positive Entwicklung notwendig! Manche Kritik beruht aber auf einer persönlichen Einzelfallerfahrung und wird dann schnell zu einer Grundsatzkritik.

Ideal ist, wenn bei Kritiken konkret ein Problem benannt wird und zumindest eine Chance besteht, damit etwas anzufangen. Das Problem muß auch in sich lösbar sein. Aussagen wie „Der DTKV ist wie Entenhausen“ fördern die sachlichen Diskussionen nicht und haben letztlich als Resultat, daß gar nicht mehr geantwortet wird.

 

Wie lange möchtest Du als DTKV-Präsidiumsvorsitzender noch dem Verband vorstehen? Hast Du da für dich eine klare zeitliche Vorstellung oder vielleicht sogar Ziele, die Du noch unbedingt erreichen möchtest?

Ich werde die lange Amtszeit von Sebastian Krapoth sicherlich nicht übertreffen. Viel hängt davon ab, ob die TK-Gemeinde mein „Wirken“ positiv bewertet. Sollte das nicht (mehr) der Fall sein, werde ich gehen. Mein zentrales Ziel ist ein Beitrag zum Erhalt der Tipp-Kick-Bewegung. Eine ganz und gar nicht einfache Herausforderung. Gedankenspielereien sind das Erweitern der bisherigen Palette an Wettbewerben. So was wie beim Tennis der Davis-Cup mit Doppelspielen (also zwei gegen zwei in einem Spiel) finde ich interessant. Auch vielleicht mal ein Mehrkampf mit weiteren Sportarten.

Ich bevorzuge auch die Konzentration der Ligenspiele auf wenige Wochenenden. Viele Spiele, weniger Fahrten und hoffentlich mehr gemütliche Abende mit Kennlernenffekt. Das wäre dann vergleichbar den Einzelturnieren.

 

„Quo vadis, Tipp-Kick?“, in vielen Interviews wird immer wieder diese Frage gestellt. Du bist seit Jahrzehnten dabei und ein Insider par excellence. Was ist Deine persönliche Einschätzung?

Die wohl schwierigste Problematik. Wenn die derzeit „alten“ Haudegen, die die Vereinsarbeit leisten, irgendwann das nicht mehr machen – inwieweit es da jeweils Ersatz geben wird, ist völlig offen. Beispiel sei Wasseralfingen. Da bedaure ich sehr, daß dort nicht mehr die ausreichende Zahl an Organisatoren aktiv ist.

Auch ob für Miegs das Tipp-Kick dauerhaft wirtschaftlichen Boden bildet, ist sehr offen. Meiner Einschätzung nach kann man wohl mit Tipp-Kick alleine als Hersteller nicht überleben.

Ein Lehrer, Fabio de Nicolo, hat gerade als Projekt eine Tipp-Kick AG an seiner Schule. Da bin ich sehr gespannt, ob das erfolgreich ist. Da wäre dann eine Chance, wenn man über die Schulen gehen könnte.

 

Es ist erstaunlich, dass der große Bruder „Fußball“ die ganze Welt in Atem hält. Und der kleine Bruder „Tipp-Kick“ überschreitet nur punktuell unsere Landesgrenzen. Lediglich in der Schweiz konnte sich ein Verband und mehrere Vereine bilden. Könnte hier nicht der DTKV mehr initiieren, wie z.B. offizielle Länderspiele – und wenn es in den Anfängen erst nur gegen die Schweiz gehen würde -, oder unsere Homepage mit englischen Unterseiten? Die Länderspiele könnte man dann publikums- und medienwirksam anpreisen.

An ein Länderspiel gegen die Schweiz habe ich auch schon gedacht. Zu Bedenken ist hier der finanzielle Aspekt. Wenn ein Spieler aus dem hohen Norden zu einem Länderspiel in Bern einzuladen ist, sind unsere finanziellen Möglichkeiten schnell an ihrer Grenze. Ich befürchte auch, daß das Presseecho eher verhalten wäre. Ich schließe das aus der Anziehungskraft anderer Sportarten. Da kommen halt ebenfalls fast nur Angehörige. Selbst bei hochklassigen Veranstaltungen.

Schuld daran ist sicher das Fernsehen. Weil dort konzentriert sehr viel Fußball kommt. Wir haben zwei Hauptprogramme im öffentlich rechtlichen Fernsehen und zahlreiche dritte Programme, dazu ZDF-Info, 3 Sat etc. Warum gibt es keinen Sportsender? 24 Stunden Sport. Und dann eben auch mehr als Fußball. Da wäre dann Platz für Badminton, Curling oder Tipp-Kick. Das würde viel bewegen. Diese 3 Minuten Beiträge in der Sportreportage sind zu wenig.

Unsere Infoseiten in anderen Sprachen – ich kann nicht beurteilen, ob das nachgefragt würde – es müsste dann aber auch jeweils mit mehr als mit Schulenglisch übersetzt werden.

 

Wenn ein Anfänger Dich fragen würde, was kann mir Tipp-Kick für das Leben geben, was würdest du ihm antworten?

Im Idealfall unendlich viel Spannung, Freude, Glücksmomente, ab und zu begleitet von Ärger und Enttäuschungen (das gehört halt dazu). Ich finde, daß Tipp-Kick sehr ehrlich ist – denn im Prinzip gewinnt meist der wirklich bessere (wie z.B. im Eishockey oder Badminton, aber nur bedingt im Fußball).

Man lernt Menschen fürs Leben kennen, kommt viel rum – und das alles mit recht wenig finanziellem Aufwand. Und es gibt zahlreiche Freundschaften, die dabei entstehen. Das dürfte mit das wertvollste dabei sein.

 

Wie lange spielst Du schon Tipp-Kick und was hält dich als Spieler dabei?

Ich habe im Juni 1975 mein erstes offizielles Turnier gespielt – eine Süddeutsche Meisterschaft mit 22 Teilnehmern und zwei Runden – eine am Samstag und eine am Sonntag – was für ein Kuriosum. Süddeutscher Meister wurde übrigens Rainer Schönlau, der immer noch spielt. Fast so lange wie Wilfried Mietke aus Berlin. Weit mehr als 50 Jahre spielt Wilfried aktiv Tipp-Kick – sensationell!

Mich fasziniert Tipp-Kick immer noch. Ich habe dabei so viel erlebt und das allermeiste war gut.

 

Vermißt Du eigentlich als Spieler die alten Zeiten?

Ich habe das Tipp-Kick-Spiel ohne Farblegen als lebendiger empfunden. Wenn es einer darauf anlegen würde, könnte er heutzutage bei Führung zur Halbzeit und eigenem Anstoß das Spiel in der zweiten Halbzeit so gestalten, daß der Gegner nicht ein einziges Mal an den Ball kommt (höchstens, wenn er die Abwehr wegnimmt …). Das wäre früher nicht möglich gewesen. Und dennoch hat früher auch schon meist der bessere gewonnen, weil der Glücksfaktor viel kleiner war als der Verlierende meist vermutet hat. Ich habe keine fünf Spiele erlebt, die vom Glücksfaktor Ball entschieden wurden.

Was ich heute sehr schätze ist die Anständigkeit. Nahezu alle Top-Spieler sind auch sehr fair. Da könnte sich ein Manuel Neuer vom FC Bayern eine dicke Scheibe abschneiden (was wäre der für ein Held, wenn der beim Spiel Deutschland gegen England 2010 zum Schiedsrichter gesagt hätte – Sie haben sich geirrt, der Ball war drin). Geht nicht, sowas? Warum? Weil es um Millionen geht? Ich sehe das anders.

Die Turniere laufen dank Peter Deckert und Artur Merke programmtechnisch perfekt (egal mit welchem Modus). Das verkürzt die Wartezeiten (Ich war bei der Deutschen Meisterschaft

1983 mit 280 Teilnehmern dabei – das war zum auslosen ohne Computer eine mühselige Aufgabe). Wenn in Frankfurt beim Tourfinale die Teilnehmer präsentiert werden – da kriege ich jedesmal Gänsehaut. Wenn in Berlin zu Ostern Jahr für Jahr drei Tage Tipp-Kick perfekt organisiert wird, wenn in Hirschlanden Andreas Sigle bei jedem Teilnehmer, der schon etwas länger spielt, weiß, gegen wen der 1987 zur Halbzeit irgendwo 2:0 geführt hat – da bin ich glücklich, ein kleines Rädchen in dieser Tipp-Kick-Welt 2017 zu sein.

 

Was wünschst Du Dir als DTKV-Präsidiumsvorsitzender für 2017 besonders?

Daß die Dinge, die 2016 gut waren, auch 2017 wieder funktionieren und daß es weniger Streitfälle gibt.

Persönlich würde ich auch mal total gerne bei „Wer wird Millionär?“ mitmachen. Da würde dann in der Vorstellung stehen: „Spielt leidenschaftlich Tipp-Kick“

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

 

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Talentschmiede: Florian Stähle

Sein Brett ist deutschlandweit bereits gefürchtet wie das des großen Normann Koch. Doch Florian Stähle vom TKC 71 Hirschlanden hat noch mehr auf dem Kasten: Nicht umsonst steht der 16-Jährige auf Platz 18 der DTKV Turnierrangliste. Außerdem überzeugte er uns beim 2. Römer Cup im vergangenen Jahr, welchen er bravourös gewann!

Flo fing 2012 gemeinsam mit seinem Papa Frank mit dem Tipp-Kick an. Während dieser mittlerweile eher selten am externen Spielbetrieb teilnimmt, lässt sich der Sohnemann kaum ein Turnier entgehen. Von den großen Turnieren verpasste er 2016 nur die Westdeutsche Einzelmeisterschaft. Beim Tourfinale setzte er sich gegen namhafte Konkurrenz durch und qualifizierte sich für die Play-Offs. Dort musste er sich erst seinem Vereinskameraden Artur Merke geschlagen geben. Natürlich profitiert er vom hohen Niveau beim Training in Hirschlanden, allerdings bedarf es großer Klasse und Geduld, sich anfangs von Niederlagen nicht unterkriegen zu lassen.

Florian (l.) spielt trotz seines Alters bereits beim Konzert der Großen mit.

Neben seiner großen Stärke, dem Brett, verfügt Florian über ein breites Repertoire in der Offensive. In jeder Spielsituation ist er in der Lage, einen gefährlichen Ball aufs gegnerische Tor zu bringen. Außerdem verfällt der junge Schwabe gerne in einen Spielrausch, in dem er nur schwer zu stoppen ist. In diesem Fall fegt er wie ein Wirbelwind über die Platte und lässt dem Gegner nicht den Hauch einer Chance, zumal sein Torwart kaum überwindbar scheint.

Weitere Stärken Florians sind seine Spielübersicht und sein Spielverständnis. Man glaubt nicht, dass ein Jugendlicher an der Platte steht, wenn man ihn beobachtet, denn er gibt sich bereits unheimlich routiniert. Nichtsdestotrotz hebt er nicht ab, sondern sucht vielmehr nach Möglichkeiten, sein Spiel weiter zu verbessern. Gerade wegen dieser Einstellung wird uns Florian im kommenden Jahr noch mehr Spaß bereiten und die Arrivierten weiter aufmischen.

Flo im Duell mit Max Daub, einem seiner Vorbilder.

 

Steckbrief

Name: Florian Stähle

Alter bzw. Geburtsdatum: 16; 12.05.2000

Beim Tipp-Kick seit: 2012

Bisherige Vereine: TKC 71 Hirschlanden

Lieblingsschuss:

Erfolge: Zweiter bei der U-18 DEM 2015; Erster im 2.Römercup 2016

Vorbild: Meine Trainer

Andere Hobbies: Fußball, Akkordeon

Lieblingsmusik: alles

Lieblingsessen: Gibt’s nicht!

 

Fragebogen

Wie bist du eigentlich zum Tipp-Kick gekommen?
Über`s Fernsehen durch einen Bericht vom TKC 71 Hirschlanden.

Wie und wie oft trainierst du?
Früher: 2 mal pro Woche. Heute: alle 2 Wochen im Training und zusätzlich bis zu 1-2 mal die Woche.

Du hast im Mai den 2. Römer-Cup in Frankfurt gewonnen und beim Tourfinale die Endrunde erreicht. Welche Ziele möchtest du langfristig erreichen?
Soweit zu kommen wie möglich in den Turnieren, also Vorschlussrunde oder Endrunde setze ich mir als Ziel bei den Turnieren. Außerdem möchte ich einmal die Hall of Fame erreichen.

Von welchen Tipp-Kickern hast du am meisten gelernt? Gibt es für dich auch ein Vorbild?
Max Daub und Beni Buza.

Wo siehst du deine Stärken und wo möchtest du dich in Zukunft noch verbessern?
Stärke: Offensive. Verbessern möchte ich und muss ich mich noch in allen Bereichen.

Hast du einen Lieblingsgegner? Gibt es auch jemanden, gegen den du sehr ungern spielst?
Beides mein Vater 🙂 Wenn es um etwas geht, z.B. im Training eher ungern, sonst gerne.

Wie glaubst du, kann der DTKV mehr Jugendliche für unser Hobby begeistern?
Schwierig… übers Fernsehen, aber das ist nahe zu unmöglich. Oder über ein Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen (Werbung in der Grundschule).

Welchen Tipp würdest du einem Jugendlichen geben, der gerade mit dem Tipp-Kick angefangen hat?
Besuche das Training des Vereins in deiner Nähe und gib nicht auf, wenn etwas nicht gleich funktioniert.

Vervollständige bitte folgenden Satz: Tipp-Kick werde ich in zehn Jahren noch spielen, weil…
ich die Herausforderung und die Vielseitigkeit bei der Sportart liebe.