Pokale kannst Du vergessen, aber niemals deinen Tipp-Kick-Koffer oder die längste Tipp-Kick-Fahrt aller Zeiten

Christian Schäl stellt 59 Fragen an die Nummer 3 der Hall of Fame, Oliver Schell.

 

1. Du bist der „letzte Lübecker“, der noch regelmäßig und aktiv Tipp-Kick spielt. Hättest Du das mal so erwartet? – oder anders: was treibt Dich an, noch zu spielen?

Weniger die Jagd nach irgendwelchen Rekorden. Aber ich fühle mich bei Tipp-Kick-Veranstaltungen eben wohl. Egal, ob es bei mir selber um Erfolg geht oder bei anderen. Ich quatsche auch gerne. Es sind ja auch genug gleichaltrige da. Ich hätte aber eher erwartet, dass Normann oder Dirk als letztes spielen. Ich glaube aber auch nicht, dass die anderen drei Lübecker komplett aufgehört haben. Warum sollte man das beim Tipp-Kick auch machen? Um den Meniskus zu schonen?

2. Wir leben in einer Zeit der Revival. Wie hoch schätzt du die Wahrscheinlichkeit, nochmals mit Koch, Kallies und Winckelmann eine Saison durchzuspielen?

So ziemlich genau 17%.

3. Eine Spinne mag es, wenn etwas in ihr Netz fliegt. Woher rührt dein Spitzname „die Spinne“? Sind es tatsächlich die acht Arme, die dein Torwart hat?

Nein, es war Michael Schuster, der bei der DEM 2006 diesen Spitznamen ersann. Ich meine, es beschreibt meine Art und Weise, wie ich um den Tisch herum arbeite, ähnlich fleißig wie eine Spinne eben.

Oliver Schell (r.) erlebt man immer sehr aktiv an der Platte!

4. Was ist das schönste Element in deinem Spiel?

Der tödliche Pass in die Tiefe.

5. Welchen Ball hättest du gerne gehalten?

Den Ball, den mir Sebi 1992 auf der Süddeutschen an den Innenpfosten geschossen hat 😉

6. „Legen und Strafraumball“ müssen ein Arbeitsgang sein. So konnte man deinen Minimalismus beschreiben. Durch die Regeländerung, dass der zweite Ball auf’s Tor muss, wurde das Kompetenzzentrum deines Spiels aufgelöst. Wie sehr hat dich das zurückgeworfen?

Eigentlich gar nicht. Vielleicht habe ich dadurch ein, zwei Chancen weniger, aber andere haben drei, vier weniger davon. Mich würde mal eine Statistik interessieren, wie viele Tore überhaupt aus Strafraumbällen erziehlt werden – und wie viele es bei mir sind. Ich habe nach der Regeländerung, an der ich übrigens auch beteiligt war, ja auch noch drei Sektionstitel gewonnen.

7. Du und Normann, ihr habt jahrelang das Niveau markiert. An wessen Spiel muss man heute anknüpfen, will man Erfolg haben oder ist der „Thron“ im Augenblick leer?

Das würde ich nicht sagen. Dirk Kallies war über drei Jahre Ranglistenerster. Das hat noch niemand geschafft, selbst Normann nicht. Außerdem gab es „damals“ auch noch eine Reihe ebenbürtiger Spieler. Auch heute sind es ein knappes Dutzend, aber ich würde, ähnlich wie Normann damals, Buza als den, den es zu schlagen gilt, nennen. Wenn bei ihm alles „normal“ läuft, ist er quasi nicht schlagbar.

8. Kann man ohne Trainingspartner, also alleine an der Platte, sein Torwartspiel verbessern oder geht das nur durch das Spielen?

Das geht auf zwei Arten: Natürlich durch Spielen und mit der Werner-Glück-Ballmaschine, ohne die ich niemals einen so guten Torwart bekommen hätte.

9. Jens König hält die Materialfrage für überbewertet. Wie siehst Du das?

Das sehe ich genauso. Da noch nicht einmal Jonathan Weber Lagerspieler benutzt, kann das nicht sehr wichtig sein.

10. Deine Tipp-Kick-Lieblingsanekdote?

Die längste Tipp-Kick-Fahrt aller Zeiten: Ein Ostalbturnierwochenende. Juhu! Ich düse also los und hole die Winckelmänner in Lübeck noch ab, um dann nach insgesamt fast 800 km endlich in der Halle zu sein. Zwischendurch dann irgendwie Bier, Tipp-Kick, Bier, Tipp-Kick (oder andersherum) – keine Ahnung mehr, wer da wie gewonnen hat – anschließend die Rückfahrt. Dann nach einigen Stunden auf der Autobahn, ungefähr Höhe Kassel, bemerkt Basti dann, dass seine Spieler nicht an Bord sind. Nach einigen erfolglosen Telefonaten vom Festnetz einer Raststätte (muss also in den 90ern gewesen sein) also wieder los Richtung Wasseralfingen. Dort mitten in der Nacht angekommen, steht Bastis Tipp-Kick-Koffer tatsächlich auf dem Parkplatz! Nun also wieder los Richtung Norden über Lübeck nach Kiel, um dann am Montag Morgen, nach über 2200 km mit meinem Honda CRX endlich eine Erholung zu gönnen.

11. Hättest Du mehr Titel geholt, wenn Du nicht so hoch im Norden leben würdest? – oder anders: wirst Du eines Tages weiter in den Süden ziehen, damit Du in der Hall-of-Fame Jens König einholst?

Das haben wir uns tatsächlich oft gefragt. Aber Lübeck und Leck waren ja trotzdem sehr erfolgreich. Letztendlich gab es drei Effekte dadurch: Die Touren waren teurer. Wir waren am Montag oft müde. Wir konnten uns auf den langen Fahrten besser auf das Event einstellen. (alternativ: Für Leck und Lübeck war und ist es natürlich immer der doppelte Aufwand, aber dafür wäre ich ohne NoKo, Diak und Basti niemals so gut geworden und der Gewinn der Tönniger Tipp-Kick-Trophy/Schleswig-Holsteinischen Landesmeisterschaft wäre mein größter Triumpf geworden. Der König zehrt ja immer noch von meiner Hannover-Zeit, als er mehrmals pro Woche mit mir trainieren durfte.)

Die Fantastic Four: Oliver Schell, Sebastian Winckelmann, Dirk Kallies und Normann Koch

12. Wenn Dir ein Spiel entgleitet, wie versuchst Du, die Kontrolle zurückzugewinnen?

Erstmal: Entspannen! Anschließend Powerplay, also „Nach-Vorne-Verteidigen“ und „Gegenpressing“ – um nur zwei Plattitüden von Fussball-Kommentatoren zu nennen.

13. An welche unfaire oder zumindest fragwürdige Situation musst du häufig denken?

Och, da gab es sicherlich schon ein paar. Aber das MM-Play-Off-Spiel ‚Koch vs Heinze‘ wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben.

14. Hast Du in den Anfängen viel ausprobiert oder schnell deinen Stil gefunden?

Klar, in den Anfängen haben wir alles ausprobiert. Anfänglich war ich die Tormaschine, dann der Konterspieler, Abwehrbollwerk und schließlich der Strafraumdribbler. Nur ein gutes Drehermännchen konnte ich nie erwerben …

15. Würdest Du einen Deutschen Einzelmeistertitel hergeben, wenn Du dafür als der Erfinder des Farbspiels in die Geschichte eingehen würdest?

Nein, ich bin schon stolz, dass Normann es mir als Erstem verraten hat! Ich habe ihn damals übrigens für verrückt gehalten.

16. Findest Du die Farbe des Torwarts wichtig, gar entscheidend, um gut halten zu können?

Vor meiner Hoch-Zeit als Torwarttitan (in den 1990ern) hatte ich meinem Torwart einen Superman-Anstrich verpasst. Dieser hatte leider eine 2mm-Stange, so dass ich diesen ausmustern musste.

17. Wann hast Du dein letztes Eckballtor geschossen?

2016 in Berlin. Zwei von jeder Seite.

18. Normann gilt als der brilliantere Spieler, einer, der in die Bälle schon mal eine Portion Chaos hineinfügt. Dein Spiel versucht, das Chaos auf Muster zu reduzieren. Normanns Spiel war eher entdeckend, deins wiederholend. Siehst Du das auch so?

Ich habe es in direkten Partien eher so gesehen: Normann kreierte neue Schüsse, die ich dann zerstören durfte.

19. Du bist der einzige, der Normann Koch in einem DEM-Finale jemals besiegt hat. Habt ihr manchmal über dieses Spiel gesprochen oder es gar analysiert?

Ja, auf der Rückfahrt ungefähr eine Minute.

Oliver Schell war der einzige, der seinen Kollegen Normann in einem DEM-Finale mit 2:1 schlagen konnte

20. Wenn es einen Oliver-Schell-Fan-Club geben würde und die würden sich alle einmal im Jahr an einer Tipp-Kick-Platte treffen. Welches Tor von Dir sollten sie nachspielen?

An so ein „Götze-/Gerd-Müller-Tor“ kann ich mich nicht erinnern.

21. Was hältst du von Jens König? Also ehrlich!

(Die Antwort wurde auf Wunsch eines Tipp-Kickers gestrichen… haha…)

Im Prinzip ziemlich viel. Z.B. ist es quasi unmöglich, sich mit ihm zu streiten, obwohl ich das doch schon mal geschafft habe. Er hat allerdings auch Schwächen. Die werden hier aber natürlich nicht verraten.

22. Welches Alterswerk hast Du in Sachen Tipp-Kick noch vor?

Vielleicht irgendwann nochmal mit den alten Lübeckern BW Concordia Lübeck mit jungen Spielern aufleben lassen. Dirk hat da ja auch so ein paar Schulprojekte laufen. Vielleicht ziehe ich als Rentner ja auch wieder nach Lübeck.

23. Deine Erfahrung mit Eigentoren? oder anders: Wie sehr sollte man als Champion (oder um einer zu werden) mit dem Glück zusammenarbeiten?

Da gab es schon ein paar sehr bittere (Bretter vom Gebälk oder eine Ecke ins eigene Tor „legen“). In einem Zehnminuten-Spiel braucht man i.d.R. auch Glück, um gegen einen nahezu gleichstarken Gegner zu gewinnen. Um Ranglistenerster zu werden allerdings nur Ausdauer neben einem gewissen Talent.

24. Die „Königsdisziplin“ im Tipp-Kick: Eckballtor oder Strafraumball?

Die „Jens-Königsdisziplin“ ist ganz klar der Strafraumball. Die Königsdisziplin“ im Tipp-Kick ist natürlich die Ecke (neben dem ein oder anderen Verarschungstrick).

Jens König und Oliver Schell – zwei Weggefährten, die sich gut verstehen!

25. Hast Du schon mal ungepflegt oder schlampig gekleidet an der Platte gestanden? oder anders: Sollte es im Tipp-Kick (wie im Dart und beim Billard) eine Kleiderordnung geben?

Ich hatte auf langen Fahrten mal so eine weite Adidas-Jogginghose an, worauf Dirk mich als „lettischen LKW-Fahrer“ bezeichnete. Kann sein, dass ich die auch mal an der Platte trug. Normalerweise bin ich gegen eine Kleiderordnung. Wenn es allerdings Sponsoren gibt oder gar TV-Übertragungen, wäre ich zu Kompromissen bereit.

26. Du hast dich von den öffentlichen Tipp-Kick-Verbandsämtern verabschiedet. Faulheit oder sind jetzt mal die anderen dran?

Jetzt sind mal andere dran. Am besten immer die, die auch gerade Bock darauf haben. Es ist eben auch viel Arbeit.

27. Kennst Du einen Tipp-Kick-Witz?

Nicht so einen richtigen. Aber Ende der 80er hat unser damaliger Vereinschef – Andreas Henseling – Normann und mich damit beauftragt, neuen Mitgliedern ein bisschen etwas zu zeigen. Worauf wir ihnen diverse Lichtschalter, Schubladen und Schränke zeigten 🙂

28. Würdest Du sagen, dass Du durch dein Spiel die Welt verändert hast?

Natürlich nicht. Vielleicht nicht mal die Tipp-Kick-Welt. Aber der lange Pass auf die Sechzehnerlinie und ein modernes Torwartstellungsspiel wird man vielleicht schon mit mir in Verbindung bringen.

29. Wieviel Raum gibst Du während eines Matches der Selbstdarstellung?

Das kommt natürlich auf die Wichtigkeit des jeweiligen Spiels an. Und ob es strategisch klug ist. Und und und …

30. Das nächste Level wäre, den Ball nicht nur auf Farbe zu legen, sondern so, dass er auf einer gewünschten Position, in einer bestimmten Stellung liegen bleibt. Ist das anzustreben oder tut sich da ein Wahnsystem auf?

Naja, natürlich legt man auf die gewünschte Position. Aber die bestimmte Stellung? Wie soll das denn gehen? Ach ja, einfach zum Torwart zurückspielen.

31. Tipp-Kick ist nur in Echtzeit genießbar. Es gibt wenige gute Aufzeichnungen von alten Spielen. Fluch oder Segen?

Schade. Das ist sehr schade. Aber die Videoaufzeichnungen steigen mit der Technik (Smartphones) ja gerade stark an.

32. Manchmal gehörst Du auch zu den „lauten Spielern“, den „Brüllern“. Dann hört man Wörter aus dem eigenen Mund kommen, die das Selbstbildnis eines fairen, coolen, beherrschten Menschen zertrümmern. Ärgerst Du dich hinterher über solche „Ausraster“?

Nein, das war immer berechtigt 😉

33. Zehn Jahre nachdem A. -als Schiedsrichter- eine Ecke zu unrecht gegen B. gegeben hatte (die Ecke blieb folgenlos), rächte sich B., in dem er A. bei einem Spiel einen Elfmeter ins Tor schoss! Wie gut ist Dein Tipp-Kick-Gedächtnis?

Es gibt natürlich ein paar Spiele, die immer in Erinnerung bleiben. Also eher Spielszenen. Aber bei der Mehrzahl dieser bemerkenswerten Spiele war ich dann eher Schiedsrichter oder Zuschauer.

34. Ärgerst Du Dich auch über gewonnene Spiele?


Ich heiße ja nicht Dirk Kallies.

Oliver Schell hat 13 große Einzeltitel gewonnen – hier bejubelt er den Triumph bei der Norddeutschen Einzelmeisterschaft 2010.

35. Letzte Worte auf dem Sterbebett:

„Letzte!“

36. Wie sieht deine Wunsch-Mannschaft unter den derzeit noch aktiven Tipp-Kickern aus?

König, Malessa, Sebi Wagner und wenn ich darf: Schell.

37. Wie positionierst Du deinen Abwehrkicker? Benutzt Du Spielfeldlinien zur Orientierung?

Nein, nur die Pfosten sowie die gefährlichste Flugbahn des jeweiligen Gegners. 15 cm vor dem Strafraum ist es gegen Schwaß allerdings reine Glückssache.

38. Wo siehst Du noch Erneuerungsmöglichkeiten beim Tipp-Kick?

Die Spielmännchen sind schon sehr gut. Eine Vereinheitlichung und Perfektionierung des Filzes würde sicherlich viel bringen.

39. Frage an den Torwarttitan: Ist der Ylipulli, diese Schlampe unter den Tipp-Kick-Bällen, nicht eine angemessene Form, eine stabile Abwehr zu überwinden?

Ja, natürlich! Gegen Torhüter, die gerade in einem Halterausch sind, helfen normalerweise nur solche Schlampen. Außerdem bringen sie einen gewissen Witz in das Spiel. Wenn die Aktion ungefähr so auch gewollt war, finde ich es dann auch eine schöne Aktion.

40. Dein Name auf isländisch: Olivar Zunullson oder Spinnar Strafraumson?
Letzteres ist besser. Aber bleiben wir lieber bei der Spinne.

41. Wann das letzte mal gegen ein Kind verloren?

Ich glaube in Berlin gegen Valentin Tenner (Ostern 2016). Aber diese Niederlage tat kaum weh, obwohl ich letztendlich in der Gruppe ausgeschieden bin.

42. Ist Fairness wichtiger als Ergebnis?

Gegen einen fairen Spieler ja! Und das betrifft über 95% der aktuellen Tipp-Kicker. (Wer sich angesprochen fühlt bzw. nicht angesprochen fühlt: selbst schuld.)

43. Sollte Tipp-Kick mehr Einzug in das öffentliche Leben nehmen, also z.B. Kicker als Ampelmännchen; auf den Autobahnraststätten mehr überdachte Tipp-Kick-Platten (statt Spielplätze) oder als Redewendung in Partnerschaften…“Sprich nicht in diesem Klemm-Brett-Ton mit mir“!

Das würde mich natürlich freuen. Aber bevor dafür Millionen investiert werden, wäre ich eher für ein Preisgeld $$$, auch wenn ich selbst davon nicht mehr profitiere.

44. Stimmt es, dass viele große Tipp-Kicker, die verschwunden sind (Runge, Steinfeld, Bacher, Koch, Klecz) sich heimlich in Darkrooms treffen und Turniere spielen?

Sind Bacher und Klecz wirklich große Tipp-Kicker? 😉 Ansonsten: Ja, Normann trifft sich regelmäßig mit Jens Runge zu ein paar Feindschaftsspielen…

45. Kennst Du Verarschungstricks im Tipp-Kick?

Na klar. Aber die kennen mittlerweile meine Gegner auch. Ach so, soll ich jetzt den anderen diesen auch noch verraten? Okay, also man täuscht einen ungefährlichen Schuss an, bzw. eine indirekte Aktion, um dann aufs blanke Tor zu schießen.

46. Spielst Du gerne Tipp-Kick?

Hängt echt stark von meiner Laune ab. Deswegen bringen Turniere eigentlich immer Spaß, da ich da eben nur hinfahre, wenn ich Zeit und Bock habe. Bei Mannschaftsspielen kann das mal in „Arbeit“ ausarten.

47. Vor einem wichtigen Spiel: bist Du vor deinem Gegner an der Platte oder erst in letzter Sekunde?

Idealerweise eine Minute vorher. Um in Ruhe die Spieler auszupacken und den Ball noch zu checken. Wann der Gegner kommt, ist mir egal.

48. Gibt es beim Tipp-Kick-Training auch Übungen, die man ohne Ball machen kann?

So wie der Hackl-Schorsch beim Bob oder wie? Nicht, dass ich wüsste.

49. Der Norden ist flach. Dort spielt (spielte) man häufig Aufsetzer und harte Bretter. Der Süden ist eher hügelig und kurvenreich. Dort spielt man Heber und hohe Bälle, um aus den Tälern hinauszukommen. Wie wichtig ist Geographie – also die physische Beschaffenheit des Raumes – für die Art und Weise wie wir spielen?

Flach spielen – hoch gewinnen.

50. Allein das Zögern ist human. Ist der Konter also ein barbarischer Ball?

Ja. Und das in Reinkultur.

Zum Konter bereit- Oliver Schell im Spiel gegen Michael Hümpel.

51. Werden Tipp-Kick-Bälle eines Tages so rar werden, dass sie Zigaretten als Währung auf dem Schwarzmarkt ersetzen?

Zigaretten? Die kannst du dann mit Gold aufwiegen.

52. Sind Wegener-Kicker (egal ob von Oliver oder Uwe) kleine Skulpturen der Überlegenheit? oder anders: sollte man so einen Kicker auf der Platte liegen haben, damit der Gegner weiß: hier wird Tipp-Kick 4.0 gespielt (oder 4:0..)?

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das wirklich so viel bringt. Ein gut getrimmtes Männchen der alten Generation ist meiner Meinung nach auch nicht schlechter. Aber vielleicht nicht so wartungsfrei.

53. Welche Frage sollte Dir die Wunschfee beantworten?

a.) Was ist dunkle Materie?

b.) Wie gelingt mir der perfekte Dreher?

Da ich die Antwort auf b.) sowieso nicht verstehen würde, lieber a.)

54. Du hast unzählige Stunden an der Platte gestanden, bist tausende von Kilometern gefahren, um Strafraumbälle zu versenken… was hättest Du mit dieser Zeit sonst gemacht, wenn nicht Tipp-Kick gewesen wäre?

Sehr gute Frage! Aber ich habe auch sonst sehr viel gemacht (Reisen usw.), so dass ich nicht das Gefühl habe, etwas verpasst zu haben. Wahrscheinlich hätte ich die Zeit dann entweder mit einem anderen Sport verbracht oder mit dem Versuch, Millionär zu werden.

55. An der Platte: Ist die Körpersprache (Ausdruck) wichtiger als das technische Vermögen?
Natürlich technisches Vermögen. Wer sich von der Körpersprache beeinflussen lässt, ist eh kein Gegner.

56. Sollte der Deutsche Tipp-Kick-Verband einen Detektiv engagieren, um die letzten noch fehlenden Tipp-Kick-Spielprotokolle für das Liga-Archiv ausfindig zu machen?
Jens König und ich würden es zusammen schaffen. Unser Arbeitgeber müsste uns nur einen Monat freistellen. Dann würden wir deutschlandweit in Kellern rumwühlen.

57. Gibt es jetzt auf den Turnieren häufiger Gegner, die gar nicht wissen, wer du eigentlich bist?

Die gab es tatsächlich schon immer. Aber jetzt werden es wieder mehr.

58. Ist die Torlinie der Trennungsstrich zwischen Himmel und Hölle?

Ach Quatsch. Über eine tolle Aktion von einem sympathischen Gegner kann man sich doch auch freuen. Apropos Torlinie: wie geil wäre es, wenn wir die Hawk-Eye-Technik hätten? (Christian, jetzt bist du mal dran)

59. Bevor ich Dir Frage 59 stelle, bitte an einen Tipp-Kick-Tisch stellen, Kicker und Ball nehmen und 15 x hintereinander auf Farbe legen…ohne Fehlversuch…

Ich habe früher vor wichtigen Events (BL-Spielen, Play-Offs, Turnieren) solange Abstöße geübt, bis ich zehn Mal hintereinander den Ball auf meine Farbe gelegen habe. Das mache ich seit ca. 10-15 Jahren nicht mehr, weil ich sonst eine Spielplatte blockieren würde.

Interview mit Christoph Schmidt (Schlachtenbummler Bochum)

Hallo Schmiddi,

schön von dir zu hören. Und, wie viele Gleitlagerspieler hast du in den letzten Wochen schon gekauft?
Hehe … tatsächlich habe ich zuletzt auf der NDEM mal wieder beim Bernd Weber zugeschlagen. Neben einem interessanten Neuzugang, ging es allerdings mehr um Umbauten meiner „Altstars“, die ich über den Winter geplant hatte und nur auf Gelegenheit gewartet habe dies mit Bernd zu besprechen.
Keine Angst, es kommt nicht zur Verknappung des Spielermarktes durch Bochumer Groß-Einkäufe, viel mehr geht es um strategische, qualitative Verbesserung des vorhandenen Spielermaterials.
Letzten Endes befindet sich meiner Meinung nach das wichtigste Spielermaterial oberhalb des Druckknopfes und besteht aus Fleisch und Blut. 😉

Plötzlich standest du durch deine Teilnahme bei „Wer wird Millionär“ im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Bei Facebook klatschen unzählige Frauen Beifall. Wie geht man mit so einer neuen Situation um? Kannst du diese neue Wirklichkeit schon realisieren?
Der erste Hype war schon echt enorm und ungewohnt, ließ aber so schnell wieder nach, wie er gekommen war. Nach 2-3 verrückten Wochen kehrte langsam wieder der Alltag bei mir ein.
Ab und zu wird man zwar noch vereinzelt darauf angesprochen und um ein gemeinsames Selfie gebeten oder zum Bier eingeladen, aber das sind inzwischen glücklicherweise Ausnahmen. Auch wenn man solch einen Ausnahmezustand auf einer Seite genießt, bleibt es doch ungewohnt und teilweise auch ein wenig lästig.
Momentan hat sich aber alles wieder auf ein normales Maß eingepegelt.
Von daher weiß ich „Normalität“ nun noch ein wenig mehr zu schätzen und zu genießen, z.B. beim Tipp-Kick, wo ich einfach der Schmiddi aus Bochum und nicht bloß „der tätowierte Dicke ausm TV“ bin. 😉
Wie man mit so einer Situation umgeht?
Na ja, so wie man sonst auch damit umgeht… z.B. wenn jemand sich jemand die Mühe macht mir zu schreiben, antworte ich auch, oder wenn mich jemand anquatscht, nehme ich mir die paar Minuten für ein bisschen Small Talk oder ein Foto.
So hat man nach meiner Erfahrung am schnellsten wieder seine Ruhe. 😉
Ich muss allerdings sagen, dass fast alle Leute mit denen ich jetzt durch WWM Kontakt hatte, sehr vernünftig und verständnisvoll waren und es so glücklicherweise auch keine besonders aufdringlichen oder unangenehmen Situationen gab.
Daran, dass man öfters mal dieselbe Geschichte erzählen oder immer wieder dieselben Fragen beantworten soll, gewöhnt man sich mit der Zeit.
Übrigens fällt dieses Interview in dieser Beziehung sehr angenehm aus dem Rahmen! 😉

Schmiddi bei Günther Jauch auf dem Stuhl!

 

Was hat sich geändert, positiv wie negativ?
Eigentlich hat sich nichts grundlegend in meinem Leben geändert.
Schön finde ich, wie viele Leute sich mit meinem Wunschtraum von der eigenen KiTa bzw. dem Bauernhof identifizieren können und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Leider fehlt für solch ein Projekt dann doch die finanzielle Grundlage, bzw. Unterstützung… da geht es um Millionenbeträge.
Es gäbe zwar sicher Möglichkeiten und Konzepte solch ein Projekt in abgespeckter Form an den Start zu bringen und schrittweise zu erweitern, allerdings bin ich mit meinem bisherigen Leben und meinem Job bei der Bahn ja nicht unzufrieden und möchte es auch nicht unbedingt aufgeben, um etwas anderes zu machen.
Es handelt sich dabei ja mehr um einen Wunschtraum als ein geplantes Projekt meinerseits … was einem halt so in den Sinn kommt, wenn man gefragt wird, was man mal theoretisch mit einer Million anfangen würde.
Negative Veränderungen gab es aus meiner Sicht also keine, im Positiven aber auch allenfalls nur kleinere. Natürlich kann man sich nun den einen oder anderen Wunsch direkt erfüllen, ohne lange darauf sparen zu müssen, wie z.B. ein neues Handy oder Computer, das ist schon ganz nice. 🙂
Die eine oder andere Reise nach Skandinavien oder auf die britischen Inseln steht im Laufe der nächsten Zeit sicherlich auch noch an.
Aber im Großen und Ganzen bleibt eigentlich alles beim Alten. Und das ist auch gut so! 😉

Auch die Tipp-Kick-Szene war schwer beeindruckt von Deinem Auftritt. Viele Tipp-Kicker drückten dir die Daumen. Gab es beim nächsten Training der Schlachtenbummler eine Flasche Schampus? Schließlich waren auch einige Vereinskameraden deine Telefonjoker!
In Bochum gibt’s „Fiege“, keinen Schampus! 🙂
Natürlich habe ich die Leute, die zum Gewinn beigetragen haben (ob als Joker, Begleitung oder sonstige Unterstützung) nicht vergessen und werde mich auf die eine oder andere Weise erkenntlich zeigen.
Da habe ich mir aber individuell etwas Persönliches für jeden einfallen lassen.
Im Falle meiner Joker aus Reihen der Schlachtenbummler ist ein gemeinsamer Stadionbesuch in der VIP-Loge für die kommende Saison geplant, soviel sei verraten. 😉

Christoph Schmidt verpasst kaum ein Turnier!

Du bist Fan des VFL Bochum. Hast du vom Verein eine Jahreskarte bekommen?
Leider nein. Aber bei meinem letzten Fanshop-Besuch hat mir die freundliche Verkäuferin verraten, dass man seitens des Vereins wohl etwas plant… bisher ist aber noch niemand offiziell an mich heran getreten.
Ähnlich verlief es übrigens mit der Brauerei Moritz Fiege; nachdem sie durch mein großflächiges Rückentattoo, welches im TV zu sehen war, in diversen Interviews zum Gesprächsstoff wurde, nahm man via Facebook-Seite Kontakt auf und avisierte eine Brauerei-Besichtigung. Danach hat sich leider auch hier niemand mehr gemeldet.
Ich hätte mich in beiden Fällen zwar sehr über die Aufmerksamkeit gefreut, da es sich um Bochumer Unternehmen handelt, die einen festen Platz in meinem Leben haben und für die ich große Sympathien hege, andererseits möchte ich mir da auch gar keine Vorteile „erschleichen“ oder irgendwelchen Leuten hinterher laufen… so wichtig ist mir das nicht, aber es wäre halt schon schön gewesen. 😉

Viele Tipp-Kicker hätten sich gewünscht, dass du bei deiner Vorstellung in der Sendung auch unsere Randsportart präsentiert hättest. Mit einem Schlag hätten sich die Mitgliederzahlen vervielfachen können. Gab es überhaupt eine Chance für dich, Tipp-Kick ins Rampenlicht zu rücken?
Das war leider nicht ganz einfach.
Ursprünglich hatte ich tatsächlich vor eine Tipp-Kick-Figur als Talisman mit ins Studio zu nehmen, allerdings machte mir mein Patenkind Nick einen Strich durch die Rechnung, in dem er mir eine seiner Holz-Lokomotiven als Glücksbringer für’s Fernsehen mitgab.
Um dort nicht mit vollen Händen auf dem Stuhl zu sitzen, musste ich leider Prioritäten setzen.
So ließ sich das Gesprächsthema leider nicht auf unser Lieblings-Hobby lenken, auch wenn ich das grundsätzlich gern getan hätte.
Mindestens genauso enttäuscht waren meine Freunde der Turbojugend Bochum, dass ich im TV nicht unsere Kutte trug, aber auch da gab es strikte Vorgaben seitens der Redaktion, auch technischer Art.
Einerseits zwar schade, andererseits aber auch verständlich, da sich die Redaktion halt auch im Vorfeld Kandidaten ausgesucht hat, um die herum sie eine Geschichte aufbauen können und das war in meinem Falle nun mal der kinderfreundliche Eisenbahner.
Alle Facetten einer Persönlichkeit in einer solchen Situation zu erfassen ist aber wohl ohnehin unmöglich, von daher kann ich mit dem ausgestrahlten Fokus ganz gut leben.
Es scheint ja auch ohne Tipp-Kick nicht das unsympathischste Bild von mir vermittelt zu haben… 😉

Wie gehen die Tipp-Kicker mit dem neuen „Schmiddi“ um? Gewinnst du mehr Spiele, weil der Gegner in Ehrfurcht erstarrt oder weil du lockerer aufspielen kannst?
Gott-sei-Dank gehen alle ganz normal mit mir um und über Sieg oder Niederlage entscheidet weiterhin, Trainingsfleiß, Spielpraxis und Tagesform. Also alles wie immer, der „neue Schmiddi“ ist ganz der Alte geblieben!
Ich habe mich ja persönlich nicht verändert (hoffe ich) und bin derselbe wie vor, während und nach der Show. Scherzhaft wird man auch mal als „Fernsehstar“ bezeichnet, oder nach Autogrammen gefragt, aber solche Promi-Behandlung ist natürlich Quatsch und ich gehe auch nicht weiter darauf ein. Ich sehe das eher so, dass mich jetzt ein paar Leute mehr kennen als vorher und wer mag, kann gern auch mal ein Foto mit mir machen… aber dann muss es auch gut sein.

Ein Tattoo vom Ratestuhl dient Schmiddi als Erinnerung

Auf der DTKV-Seite bist du im Autoren-Team gelistet und für Berichte aus der Westsektion zuständig, aber auch für „Denk-Anstöße“. Der letzte Artikel erschien 2015 und wir sind alle auf deine nächsten „Denk-Anstöße“ gespannt, wann wird hierzu ein Artikel erscheinen?
Den „Denk-Anstoß“ habe ich gemeinsam mit Max Gottschalk damals als Rubrik eingeführt und dort Themen aufgegriffen, die z.B. auf Facebook unter Tipp-Kickern sehr angeregt und bisweilen auch kontrovers diskutiert wurden. Für mich war dies ein Indikator dafür, dass ein offensichtlicher Gesprächsbedarf bestand und wollte die Möglichkeit nutzen, diese Thematik auch Aktiven, die nicht bei Facebook angemeldet sind näher zu bringen und so den Anstoß zu geben, sich darüber Gedanken zu machen.
Die Rubrik war also nicht als regelmäßige Kolumne geplant, sondern eher spontan je nach Bedarf verfasst.
In letzter Zeit hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, dass ein bestimmtes Thema das Gros der Tipp-Kick-Szene besonders beschäftigt, somit sah ich auch keinen Ansatzpunkt für einen weiteren Artikel.
Falls jedoch Bedarf bestehen sollte oder mir ein bestimmtes Thema unter den Nägeln brennt, werde ich sicherlich auch mal wieder einen „Denk-Anstoß“ verfassen … ansonsten sehe ich das als „offene Rubrik“ in der sich gern auch andere Autoren austoben dürfen, wenn sie Ideen haben oder den Bedarf sehen etwas konkreter zu thematisieren und lade ausdrücklich jeden ein, der Zeit und Lust hat sich hier zu beteiligen. 😉
Für die Sektion West gilt übrigens selbiges, auch dort freue ich mich immer über Unterstützung und Mitstreiter, was z.B. Vorberichte etc. angeht!

Wenn du dein Hobby „Tipp-Kick“ betrachtest und eine Fee würde dir 3 Wünsche erfüllen, was wären dann deine Wünsche?

1. einen 100%igen Farbleger,
2. einen Torwart, der alles hält und
3. einen Spieler mit Torgarantie. 😉

Hahaha …, aber mal im Ernst:
Speziell auf meinen Verein, Schlachtenbummler Bochum, gemünzt, bin ich (fast) wunschlos glücklich. Wir haben zwei tolle Teams im Westen an den Start gebracht und spielen derzeit in Verbands- und Regionalliga jeweils um den Aufstieg mit. Intern läuft alles sehr harmonisch ab, auf menschlicher Ebene lässt unser Verein keine Wünsche offen und wir versuchen derzeit die Weichen für die mittelfristige Zukunft zu stellen.

Langfristig wäre es sicherlich wünschenswert den Weg in die 1. Bundesliga zu beschreiten – wenn man einen Sport ausübt, möchte man dies natürlich am liebsten auch in der höchsten Spielklasse tun – auch wenn es bis dahin noch ein harter Weg sein wird.
Dem Tipp-Kick-Sport allgemein wünsche ich viel talentierten Nachwuchs, wobei dieser Wunsch ja zum Teil schon in Erfüllung gegangen ist und ich hoffe, dass dieser Trend fortbesteht.
Als drittes wünsche ich allen Mitspielern, Gleichgesinnten und Leidensgenossen, dass sie den Spaß an unserem Hobby nicht verlieren und weiterhin viele spannende, aber vor allem faire Spiele bestreiten dürfen!

Auf das diese Wünsche in Erfüllung gehen und vielen Dank, Schmiddi, für das Interview!
Sehr gern geschehen und vielen Dank für die kreativen Fragen! 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit DTKV-Präsident Peter Funke

Hallo Peter, schön von Dir zu hören. Auch wenn das neue Jahr schon einige Tage alt ist, würde ich mich freuen, wenn du das alte Jahre 2016 als DTKV-Präsidiumsvorsitzender noch einmal rückwirkend betrachtest. Wie ist Deine Bilanz, positiv wie negativ?

Gefreut hat mich, daß der Spielbetrieb gut funktioniert hat und wir trotz aller Rückgänge bei den Mitgliederzahlen einen zuverlässigen Stamm an engagierten „Machern“ haben, die überhaupt erst ermöglichen, daß die Turniere und Mannschaftsspiele stattfinden können!
Hier an dieser Stelle dafür ein ausdrückliches Danke! Es hat auch 2016 viele Presseartikel und Medienpräsenz über uns gegeben. Dies auch dank der vielen unermüdlichen Kontakte zur Presse durch die Vereine vor Ort. Sehr schön ist auch, daß die DTKV-Infoseiten mit interessantem Inhalt präsentiert werden. Das ist ein lebendiges Organ mit vielen schönen Ideen und sieht sehr gut aus. Ein dickes Kompliment an alle, die dabei mitwirken.

Einzelne herauszuheben birgt immer die Gefahr, andere zu wenig zu würdigen. Ich möchte dennoch die Headbangers Balingen hervorheben. Sie sind nicht nur fleißige Turnierbesucher, sondern mittlerweile auch selbst prima Turnierorganisatoren. Auch in Gevelsberg ist viel gutes im Entstehen (wobei ich mir hier wünsche, daß manch Unstimmigkeit im nachbarschaftlichen Bereich vielleicht beigelegt wird). Da kommen wir direkt zu den Baustellen: Nicht so gut waren die persönlichen Konflikte im Spielerbereich. Das ist vielleicht auch ein Stück weit der Fluch der Dreier-Spieltage. Man fährt irgendwohin, spielt Tipp-Kick und fährt wieder heim. Persönliches kommt zu kurz. Vielleicht resultiert daraus auch die zunehmende Distanz untereinander. Daß man sich unterschiedlich mag ist völlig normal. Aber ein Umgang innerhalb der festgelegten Grenzen („Anstand“) muß möglich sein.

Persönlich hat mich der Gewinn der deutschen Einzelmeisterschaft durch Michael Kaus gefreut. Er hat damit seine außergewöhnliche Karriere gekrönt. Auch daß viele verschiedene Gewinner in den Siegerlisten 2016 zu finden sind (darunter einige Erstsieger) ist etwas erfreuliches.

 

Kannst Du dem Leser einmal deine Arbeit als DTKV-Präsidiumsvorsitzender etwas genauer beschreiben? Wieviel Zeit kostet so ein Ehrenamt monatlich?

Nach außen bin ich für die Öffentlichkeitsarbeit der Ansprechpartner. Da könnte übrigens gerne mehr kommen. Das erfordert auch meist nicht allzuviel Zeitaufwand. Ich habe Kontakt zur Firma Mieg (sehr wichtig aus meiner Sicht ist) und zu anderen Verbänden (Tischfußball z.B.). Diese Zeit rechne ich gar nicht, weil es auch insbesondere mit Mathias und Jochen Mieg ein sehr angenehmer Umgang ist.

Intern wird allerlei an Problemen an mich herangetragen. Persönliche Vorfälle, Terminstreitigkeiten, finanzielle Themen. Da gehen manchmal schon mehrere Stunden mit Telefonaten und/oder persönlichen Gesprächen dahin. Da einiges auch bei Turnieren oder Ligaspielen stattfindet, läßt sich der Nettozeitaufwand schwer beziffern. Es ist aber meist in überschaubarer Dimension. Hinzu kommt der Bundestag einmal im Jahr und die Vorbereitung dafür, wobei hier die Präsidiumskollegen wirklich sehr unterstützen!

 

Gibt es auch schwierige Entscheidungen bzw. unangenehme Aufgaben?

Wenn zwischenmenschliche Probleme vorliegen, also insbesondere unangemessene Verhaltensweisen, ist das „Sanktionieren“ solcher Vorfälle nicht angenehm. Zumal selten echte Einsicht in ein Fehlverhalten zu finden ist. Meist ist immer irgendwer schuld, aber selten der Verursacher selbst.

Auch wenn Vereine sich nicht auf Termine einigen können und ich dann als Beschwerdeinstanz eingreifen soll, empfinde ich das als meist vermeidbare Scharmützel – im Normalfall geht doch bei vorhandenem Willen immer etwas. Ich habe auch einmal nach Mitternacht ein Pokalspiel gespielt – weil es halt anders nur mit riesigem Aufwand gegangen wäre. Und keiner hat darüber gemeckert.

 

Es gibt auch vereinzelte, kritische Stimmen gegenüber dem DTKV, die insbesondere in den neuen Medien wie facebook geäußert werden. Wie gehst Du damit um?

Wenn alle alles gut fänden, wäre das schon verdächtig. Kritik ist gut und für eine positive Entwicklung notwendig! Manche Kritik beruht aber auf einer persönlichen Einzelfallerfahrung und wird dann schnell zu einer Grundsatzkritik.

Ideal ist, wenn bei Kritiken konkret ein Problem benannt wird und zumindest eine Chance besteht, damit etwas anzufangen. Das Problem muß auch in sich lösbar sein. Aussagen wie „Der DTKV ist wie Entenhausen“ fördern die sachlichen Diskussionen nicht und haben letztlich als Resultat, daß gar nicht mehr geantwortet wird.

 

Wie lange möchtest Du als DTKV-Präsidiumsvorsitzender noch dem Verband vorstehen? Hast Du da für dich eine klare zeitliche Vorstellung oder vielleicht sogar Ziele, die Du noch unbedingt erreichen möchtest?

Ich werde die lange Amtszeit von Sebastian Krapoth sicherlich nicht übertreffen. Viel hängt davon ab, ob die TK-Gemeinde mein „Wirken“ positiv bewertet. Sollte das nicht (mehr) der Fall sein, werde ich gehen. Mein zentrales Ziel ist ein Beitrag zum Erhalt der Tipp-Kick-Bewegung. Eine ganz und gar nicht einfache Herausforderung. Gedankenspielereien sind das Erweitern der bisherigen Palette an Wettbewerben. So was wie beim Tennis der Davis-Cup mit Doppelspielen (also zwei gegen zwei in einem Spiel) finde ich interessant. Auch vielleicht mal ein Mehrkampf mit weiteren Sportarten.

Ich bevorzuge auch die Konzentration der Ligenspiele auf wenige Wochenenden. Viele Spiele, weniger Fahrten und hoffentlich mehr gemütliche Abende mit Kennlernenffekt. Das wäre dann vergleichbar den Einzelturnieren.

 

„Quo vadis, Tipp-Kick?“, in vielen Interviews wird immer wieder diese Frage gestellt. Du bist seit Jahrzehnten dabei und ein Insider par excellence. Was ist Deine persönliche Einschätzung?

Die wohl schwierigste Problematik. Wenn die derzeit „alten“ Haudegen, die die Vereinsarbeit leisten, irgendwann das nicht mehr machen – inwieweit es da jeweils Ersatz geben wird, ist völlig offen. Beispiel sei Wasseralfingen. Da bedaure ich sehr, daß dort nicht mehr die ausreichende Zahl an Organisatoren aktiv ist.

Auch ob für Miegs das Tipp-Kick dauerhaft wirtschaftlichen Boden bildet, ist sehr offen. Meiner Einschätzung nach kann man wohl mit Tipp-Kick alleine als Hersteller nicht überleben.

Ein Lehrer, Fabio de Nicolo, hat gerade als Projekt eine Tipp-Kick AG an seiner Schule. Da bin ich sehr gespannt, ob das erfolgreich ist. Da wäre dann eine Chance, wenn man über die Schulen gehen könnte.

 

Es ist erstaunlich, dass der große Bruder „Fußball“ die ganze Welt in Atem hält. Und der kleine Bruder „Tipp-Kick“ überschreitet nur punktuell unsere Landesgrenzen. Lediglich in der Schweiz konnte sich ein Verband und mehrere Vereine bilden. Könnte hier nicht der DTKV mehr initiieren, wie z.B. offizielle Länderspiele – und wenn es in den Anfängen erst nur gegen die Schweiz gehen würde -, oder unsere Homepage mit englischen Unterseiten? Die Länderspiele könnte man dann publikums- und medienwirksam anpreisen.

An ein Länderspiel gegen die Schweiz habe ich auch schon gedacht. Zu Bedenken ist hier der finanzielle Aspekt. Wenn ein Spieler aus dem hohen Norden zu einem Länderspiel in Bern einzuladen ist, sind unsere finanziellen Möglichkeiten schnell an ihrer Grenze. Ich befürchte auch, daß das Presseecho eher verhalten wäre. Ich schließe das aus der Anziehungskraft anderer Sportarten. Da kommen halt ebenfalls fast nur Angehörige. Selbst bei hochklassigen Veranstaltungen.

Schuld daran ist sicher das Fernsehen. Weil dort konzentriert sehr viel Fußball kommt. Wir haben zwei Hauptprogramme im öffentlich rechtlichen Fernsehen und zahlreiche dritte Programme, dazu ZDF-Info, 3 Sat etc. Warum gibt es keinen Sportsender? 24 Stunden Sport. Und dann eben auch mehr als Fußball. Da wäre dann Platz für Badminton, Curling oder Tipp-Kick. Das würde viel bewegen. Diese 3 Minuten Beiträge in der Sportreportage sind zu wenig.

Unsere Infoseiten in anderen Sprachen – ich kann nicht beurteilen, ob das nachgefragt würde – es müsste dann aber auch jeweils mit mehr als mit Schulenglisch übersetzt werden.

 

Wenn ein Anfänger Dich fragen würde, was kann mir Tipp-Kick für das Leben geben, was würdest du ihm antworten?

Im Idealfall unendlich viel Spannung, Freude, Glücksmomente, ab und zu begleitet von Ärger und Enttäuschungen (das gehört halt dazu). Ich finde, daß Tipp-Kick sehr ehrlich ist – denn im Prinzip gewinnt meist der wirklich bessere (wie z.B. im Eishockey oder Badminton, aber nur bedingt im Fußball).

Man lernt Menschen fürs Leben kennen, kommt viel rum – und das alles mit recht wenig finanziellem Aufwand. Und es gibt zahlreiche Freundschaften, die dabei entstehen. Das dürfte mit das wertvollste dabei sein.

 

Wie lange spielst Du schon Tipp-Kick und was hält dich als Spieler dabei?

Ich habe im Juni 1975 mein erstes offizielles Turnier gespielt – eine Süddeutsche Meisterschaft mit 22 Teilnehmern und zwei Runden – eine am Samstag und eine am Sonntag – was für ein Kuriosum. Süddeutscher Meister wurde übrigens Rainer Schönlau, der immer noch spielt. Fast so lange wie Wilfried Mietke aus Berlin. Weit mehr als 50 Jahre spielt Wilfried aktiv Tipp-Kick – sensationell!

Mich fasziniert Tipp-Kick immer noch. Ich habe dabei so viel erlebt und das allermeiste war gut.

 

Vermißt Du eigentlich als Spieler die alten Zeiten?

Ich habe das Tipp-Kick-Spiel ohne Farblegen als lebendiger empfunden. Wenn es einer darauf anlegen würde, könnte er heutzutage bei Führung zur Halbzeit und eigenem Anstoß das Spiel in der zweiten Halbzeit so gestalten, daß der Gegner nicht ein einziges Mal an den Ball kommt (höchstens, wenn er die Abwehr wegnimmt …). Das wäre früher nicht möglich gewesen. Und dennoch hat früher auch schon meist der bessere gewonnen, weil der Glücksfaktor viel kleiner war als der Verlierende meist vermutet hat. Ich habe keine fünf Spiele erlebt, die vom Glücksfaktor Ball entschieden wurden.

Was ich heute sehr schätze ist die Anständigkeit. Nahezu alle Top-Spieler sind auch sehr fair. Da könnte sich ein Manuel Neuer vom FC Bayern eine dicke Scheibe abschneiden (was wäre der für ein Held, wenn der beim Spiel Deutschland gegen England 2010 zum Schiedsrichter gesagt hätte – Sie haben sich geirrt, der Ball war drin). Geht nicht, sowas? Warum? Weil es um Millionen geht? Ich sehe das anders.

Die Turniere laufen dank Peter Deckert und Artur Merke programmtechnisch perfekt (egal mit welchem Modus). Das verkürzt die Wartezeiten (Ich war bei der Deutschen Meisterschaft

1983 mit 280 Teilnehmern dabei – das war zum auslosen ohne Computer eine mühselige Aufgabe). Wenn in Frankfurt beim Tourfinale die Teilnehmer präsentiert werden – da kriege ich jedesmal Gänsehaut. Wenn in Berlin zu Ostern Jahr für Jahr drei Tage Tipp-Kick perfekt organisiert wird, wenn in Hirschlanden Andreas Sigle bei jedem Teilnehmer, der schon etwas länger spielt, weiß, gegen wen der 1987 zur Halbzeit irgendwo 2:0 geführt hat – da bin ich glücklich, ein kleines Rädchen in dieser Tipp-Kick-Welt 2017 zu sein.

 

Was wünschst Du Dir als DTKV-Präsidiumsvorsitzender für 2017 besonders?

Daß die Dinge, die 2016 gut waren, auch 2017 wieder funktionieren und daß es weniger Streitfälle gibt.

Persönlich würde ich auch mal total gerne bei „Wer wird Millionär?“ mitmachen. Da würde dann in der Vorstellung stehen: „Spielt leidenschaftlich Tipp-Kick“

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!