Interview mit Christoph Schmidt (Schlachtenbummler Bochum)

André Bialk interviewt Christoph Schmidt von den Schlachtenbummlern Bochum, der am 2. Januar als Kandidat bei der RTL-Sendung „Wer wird Millionär“ mit Günther Jauch auftrat.

Hallo Schmiddi,
schön von dir zu hören. Und, wie viele Gleitlagerspieler hast du in den letzten Wochen schon gekauft?
Hehe … tatsächlich habe ich zuletzt auf der NDEM mal wieder bei Bernd Weber zugeschlagen. Neben einem interessanten Neuzugang ging es allerdings mehr um Umbauten meiner „Altstars“, die ich über den Winter geplant hatte und nur auf Gelegenheit gewartet habe dies mit Bernd zu besprechen. Keine Angst, es kommt nicht zur Verknappung des Spielermarktes durch Bochumer Groß-Einkäufe, viel mehr geht es um strategische, qualitative Verbesserung des vorhandenen Spielermaterials.
Letzten Endes befindet sich meiner Meinung nach das wichtigste Spielermaterial oberhalb des Druckknopfes und besteht aus Fleisch und Blut. 😉

Plötzlich standest du durch deine Teilnahme bei „Wer wird Millionär“ im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Bei Facebook klatschen unzählige Frauen Beifall (siehe Facebook). Wie geht man mit so einer neuen Situation um? Kannst du diese neue Wirklichkeit schon realisieren?
Der erste Hype war schon echt enorm und ungewohnt, ließ aber so schnell wieder nach, wie er gekommen war. Nach 2-3 verrückten Wochen kehrte langsam wieder der Alltag bei mir ein. Ab und zu wird man zwar noch vereinzelt darauf angesprochen und um ein gemeinsames Selfie gebeten oder zum Bier eingeladen, aber das sind inzwischen glücklicherweise Ausnahmen. Auch wenn man solch einen Ausnahmezustand auf einer Seite genießt, bleibt es doch ungewohnt und teilweise auch ein wenig lästig.
Momentan hat sich aber alles wieder auf ein normales Maß eingepegelt. Von daher weiß ich „Normalität“ nun noch ein wenig mehr zu schätzen und zu genießen, z.B. beim Tipp-Kick, wo ich einfach der Schmiddi aus Bochum und nicht bloß „der tätowierte Dicke ausm TV“ bin. 😉
Wie man mit so einer Situation umgeht? Na ja, so wie man sonst auch damit umgeht… z.B. wenn sich jemand die Mühe macht mir zu schreiben, antworte ich auch, oder wenn mich jemand anquatscht, nehme ich mir die paar Minuten für ein bisschen Small Talk oder ein Foto. So hat man nach meiner Erfahrung am schnellsten wieder seine Ruhe. 😉
Ich muss allerdings sagen, dass fast alle Leute mit denen ich jetzt durch WWM Kontakt hatte, sehr vernünftig und verständnisvoll waren und es so glücklicherweise auch keine besonders aufdringlichen oder unangenehmen Situationen gab.
Daran, dass man öfters mal dieselbe Geschichte erzählen oder immer wieder dieselben Fragen beantworten soll, gewöhnt man sich mit der Zeit. Übrigens fällt dieses Interview in dieser Beziehung sehr angenehm aus dem Rahmen! 😉

Was hat sich geändert, positiv wie negativ?
Eigentlich hat sich nichts grundlegend in meinem Leben geändert.
Schön finde ich, wie viele Leute sich mit meinem Wunschtraum von der eigenen KiTa bzw. dem Bauernhof identifizieren können und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Leider fehlt für solch ein Projekt dann doch die finanzielle Grundlage, bzw. Unterstützung… da geht es um Millionenbeträge. Es gäbe zwar sicher Möglichkeiten und Konzepte solch ein Projekt in abgespeckter Form an den Start zu bringen und schrittweise zu erweitern, allerdings bin ich mit meinem bisherigen Leben und meinem Job bei der Bahn ja nicht unzufrieden und möchte es auch nicht unbedingt aufgeben, um etwas anderes zu machen.
Es handelt sich dabei ja mehr um einen Wunschtraum als ein geplantes Projekt meinerseits … was einem halt so in den Sinn kommt, wenn man gefragt wird, was man mal theoretisch mit einer Million anfangen würde.
Negative Veränderungen gab es aus meiner Sicht also keine, im Positiven aber auch allenfalls nur kleinere. Natürlich kann man sich nun den einen oder anderen Wunsch direkt erfüllen, ohne lange darauf sparen zu müssen, wie z.B. ein neues Handy oder Computer, das ist schon ganz nice. 🙂 Die eine oder andere Reise nach Skandinavien oder auf die britischen Inseln steht im Laufe der nächsten Zeit sicherlich auch noch an.Aber im Großen und Ganzen bleibt eigentlich alles beim Alten. Und das ist auch gut so! 😉

Auch die Tipp-Kick-Szene war schwer beeindruckt von Deinem Auftritt. Viele Tipp-Kicker drückten dir die Daumen. Gab es beim nächsten Training der Schlachtenbummler eine Flasche Schampus? Schließlich waren auch einige Vereinskameraden deine Telefonjoker!
In Bochum gibt’s „Fiege“, keinen Schampus! 🙂 Natürlich habe ich die Leute, die zum Gewinn beigetragen haben (ob als Joker, Begleitung oder sonstige Unterstützung) nicht vergessen und werde mich auf die eine oder andere Weise erkenntlich zeigen. Da habe ich mir aber individuell etwas Persönliches für jeden einfallen lassen. Im Falle meiner Joker aus Reihen der Schlachtenbummler ist ein gemeinsamer Stadionbesuch in der VIP-Loge für die kommende Saison geplant, soviel sei verraten. 😉

Immer in seinem Herzen: Die SchlaBos!

Du bist Fan des VFL Bochum. Hast du vom Verein eine Jahreskarte bekommen?
Leider nein. Aber bei meinem letzten Fanshop-Besuch hat mir die freundliche Verkäuferin verraten, dass man seitens des Vereins wohl etwas plant… bisher ist aber noch niemand offiziell an mich heran getreten. Ähnlich verlief es übrigens mit der Brauerei Moritz Fiege; nachdem sie durch mein großflächiges Rückentattoo, welches im TV zu sehen war, in diversen Interviews zum Gesprächsstoff wurde, nahm man via Facebook-Seite Kontakt auf und avisierte eine Brauerei-Besichtigung. Danach hat sich leider auch hier niemand mehr gemeldet.
Ich hätte mich in beiden Fällen zwar sehr über die Aufmerksamkeit gefreut, da es sich um Bochumer Unternehmen handelt, die einen festen Platz in meinem Leben haben und für die ich große Sympathien hege, andererseits möchte ich mir da auch gar keine Vorteile „erschleichen“ oder irgendwelchen Leuten hinterher laufen… so wichtig ist mir das nicht, aber es wäre halt schon schön gewesen. 😉

Der WWM-Ratestuhl hat es sogar als Tattoo auf Schmiddi’s Bein geschafft!

Viele Tipp-Kicker hätten sich gewünscht, dass du bei deiner Vorstellung in der Sendung auch unsere Randsportart präsentiert hättest. Mit einem Schlag hätten sich die Mitgliederzahlen vervielfachen können. Gab es überhaupt eine Chance für dich, Tipp-Kick ins Rampenlicht zu rücken?
Das war leider nicht ganz einfach. Ursprünglich hatte ich tatsächlich vor eine Tipp-Kick-Figur als Talisman mit ins Studio zu nehmen, allerdings machte mir mein Patenkind Nick einen Strich durch die Rechnung, in dem er mir eine seiner Holz-Lokomotiven als Glücksbringer für’s Fernsehen mitgab. Um dort nicht mit vollen Händen auf dem Stuhl zu sitzen, musste ich leider Prioritäten setzen.
So ließ sich das Gesprächsthema leider nicht auf unser Lieblings-Hobby lenken, auch wenn ich das grundsätzlich gern getan hätte. Mindestens genauso enttäuscht waren meine Freunde der Turbojugend Bochum, dass ich im TV nicht unsere Kutte trug, aber auch da gab es strikte Vorgaben seitens der Redaktion, auch technischer Art. Einerseits zwar schade, andererseits aber auch verständlich, da sich die Redaktion halt auch im Vorfeld Kandidaten ausgesucht hat, um die herum sie eine Geschichte aufbauen können und das war in meinem Falle nun mal der kinderfreundliche Eisenbahner.
Alle Facetten einer Persönlichkeit in einer solchen Situation zu erfassen ist aber wohl ohnehin unmöglich, von daher kann ich mit dem ausgestrahlten Fokus ganz gut leben. Es scheint ja auch ohne Tipp-Kick nicht das unsympathischste Bild von mir vermittelt zu haben… 😉

Wie gehen die Tipp-Kicker mit dem neuen „Schmiddi“ um? Gewinnst du mehr Spiele, weil der Gegner in Ehrfurcht erstarrt oder weil du lockerer aufspielen kannst?
Gott sei Dank gehen alle ganz normal mit mir um und über Sieg oder Niederlage entscheidet weiterhin, Trainingsfleiß, Spielpraxis und Tagesform. Also alles wie immer, der „neue Schmiddi“ ist ganz der Alte geblieben!
Ich habe mich ja persönlich nicht verändert (hoffe ich) und bin derselbe wie vor, während und nach der Show. Scherzhaft wird man auch mal als „Fernsehstar“ bezeichnet, oder nach Autogrammen gefragt, aber solche Promi-Behandlung ist natürlich Quatsch und ich gehe auch nicht weiter darauf ein. Ich sehe das eher so, dass mich jetzt ein paar Leute mehr kennen als vorher und wer mag, kann gern auch mal ein Foto mit mir machen… aber dann muss es auch gut sein.

Nicht zu vergessen: Schmiddi liebt Tipp-Kick. Im vergangenen Jahr hat er an 19 (!) DTKV Turnieren teilgenommen!

Auf der DTKV-Seite bist du im Autoren-Team gelistet und für Berichte aus der Westsektion zuständig, aber auch für „Denk-Anstöße“. Der letzte Artikel erschien 2015 und wir sind alle auf deine nächsten „Denk-Anstöße“ gespannt, wann wird hierzu ein Artikel erscheinen?
Den „Denk-Anstoß“ habe ich gemeinsam mit Max Gottschalk damals als Rubrik eingeführt und dort Themen aufgegriffen, die z.B. auf Facebook unter Tipp-Kickern sehr angeregt und bisweilen auch kontrovers diskutiert wurden. Für mich war dies ein Indikator dafür, dass ein offensichtlicher Gesprächsbedarf bestand und wollte die Möglichkeit nutzen, diese Thematik auch Aktiven, die nicht bei Facebook angemeldet sind näher zu bringen und so den Anstoß zu geben, sich darüber Gedanken zu machen. Die Rubrik war also nicht als regelmäßige Kolumne geplant, sondern eher spontan je nach Bedarf verfasst.
In letzter Zeit hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, dass ein bestimmtes Thema das Gros der Tipp-Kick-Szene besonders beschäftigt, somit sah ich auch keinen Ansatzpunkt für einen weiteren Artikel.
Falls jedoch Bedarf bestehen sollte oder mir ein bestimmtes Thema unter den Nägeln brennt, werde ich sicherlich auch mal wieder einen „Denk-Anstoß“ verfassen … ansonsten sehe ich das als „offene Rubrik“ in der sich gern auch andere Autoren austoben dürfen, wenn sie Ideen haben oder den Bedarf sehen etwas konkreter zu thematisieren und lade ausdrücklich jeden ein, der Zeit und Lust hat sich hier zu beteiligen. 😉
Für die Sektion West gilt übrigens selbiges, auch dort freue ich mich immer über Unterstützung und Mitstreiter, was z.B. Vorberichte etc. angeht!

Wenn du dein Hobby „Tipp-Kick“ betrachtest und eine Fee würde dir 3 Wünsche erfüllen, was wären dann deine Wünsche?
1. einen 100%igen Farbleger,
2. einen Torwart, der alles hält und
3. einen Spieler mit Torgarantie. 😉

Hahaha …, aber mal im Ernst:
Speziell auf meinen Verein, Schlachtenbummler Bochum, gemünzt, bin ich (fast) wunschlos glücklich. Wir haben zwei tolle Teams im Westen an den Start gebracht und spielen derzeit in Verbands- und Regionalliga jeweils um den Aufstieg mit. Intern läuft alles sehr harmonisch ab, auf menschlicher Ebene lässt unser Verein keine Wünsche offen und wir versuchen derzeit die Weichen für die mittelfristige Zukunft zu stellen.
Langfristig wäre es sicherlich wünschenswert den Weg in die 1. Bundesliga zu beschreiten – wenn man einen Sport ausübt, möchte man dies natürlich am liebsten auch in der höchsten Spielklasse tun – auch wenn es bis dahin noch ein harter Weg sein wird.
Dem Tipp-Kick-Sport allgemein wünsche ich viel talentierten Nachwuchs, wobei dieser Wunsch ja zum Teil schon in Erfüllung gegangen ist und ich hoffe, dass dieser Trend fortbesteht.
Als drittes wünsche ich allen Mitspielern, Gleichgesinnten und Leidensgenossen, dass sie den Spaß an unserem Hobby nicht verlieren und weiterhin viele spannende, aber vor allem faire Spiele bestreiten dürfen!

Auf das diese Wünsche in Erfüllung gehen und vielen Dank, Schmiddi, für das Interview!
Sehr gern geschehen und vielen Dank für die kreativen Fragen! 😉

 

Bilder: RTL, Archiv, Christoph Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit DTKV-Präsident Peter Funke

Hallo Peter, schön von Dir zu hören. Auch wenn das neue Jahr schon einige Tage alt ist, würde ich mich freuen, wenn du das alte Jahre 2016 als DTKV-Präsidiumsvorsitzender noch einmal rückwirkend betrachtest. Wie ist Deine Bilanz, positiv wie negativ?
Gefreut hat mich, dass der Spielbetrieb gut funktioniert hat und wir trotz aller Rückgänge bei den Mitgliederzahlen einen zuverlässigen Stamm an engagierten „Machern“ haben, die überhaupt erst ermöglichen, dass die Turniere und Mannschaftsspiele stattfinden können! Hier an dieser Stelle dafür ein ausdrückliches Danke!

Es hat auch 2016 viele Presseartikel und Medienpräsenz über uns gegeben. Dies auch dank der vielen unermüdlichen Kontakte zur Presse durch die Vereine vor Ort. Sehr schön ist auch, dass die DTKV-Infoseiten mit interessantem Inhalt präsentiert werden. Das ist ein lebendiges Organ mit vielen schönen Ideen und sieht sehr gut aus. Ein dickes Kompliment an alle, die dabei mitwirken.

Einzelne herauszuheben birgt immer die Gefahr, andere zu wenig zu würdigen. Ich möchte dennoch die Headbangers Balingen hervorheben. Sie sind nicht nur fleißige Turnierbesucher, sondern mittlerweile auch selbst prima Turnierorganisatoren. Auch in Gevelsberg ist viel Gutes im Entstehen (wobei ich mir hier wünsche, dass manch Unstimmigkeit im nachbarschaftlichen Bereich vielleicht beigelegt wird).

Da kommen wir direkt zu den Baustellen: Nicht so gut waren die persönlichen Konflikte im Spielerbereich. Das ist vielleicht auch ein Stück weit der Fluch der Dreier-Spieltage. Man fährt irgendwohin, spielt Tipp-Kick und fährt wieder heim. Persönliches kommt zu kurz. Vielleicht resultiert daraus auch die zunehmende Distanz untereinander. Dass man sich unterschiedlich mag, ist völlig normal. Aber ein Umgang innerhalb der festgelegten Grenzen („Anstand“) muss möglich sein.

Persönlich hat mich der Gewinn der deutschen Einzelmeisterschaft durch Michael Kaus gefreut. Er hat damit seine außergewöhnliche Karriere gekrönt. Auch dass viele verschiedene Gewinner in den Siegerlisten 2016 zu finden sind (darunter einige Erstsieger) ist etwas Erfreuliches.

 

Kannst Du dem Leser einmal deine Arbeit als DTKV-Präsidiumsvorsitzender etwas genauer beschreiben? Wieviel Zeit kostet so ein Ehrenamt monatlich?
Nach außen bin ich für die Öffentlichkeitsarbeit der Ansprechpartner. Da könnte übrigens gerne mehr kommen. Das erfordert auch meist nicht allzuviel Zeitaufwand. Ich habe Kontakt zur Firma Mieg (was sehr wichtig aus meiner Sicht ist) und zu anderen Verbänden (Tischfußball z.B.). Diese Zeit rechne ich gar nicht, weil es auch insbesondere mit Mathias und Jochen Mieg ein sehr angenehmer Umgang ist.

Intern wird allerlei an Problemen an mich herangetragen. Persönliche Vorfälle, Terminstreitigkeiten, finanzielle Themen. Da gehen manchmal schon mehrere Stunden mit Telefonaten und/oder persönlichen Gesprächen dahin. Da einiges auch bei Turnieren oder Ligaspielen stattfindet, läßt sich der Nettozeitaufwand schwer beziffern. Es ist aber meist in überschaubarer Dimension. Hinzu kommt der Bundestag einmal im Jahr und die Vorbereitung dafür, wobei hier die Präsidiumskollegen wirklich sehr unterstützen!

 

Gibt es auch schwierige Entscheidungen bzw. unangenehme Aufgaben?
Wenn zwischenmenschliche Probleme vorliegen, also insbesondere unangemessene Verhaltensweisen, ist das „Sanktionieren“ solcher Vorfälle nicht angenehm. Zumal selten echte Einsicht in ein Fehlverhalten zu finden ist. Meist ist immer irgendwer schuld, aber selten der Verursacher selbst.

Auch wenn Vereine sich nicht auf Termine einigen können und ich dann als Beschwerdeinstanz eingreifen soll, empfinde ich das als meist vermeidbare Scharmützel – im Normalfall geht doch bei vorhandenem Willen immer etwas. Ich habe auch einmal nach Mitternacht ein Pokalspiel gespielt – weil es halt anders nur mit riesigem Aufwand gegangen wäre. Und keiner hat darüber gemeckert.

 

Es gibt auch vereinzelte, kritische Stimmen gegenüber dem DTKV, die insbesondere in den neuen Medien wie facebook geäußert werden. Wie gehst Du damit um?
Wenn alle alles gut fänden, wäre das schon verdächtig. Kritik ist gut und für eine positive Entwicklung notwendig! Manche Kritik beruht aber auf einer persönlichen Einzelfallerfahrung und wird dann schnell zu einer Grundsatzkritik. Ideal ist, wenn bei Kritiken konkret ein Problem benannt wird und zumindest eine Chance besteht, damit etwas anzufangen. Das Problem muss auch in sich lösbar sein. Aussagen wie „Der DTKV ist wie Entenhausen“ fördern die sachlichen Diskussionen nicht und haben letztlich als Resultat, dass gar nicht mehr geantwortet wird.

 

Wie lange möchtest Du als DTKV-Präsidiumsvorsitzender noch dem Verband vorstehen? Hast Du da für dich eine klare zeitliche Vorstellung oder vielleicht sogar Ziele, die Du noch unbedingt erreichen möchtest?
Ich werde die lange Amtszeit von Sebastian Krapoth sicherlich nicht übertreffen. Viel hängt davon ab, ob die TK-Gemeinde mein „Wirken“ positiv bewertet. Sollte das nicht (mehr) der Fall sein, werde ich gehen. Mein zentrales Ziel ist ein Beitrag zum Erhalt der Tipp-Kick-Bewegung. Eine ganz und gar nicht einfache Herausforderung.

Gedankenspielereien sind das Erweitern der bisherigen Palette an Wettbewerben. So was wie beim Tennis der Davis-Cup mit Doppelspielen (also zwei gegen zwei in einem Spiel) finde ich interessant. Auch vielleicht mal ein Mehrkampf mit weiteren Sportarten.

Ich bevorzuge auch die Konzentration der Ligenspiele auf wenige Wochenenden. Viele Spiele, weniger Fahrten und hoffentlich mehr gemütliche Abende mit Kennlerneffekt. Das wäre dann vergleichbar mit den Einzelturnieren.

 

„Quo vadis, Tipp-Kick?“, in vielen Interviews wird immer wieder diese Frage gestellt. Du bist seit Jahrzehnten dabei und ein Insider par excellence. Was ist Deine persönliche Einschätzung?
Die wohl schwierigste Problematik. Wenn die derzeit „alten“ Haudegen, die die Vereinsarbeit leisten, irgendwann das nicht mehr machen – inwieweit es da jeweils Ersatz geben wird, ist völlig offen. Beispiel sei Wasseralfingen. Da bedaure ich sehr, dass dort nicht mehr die ausreichende Zahl an Organisatoren aktiv ist.

Auch ob für Miegs das Tipp-Kick dauerhaft wirtschaftlichen Boden bildet, ist sehr offen. Meiner Einschätzung nach kann man wohl mit Tipp-Kick alleine als Hersteller nicht überleben.

Ein Lehrer, Fabio de Nicolo, hat gerade als Projekt eine Tipp-Kick AG an seiner Schule. Da bin ich sehr gespannt, ob das erfolgreich ist. Da wäre dann eine Chance, wenn man über die Schulen gehen könnte.

 

Es ist erstaunlich, dass der große Bruder „Fußball“ die ganze Welt in Atem hält. Und der kleine Bruder „Tipp-Kick“ überschreitet nur punktuell unsere Landesgrenzen. Lediglich in der Schweiz konnte sich ein Verband und mehrere Vereine bilden. Könnte hier nicht der DTKV mehr initiieren, wie z.B. offizielle Länderspiele – und wenn es in den Anfängen erst nur gegen die Schweiz gehen würde -, oder unsere Homepage mit englischen Unterseiten? Die Länderspiele könnte man dann publikums- und medienwirksam anpreisen.
An ein Länderspiel gegen die Schweiz habe ich auch schon gedacht. Zu Bedenken ist hier der finanzielle Aspekt. Wenn ein Spieler aus dem hohen Norden zu einem Länderspiel in Bern einzuladen ist, sind unsere finanziellen Möglichkeiten schnell an ihrer Grenze. Ich befürchte auch, dass das Presseecho eher verhalten wäre. Ich schließe das aus der Anziehungskraft anderer Sportarten. Da kommen halt ebenfalls fast nur Angehörige, selbst bei hochklassigen Veranstaltungen.

Schuld daran ist sicher das Fernsehen, weil dort konzentriert sehr viel Fußball kommt. Wir haben zwei Hauptprogramme im öffentlich rechtlichen Fernsehen und zahlreiche dritte Programme, dazu ZDF-Info, 3 Sat etc. Warum gibt es keinen Sportsender? 24 Stunden Sport. Und dann eben auch mehr als Fußball. Da wäre dann Platz für Badminton, Curling oder Tipp-Kick. Das würde viel bewegen. Diese 3 Minuten Beiträge in der Sportreportage sind zu wenig.

Unsere Infoseiten in anderen Sprachen – ich kann nicht beurteilen, ob das nachgefragt würde – es müsste dann aber auch jeweils mit mehr als mit Schulenglisch übersetzt werden.

 

Wenn ein Anfänger Dich fragen würde, was kann mir Tipp-Kick für das Leben geben, was würdest du ihm antworten?
Im Idealfall unendlich viel Spannung, Freude, Glücksmomente, ab und zu begleitet von Ärger und Enttäuschungen (das gehört halt dazu). Ich finde, dass Tipp-Kick sehr ehrlich ist – denn im Prinzip gewinnt meist der wirklich bessere (wie z.B. im Eishockey oder Badminton, aber nur bedingt im Fußball).

Man lernt Menschen fürs Leben kennen, kommt viel rum – und das alles mit recht wenig finanziellem Aufwand. Und es gibt zahlreiche Freundschaften, die dabei entstehen. Das dürfte mit das wertvollste dabei sein.

 

Wie lange spielst Du schon Tipp-Kick und was hält dich als Spieler dabei?
Ich habe im Juni 1975 mein erstes offizielles Turnier gespielt – eine Süddeutsche Meisterschaft mit 22 Teilnehmern und zwei Runden – eine am Samstag und eine am Sonntag – was für ein Kuriosum. Süddeutscher Meister wurde übrigens Rainer Schönlau, der immer noch spielt. Fast so lange wie Wilfried Mietke aus Berlin. Weit mehr als 50 Jahre spielt Wilfried aktiv Tipp-Kick – sensationell!

Mich fasziniert Tipp-Kick immer noch. Ich habe dabei so viel erlebt und das allermeiste war gut.

 

Vermisst Du eigentlich als Spieler die alten Zeiten?
Ich habe das Tipp-Kick-Spiel ohne Farblegen als lebendiger empfunden. Wenn es einer darauf anlegen würde, könnte er heutzutage bei Führung zur Halbzeit und eigenem Anstoß das Spiel in der zweiten Halbzeit so gestalten, dass der Gegner nicht ein einziges Mal an den Ball kommt (höchstens, wenn er die Abwehr wegnimmt …). Das wäre früher nicht möglich gewesen. Und dennoch hat früher auch schon meist der bessere gewonnen, weil der Glücksfaktor viel kleiner war als der Verlierende meist vermutet hat. Ich habe keine fünf Spiele erlebt, die vom Glücksfaktor Ball entschieden wurden.

Was ich heute sehr schätze ist die Anständigkeit. Nahezu alle Top-Spieler sind auch sehr fair. Da könnte sich ein Manuel Neuer vom FC Bayern eine dicke Scheibe abschneiden (was wäre der für ein Held, wenn der beim Spiel Deutschland gegen England 2010 zum Schiedsrichter gesagt hätte – Sie haben sich geirrt, der Ball war drin). Geht nicht, sowas? Warum? Weil es um Millionen geht? Ich sehe das anders.

Die Turniere laufen dank Peter Deckert und Artur Merke programmtechnisch perfekt (egal mit welchem Modus). Das verkürzt die Wartezeiten (Ich war bei der Deutschen Meisterschaft 1983 mit 280 Teilnehmern dabei – das war zum Auslosen ohne Computer eine mühselige Aufgabe). Wenn in Frankfurt beim Tourfinale die Teilnehmer präsentiert werden – da kriege ich jedesmal Gänsehaut. Wenn in Berlin zu Ostern Jahr für Jahr drei Tage Tipp-Kick perfekt organisiert wird, wenn in Hirschlanden Andreas Sigle bei jedem Teilnehmer, der schon etwas länger spielt, weiß, gegen wen der 1987 zur Halbzeit irgendwo 2:0 geführt hat – da bin ich glücklich, ein kleines Rädchen in dieser Tipp-Kick-Welt 2017 zu sein.

 

Was wünschst Du Dir als DTKV-Präsidiumsvorsitzender für 2017 besonders?
Dass die Dinge, die 2016 gut waren, auch 2017 wieder funktionieren und dass es weniger Streitfälle gibt. Persönlich würde ich auch mal total gerne bei „Wer wird Millionär?“ mitmachen. Da würde dann in der Vorstellung stehen: „Spielt leidenschaftlich Tipp-Kick“

 

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

 

Die Stimmen zu den Mannschaftswettbewerben

Die Rundschau-Redaktion interviewte Benjamin Buza, einen der Garanten für den Frankfurter Doppelerfolg. Beni war erst zum Saisonanfang vom TKC ’71 Hirschlanden zum TKC Gallus Frankfurt gewechselt. Im Team mit Alex Beck, Frank Hampel, Michael Kaus sowie den Ersatzspielern Freddy Mozelewski und Stefan Heinze konnten die Frankfurter die Teamwettbewerbe aufgrund ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit dominieren. Zum vierten Mal trugen sich die Hessen in die Siegerlisten der Mannschaftsmeisterschaft, den Pokal gewannen sie einmal mehr.

Erstmals herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Doubles. Gleich die Frage aller Fragen: Welcher Titel fühlt sich besser an und ist mehr wert?
Vielen lieben Dank für die Glückwünsche. Na für mich hat der Meistertitel einen höheren Stellenwert, aber natürlich freue ich mich sehr über den Pokalsieg. Meister werden ist einfach geil. Ich habe bisher noch nie das Double geholt und freue mich sehr über unsere starke Saison mit einem noch stärkeren Abschluss.

Nun in der Frankfurter Vitrine: Der Henkelpott des Tipp-Kicks

Nun in der Frankfurter Vitrine: Der Henkelpott des Tipp-Kicks.


Wie habt ihr es geschafft, euch nach der Meisterschaft nochmals für den Pokal am Sonntag zu motivieren?
Frank Hampel hat über nichts anderes gesprochen als das Double. Er wollte unbedingt beide Titel nach Frankfurt holen. Das hat die ganze Mannschaft motiviert, auch für den Sonntag.

Wie habt ihr die Titel jeweils gefeiert? Habt ihr euch am Samstagabend gefeiert oder euch wieder direkt auf den Pokal fokussiert?
Also mir war klar, dass wir nach dem Sieg der Meisterschaft feiern werden. Das hatten wir dann auch gemacht. Ich denke aber, dass es im Rahmen geblieben ist, so dass wir am Sonntag relativ fit waren. Außerdem haben wir im Hotel ein ausgiebiges Frühstück zu uns genommen und uns so auf den Pokal eingeschworen. Wir wussten ja auch, wer auf uns wartet.

Im Finale der deutschen Meisterschaft ging es gegen deinen Ex-Verein Hirschlanden, bei dem du immer noch trainierst. War es ein komisches Gefühl, gegen die alten Weggefährten zu spielen und wirst du auch in Zukunft im Training willkommen sein?
Es war überhaupt kein komisches Gefühl, da ich ja schon früher mit Hirschlanden II gegen die Jungs spielen musste. Außerdem spielt man ja auf Turnieren auch gegeneinander. Mir war es sogar sehr recht, gegen meine Hirschlandener zu spielen, da mir die Jungs besser liegen als die Berliner. Ich hoffe sehr, dass ich noch ins Training darf 🙂 Ich werde einfach mal hingehen und schauen, was passieren wird 🙂

Ihr wart nach der Vorrunde in der Meisterschaft ungeschlagen auf Platz 1 und großer Favorit. Seid ihr mit dem Druck ins Rennen gegangen, gewinnen zu müssen oder hat euch das gestärkt?
Ich denke, ein gewisser Druck ist immer da in einem Play-Off. Wir vier Jungs waren alle bis in die Haarspitzen motiviert, diesen Titel zu holen. Uns hat es gestärkt, wie man auch an den Ergebnissen sehen konnte. Das Halbfinale war eine Demonstration, wir wollten unbedingt zeigen, dass das 16:16 im Ligaspiel ein Ausrutscher war. Dies hat uns zusätzlich motiviert.

Werdet ihr im nächsten Jahr mit gleichem Kader versuchen, das Double zu verteidigen?
Davon gehe ich aus 🙂

In den letzten Jahren hast du die Kurve von einem guten Bundesligaspieler zu einem der weltbesten Kicker gekriegt. Welche Ziele hast du nach den vielen Erfolgen noch im Einzel und mit der Mannschaft?
Im Einzel würde ich gerne noch einmal Deutscher Meister werden. Das wäre der Hammer. Mit der Mannschaft will ich noch sehr oft die Meisterschaft gewinnen, aber das primäre Ziel für die nächste Saison ist die Titelverteidigung, bestehend aus Meisterschaft und Pokal. Das hat nur Lübeck geschafft und das auch nur einmal. Es wäre toll, mit dem bestem Team aller Zeiten in dieser Kategorie gleich zu ziehen.

Was sagst du zum Rahmen der Veranstaltung? Sollte der Pokal auch in Zukunft in Kombination mit den Play-Offs ausgespielt werden?
Ein ganz klares JA. Schon allein die Zuschauerbeteiligung bei den Meisterschaftsplay-Offs ist wirklich geil. Nicht zu vergessen, was man sich dadurch an Zeit und Geld spart.

Die Aktiven freuten sich über die vielen Zuschauer bei der Veranstaltung

Die Aktiven freuten sich über die vielen Zuschauer bei der Veranstaltung.

 

 

Statement des Veranstalters TKC 86 Gevelsberg

„Als Veranstalter waren wir mit dem Event zufrieden. Wegen der Doppelbelastungen der letzten und auch kommenden Wochen waren wir sicher nicht die frischesten, aber letztlich haben alle ihren Job gut gemacht. Aus sportlicher Sicht war es für unsere Teams sehr schwer positive Akzente zu setzen, da beide 86er Teams krasse Außenseiter waren. Was mir besonders gut gefallen hat, war der Ehrgeiz, den unsere Jugendspieler an den Tag gelegt haben. Insgesamt sind wir in Gevelsberg auf einem mehr als erfolgreichen Weg, den wir selbstverständlich auch weitergehen.“

Siggi Gies (TKC 86 Gevelsberg)

Weitere Stimmen zur Veranstaltung

„Gute Doppelveranstaltung, die am Ende einen verdienten Double-Sieger hat!“

„Gelungene Veranstaltung, nette und freundliche Bedienung. Veranstalter gab sich sehr große Mühe. Essen sehr gut, aber für das Wetter zu deftig (sehr heißer Tag).“

„Statement zur Pokal-Vorrunde: Die Hammergruppe „B“ mit 2 Bundesligisten und 2 Spitzenmannschaften der 2. Bundesliga Nord-Ost brachte hochdramatische Spiele. Im ersten Durchgang gewann Celtic souverän gegen Kiel, während Drispenstedt eine klare 14:6 Führung gegen Waltrop nicht ins Ziel retten konnte und noch 14:18 verlor. Im 2. Durchgang gewannen die Waltroper souverän gegen Kiel und glaubten sich mit 4:0 Punkten schon qualifiziert zu haben, als auf den parallelen Platten Drispenstedt sensationell die Celticer von Berlin überrannten. Alleine A. Bialk und D. Bialk holten zusammen 12 von 16 möglichen Punkten, während alle 4 Celticer ingesamt nur 12 Spielpunkte zu Stande brachten. Im letzten Durchgang war allen Beteiligten klar, dass das Spielpunktverhältnis entscheiden könnte. Und so kam es. Drispenstedt war schnell auf Siegkurs gegen Kiel, ebenso Celtic gegen Waltrop. Am Ende lagen überraschend die Drispenstedter mit 55 Spielpunkten vor Celtic, die 54 Punkte erzielten. Waltrop lag mit 50 Punkten knapp dahinter und musste überraschend die Segel bereits in der Vorrunde streichen.“

„Tag 1: schlechte Organisation mit 2 Stunden Startverschiebung. Tag 2 schon viel besser“

„Gelungenes Wochenende mit viel Spaß und spannenden Spielen“

„Neben den Frankfurter muss man vor allem die Teams aus Jerze hervorheben, die beide aus den Turnieren das Maximale rausgeholt haben.“

 

 

 

Bilder: Michal Zaczek

Kai Schäfer: „31 Jahre für den ersten großen Titel“

1984 gründete Kai Schäfer mit zwei Freunden den TKV Grönwohld und ist seither die große Konstante des Vereins. Am vorigen Wochenende gewann er mit seinem Team die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und den DTKV-Pokal.

Hallo Kai, herzlichen Glückwunsch zum Double-Gewinn! Lass uns mal kurz in dein Seelenleben blicken. Was bedeutet dir dieser Titel?
Ich hätte bis vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass wir als Team einmal so weit kommen können. Insofern herrscht bei mir im Moment eine ganz große Freude über das Erreichte und natürlich auch ein wenig Stolz auf die in der Saison und den Playoffs gezeigte Leistung vor. Als ich 1984 mit Tipp-Kick anfing, waren Drispenstedt und Rehberge Berlin die dominierenden Mannschaften, zu denen man aufgeschaut hat. Bald schon darauf begann die „Ära Lübeck“ und ich fand es schon überragend, dass wir 2000 in die Bundesliga aufsteigen konnten und uns nach einigen Auf- und Abstiegen in den letzten Jahren sogar ein bisschen etabliert haben. Nach der ersten Playoff-Teilnahme 2012 hatte ich dann allerdings schon etwas Blut geleckt und wollte mehr, zumal wir sehr knapp gescheitert waren. Im Jahr darauf langte es auch mit der Besetzung Koch, Zaczek, Mozelewski und Schäfer gegen Frankfurt wieder nicht zum Finale. 2014 waren wir dann schon einen Schritt weiter und konnten ins Finale einziehen, in dem wir gegen die SG ’94 Hannover sehr knapp mit 15:17 verloren haben. Nach einer sehr guten Bundesligasaison hatte ich bei den Playoffs ein sehr schlechtes Wochenende erwischt und war mit meiner Leistung im Finale gegen die Hannoveraner überhaupt nicht zufrieden. Das sollte noch besser gehen. Insofern bin ich froh, dass ich in diesem Jahr gegen Berlin und insbesondere im Finale gegen Frankfurt ein lockeres Händchen hatte – hier und da auch das nötige Quäntchen Glück – und meinen Teil zum Titelgewinn beitragen konnte.

Kai Schäfer eingerahmt von Marc Koschenz, Fabio de Nicolo, Michael Hampel und Michal Zaczek (v.l.)

Kai Schäfer eingerahmt von Marc Koschenz, Fabio de Nicolo, Michael Hümpel und Michal Zaczek (v.l.)

Ihr wusstet bis zum Samstagmorgen nicht, welcher Club im Halbfinale der Meisterschaftsplayoffs gegen euch spielen würde. In wiefern hat euch diese „ungewisse“ Ausgangslage im Vorfeld beschäftigt?
Mich persönlich hat das gar nicht beschäftigt, da es eine große Ehre ist, überhaupt an den Playoffs teilnehmen zu dürfen. Bei uns wurde es am letzten Spieltag ja auch nochmal richtig spannend mit der Qualifikation. Ich war mir ziemlich sicher, auf Celtic zu treffen, was mir auch ganz recht war, da ich gegen die Berliner zwei Wochen vorher gut gespielt und gepunktet hatte. Die Meinung in der Mannschaft zum „Lieblingsgegner“ war aber geteilt, wobei sich aber alle nicht allzu sehr damit beschäftigt haben. Es kommt halt, wie es kommt.

Du warst am Sonntag privat verhindert, hast den „Schäfchen“ aber auch noch den DTKV-Pokal einfahren lassen. Konntest du beim Sieg trotzdem mitfiebern?
Ich konnte nicht dabei sein, weil meine Frau Geburtstag hatte und weil das Reinfeiern schon den Meisterschaftsplayoffs zum Opfer fiel, war der Kompromiss, dass ich mich Samstagabend nach dem Finale auf den Heimweg mache. Beim Pokal war ich durch Christan Thieke über Facebook und unsere „Play-Off Berlin 2015“-WhatsApp-Gruppe ständig auf dem Laufenden. Nicht spielen zu können und in der Ferne auf die Ergebnisse zu warten, ist nervenaufreibender als selbst an der Platte zu stehen. Mit Hümpi hatte ich aber einen mehr als gleichwertigen Ersatz. Haben die Jungs gut gemacht!

Für Kai Schäfer im DTKV-Pokal eingesetzt: Michael Hampel (l.)

Für Kai Schäfer in den DTKV-Pokal-Playoffs eingesetzt: Michael Hümpel (l.)

Durch deine vorzeitige Abfahrt konntest du wahrscheinlich noch nicht wirklich mit deinen Jungs feiern!? Wird nochmal ordentlich auf den Putz gehauen?
Nach dem Endspiel gab es vor Ort noch zwei Bierchen, unzählige Glückwünsche und viele nette Gespräche, bevor ich mich auf den Weg gemacht habe. Eine große Sause hat es bei den anderen aber ja auch nicht gegeben, weil am nächsten Tag ja noch der Pokal anstand. Unser Marc hat da rechtzeitig zum Zapfenstreich geblasen. Wir werden wohl am 25. Juli die große Double-Feier starten, zu der wir auch ein paar alte Weggefährten der letzten Jahre einladen werden. Die Planungen laufen gerade.

Michal Zaczek, Michael Hümpel und du seid die alt eingesessenen Grönwohlder und seid auch durch eine längere Zeit als Fahrstuhlmannschaft zwischen 1. und 2. Bundesliga gegangen. Habt ihr vor ein paar Jahren noch an den Titel geglaubt?
Wir wussten schon immer, dass wir an einem guten Tag jede andere Mannschaft sehr in Bedrängnis und vielleicht sogar schlagen können. Dafür mussten alle aber ihr bestes Tipp-Kick abrufen. Daran hat es aber dann immer gemangelt. Meistens waren ein oder zwei Spieler dabei, die unter dem Schnitt waren und da wir nie einen absoluten Top-Mann in unseren Reihen hatten, der das auffangen konnte, blieb es bestenfalls meist bei einem Mittelfeldplatz in der Liga. Das hat sich in unserer ersten Saison mit Freddy Mozelewski geändert. Mit ihm, Hacky Jüttner, Michal Zaczek und mir waren wir gleich vier Akteure, die als Mannschaft sehr gut aufgetreten sind, ausgeglichen bis positiv gepunktet haben und auch mal einen schwachen Tag eines einzelnen Spielers ausgleichen konnten. Michael Hümpel und Tobi Stock konnten als weitere Teammitglieder bei ihren Einsätzen auch überzeugen. Diese Geschlossenheit sollte uns ab diesem Zeitpunkt, egal in welcher Besetzung, auch auszeichnen. Ab dieser Saison vor vier Jahren habe ich dann auch geglaubt, dass es mal mit dem Titel klappen kann, wenn alles zusammenpasst. Die Zielsetzung vor jeder Saison ist allerdings immer erst der Klassenerhalt und das wird auch im nächsten Jahr so sein. Erst die Punkte sammeln, um in der Bundesliga zu bleiben und dann kann man eventuell weiterplanen. Alles andere wäre bei dieser ausgeglichenen Liga zu arrogant und mit einer zu optimistischen Zielsetzung kann man sich auch schnell in Tabellenregionen wiederfinden, die man meiden wollte. In diesem Punkt sind wir uns alle im Team auch absolut einig.

Welchen Anteil haben die beiden Lecker Jungs, Fabio de Nicolo und Marc Koschenz, an den Titeln?
Mit Fabio und Marc haben wir natürlich enorm an Spielstärke gewonnen, aber in der Mannschaft haben sie am Erfolg einen Anteil von je 25 Prozent, so wie jeder andere auch. Jeder auf seine Art ist mit seinem Charakter und seiner Spielweise wichtig im Team. Mit Fabio haben wir einen emotionalen Leader bekommen, der nach fünf Playoff-Halbfinalpleiten mit Leck die Drucksituationen kennt und die Mannschaft auch mal zusammentrommelt, um Ansagen zu machen. Darin ist er einzigartig. Über seine spielerischen Fähigkeiten und seine derzeitige Form muss man als Nummer 1 in der Rangliste wohl auch kein Wort verlieren.
Marc ist dagegen unser Iceman, der Mann ohne Nerven. Er ist bestimmt einer der talentiertesten und besten Spieler Deutschlands und ist damit unser Mann für die entscheidenden Spiele in der letzten Runde. Kaum auszudenken, was mit mehr Training und häufigeren Turnierteilnahmen beim ihm noch möglich wäre.
Aber auch Michal Zaczek hat einen ebenso großen Anteil am Erfolg. Er spielt technisch auf einem hohen Niveau und bringt die gewisse Lockerheit mit, ist aber in den entscheidenden Momenten auch sehr konzentriert und fokussiert. Im Gegensatz zu Marc oder mir kann er auch sehr extroviert und laut an der Platte sein. Sonst würde man ja auch nur Fabio bei unseren Clubkämpfen hören…

Wie beurteilst du eigentlich nach dem Titelgewinn und mit ein bisschen Abstand eure Zeit als „SG Grönwohld/Lübeck“?
Zunächst einmal war es für mich eine Ehre, mit Normann Koch in einer Mannschaft gespielt zu haben, auch wenn es nur für ein Jahr war. Die SG hätte vielleicht noch länger Bestand gehabt, wenn Oliver Schell und Normann nicht zu Hannover gewechselt wären. Mit den anderen beiden Lübeckern, Dirk Kallies und Sebastian Winckelmann, war die SG nicht fortzuführen, weil Dirk seinen endgültigen Rückzug vom Tipp-Kick schon kurz nach der Gründung angekündigt hatte und Sebastian ohnehin nur im Notfall aushelfen wollte. Im Nachhinein betrachtet war es eine schöne Saison, aber zu kurz um richtig zusammenzuwachsen.

Artikel Kai Schäfer DMM Zunge

Möchtest du noch etwas loswerden? Der Meister hat das Wort.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die uns die Daumen gedrückt haben und von denen ich ganz, ganz viele liebe Glückwünsche erhalten habe. Insbesondere freue ich mich auch sehr, dass viele mir persönlich den Titel nach so vielen Jahren, in denen ich nun dabei bin, gegönnt haben. Toll fand ich auch die Unterstützung von vielen Nichtvereinsmitgliedern neben der Platte, wie von Marcus Socha, der bei den Playoffs zwischen den Spielen immer positive Worte gefunden hat.
Sehr schön ist nach wie vor die Fairness in der Bundesliga. Es ist zwar immer wieder hart, die Clubkämpfe zu bestreiten und es kostet immer sehr viel Energie, aber es bringt nach wie vor immer noch sehr viel Spaß gegen ebenso positiv Verrückte zu spielen.
Und an den Nachwuchs: Immer dabei bleiben und Spaß haben, auch wenn der schnelle Erfolg ausbleibt oder es auch mal einen Rückschritt gibt. Der alte Mann aus Grönwohld musste auch erst 31 Jahre spielen, um den ersten großen Titel zu gewinnen.

Deutscher Meister Philipp Baadte: „Die Gier nach Erfolgen ist jetzt umso größer“

Philipp Baadte hat eine sehr emotionale Woche hinter sich. Am vergangenen Sonntag trat er überraschend aus dem Schatten der Top-Favoriten hervor und wurde Deutscher Einzelmeister im Tipp-Kick. Mit dem Finalsieg gegen Fabio de Nicolo vom TKV Grönwohld ist er der erste Spieler seit 2004, der beim Titelgewinn unter dreißig Jahre alt war. Die Rundschau lud zum Meisterinterview mit Deutschlands Bestem.

Hallo Philipp, nochmal herzlichen Glückwunsch zum Meistertitel! Hast du ihn schon gebührend feiern können?
Vielen Dank! Am Montag gab es direkt eine Meisterfeier mit der Familie und am Mittwoch ging es im Clubraum rund. Natürlich habe ich dort die Kicker wieder in die Hand genommen. Jeder wollte ein Spiel gegen den neuen Deutschen Einzelmeister machen. Leider musste ich auch meine erste Niederlage nach dem Turnier einstecken.

Nach dem Endspiel hast du gesagt, dass du deinen Erfolg noch gar nicht realisieren kannst. Wie sieht es mittlerweile aus?
Es geht. Ein ungewohntes Gefühl, aber ich habe ja noch ein Jahr Zeit, das alles richtig zu begreifen.

Hast du dich auf das Wochenende in irgendeiner Art und Weise besonders vorbereitet oder eingestellt?








Eigentlich nicht. In der Woche vor einem solchen Turnierwochenende kicken mein Bruder und ich an einem Abend zusammen. Wir üben noch ein paar Schüsse, damit wir mit einem guten Gefühl anreisen können.

Artikel Deutsche Einzelmeisterschaft 2015 Endspiel

Philipp Baadte im Endspiel gegen Fabio de Nicolo

Was ist dir vom Finale besonders im Kopf geblieben?
Ehrlich gesagt nicht so viel, was echt schade ist. Ich war so im Tunnel, dass nicht viel hängengeblieben ist. Meine letzte Aktion habe ich aber klar in Erinnerung: Ich schieße einen Eckball über das Tor und der Ball fällt auf den Boden. Fabio macht noch einen langen Abstoß in Richtung Mittelkreis, ich stelle den Kicker zur kurzen Deckung und gerade als er schießen will, kommt die Schlusssirene, die direkt von lautem Jubel um mich herum übertönt wird.

Erinnerst du dich gar nicht an die drei Tore?

Leider nicht. Ich weiß nur, dass mein Gegentor direkt nach zehn Sekunden gefallen ist. Ein Farbfehler von mir beim Anstoß und dann ein Innenristdreher von Fabio!?

Es war ein Aufsetzer bei kurzer Deckung. Deine beiden Toren waren „Bretter“ in die kurze Ecke. Nach 1:50 waren bereits alle Tore gefallen.
Okay, krass. Dass es ein Doppelschlag war, weiß ich noch. Ich muss mir unbedingt mal das Video vom Finale angucken. Vieles ist nur ganz vage im Kopf. Wie auch immer: Der Plan, den ich in der zweiten Halbzeit verfolgt hatte, ist in den letzten zwei bis drei Minuten super aufgegangen.

Der war wie?







Aus jeder Position alles direkt zu schießen, um ja keinen Ball mehr ins Feld prallen zu lassen. Es sollte nichts mehr Unkontrolliertes passieren. Ich war innerlich auf einmal sehr nervös und konnte kaum noch Farbe legen. Das wichtigste war, keinen Konter mehr zu riskieren.

Du hattest in der letzten Minute zwei Mal die Möglichkeit, Fabios Spieler aus nächster Nähe anzuschießen, hast dich aber für Dreher entschieden, die beide im Toraus landeten. Fabio kam dadurch in Ballbesitz. Hättest du dich bei einem späten Gegentor nicht wahnsinnig über diese Aktionen geärgert?







Definitiv nicht. Wie gesagt, ich wollte kein Risiko eingehen, weil mir das Farbelegen nicht mehr so leicht fiel. In der letzten Minute habe ich angefangen, mir Gedanken zu machen, was gleich passiert, wenn der Schlusspfiff kommt. Ich hatte ein super Gefühl für die Abwehr und versucht, jeden eigenen Schuss so gefährlich wie möglich auf das Tor zu bringen. Bei einem Gegentor hätte es Verlängerung gegeben, also auf jeden Fall schon mal keine Niederlage. Natürlich kann das auch ins Auge gehen. Fabio wurde aber auch immer nervöser und seine Aktionen hektischer.

Wie war dein Grundgefühl zum Beginn der Playoffs?
In der Vorrunde habe ich schon echt gute Spiele gezeigt, vor allem gegen Jens König. Spätestens nach dem zweiten Platz im Schweizer System war mir klar, dass ganz viel möglich ist. Marcus Socha, auf den ich im Viertelfinale getroffen bin, liegt mir von der Spielweise, was mein gutes Gefühl noch zusätzlich bestärkt hat. Während den Partien hatte ich außerdem das Gefühl, dass sich in der Halle alles auf Mathias Hahnel gegen Vincent Höhn konzentrierte. Sie waren in letzter Zeit deutlich besser drauf als ich und hatten für Furore gesorgt.

Wäre etwas anders gelaufen, wenn auf dir ein größerer Fokus gelegen hätte?
Eigentlich nicht. Die Konzentration lag komplett beim Spiel, von den Zuschauern habe ich nicht so viel wahrgenommen. Im Halbfinale war ich gegen Beni Buza, der den Meister – Hattrick vollbringen wollte, schon Außenseiter. Die Partie in der Vorrunde ging aber klar an mich, was mich an die Finalteilnahme glauben ließ. Zufall oder nicht: Mein letztes Spiel im Schweizer System hatte ich gegen Fabio. Dies konnte ich ebenfalls gewinnen und mir noch in Erinnerung rufen, wie ich meine Taktik für das Finale zu wählen hatte.

Artikel Deutsche Einzelmeisterschaft 2015 Siegerjubel

Zwei ganz starke Kaiserslauterer: Mathias Hahnel (l.) beglückwünscht Philipp Baadte

Ein reines Kaiserslauterer Finale wäre für euren Club ein weiteres Highlight bei diesem ohnehin schon erfolgreichsten Turnier der Vereinsgeschichte gewesen. Wie wäre dein Gefühl gegen Mathias Hahnel gewesen?
Vergleichsweise schlecht. „Matze“ hat von den letzten 15 Monats-Clubmeisterschaften zwölf Mal gewonnen, ich dagegen keine. Ich denke, das sagt schon alles. Intern ist er die unangefochtene Nummer Eins.

Als Deutscher Einzelmeister hast du das erreicht, was für viele ein Karriereziel darstellt. Was ist von dir in Zukunft zu erwarten?
Es ist echt super, dass ich direkt den wichtigsten Titel der Tour geholt habe. Ich musste Markus Meyer nach dem Erfolg sogar versprechen nicht aufzuhören. Aber für mich ist klar: Es fehlen noch vier Sektions- und der Mannschaftstitel. Mit mir wird auch in Zukunft bei großen und kleinen Turnieren zu rechnen sein.

Ich persönlich freue mich sehr, dass sich ein Spieler aus der „neuen“ Tipp-Kick-Generation durchsetzen konnte. Denkst du, dass dein Sieg ein Startschuss für weitere große Titel aus dem Kreis der Youngsters war?
Es können ja auch nicht immer die Gleichen oder Alten gewinnen. Es waren in der Vergangenheit schon etliche junge Spieler nah dran, einen großen Titel zu holen. Vielleicht braucht es in solchen Momenten einfach auch die Erfahrung, die wir jüngeren noch nicht haben. Leider lässt sich dies von außen schlecht bewerten. Ich gehe aber stark davon aus, dass sich sogar noch mindestens ein weiterer junger Spieler in diesem Jahr in die HALL OF FAME eintragen wird.

Was bedeutet dir dieser Titel?
Für mich ist ein sehr großer Traum in Erfüllung gegangen. Seit meiner ersten Deutschen Einzelmeisterschaft 2006 in Kaiserslautern war es mein Ziel, auch einmal dieses Finale spielen zu können. Damals standen sich Normann Koch und Oliver Schell gegenüber, die mich persönlich sehr beeindruckt hatten.
Planen kann man so einen Titel natürlich nicht, weil die Leistungsdichte im Teilnehmerfeld so groß ist. Nach so einem langen Wochenende gibt in meinen Augen die Tagesform den Ausschlag. Es gehört deshalb auch Glück dazu, überhaupt mal diese zehn Minuten spielen zu dürfen. Durch den Erfolg ist meine Gier nach Titeln jetzt umso größer. Ungeduld wird bei mir aber jetzt nicht aufkommen.

 

Fotos: Jan Komareck

Benjamin Buza: „Der Hattrick wäre der Hammer!“

Am Samstag startet die 50. Deutsche Einzelmeisterschaft in Bornheim bei Köln. Benjamin Buza vom TKC 71 Hirschlanden konnte die letzten beiden Ausgaben der „DEM“ gewinnen und ist auch in diesem Jahr der Top-Favorit auf den Sieg. Der Schwabe spricht mit der Rundschau über Enttäuschungen auf dem Weg zum ersehnten Titel, seine sportliche Entwicklung und den Favoritenkreis der DEM 2015.

„Zehn Minuten Hölle“, das waren deine Worte unmittelbar vor deinem dritten Finale 2013 in Hildesheim. Du hattest 1994 und 2011 bereits zwei Endspiele um die Deutsche Einzelmeisterschaft verloren. Was ging bei dir im Kopf vor, so wenige Sekunden vor dem Finale gegen Frank Hampel?
Das war auch die Hölle. Ich habe nur gehofft, dass ich es nicht wieder vergeige. Kurz vor dem Anpfiff hatte ich aber ein sehr gutes Gefühl. Ich habe an meine Tochter gedacht, was mich wahnsinnig beruhigt und gleichzeitig motiviert hat.

Was wäre passiert, wenn du dieses Finale wieder nicht gewonnen hättest?
Keine Ahnung, ich bin einfach nur saufroh, dass ich es geschafft habe. Nach meiner Endspielniederlage 2011 hatte ich mir kurz überlegt, aufzuhören. Dann dachte ich mir, dass ich jetzt erst recht nochmal angreifen muss. Alexander Beck hat mir damals mental geholfen, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Man hat das Gefühl, der Titel 2013 hat etwas bei dir freigesetzt. Bist du entspannter und eventuell auch reifer geworden?
Der große Druck ist endlich von mir abgefallen. Ich habe den größten Titel gewonnen, den es in unserem Sport zu gewinnen gibt. Sogar zweimal. Dass ich den Titel in Hirschlanden verteidigen konnte, war für mich sehr emotional, vor allem weil ich 2011 das Finale „Daheim“ verloren hatte.
Natürlich macht mich auch meine Familie gelassener. Im Tipp-Kick hat sich seit 2007 alles zum Positiven gewendet, als ich mich mit Sascha Bareis, Florian und Sebastian Wagner zu einer Mannschaft zusammengetan habe. Der 15-Jährige „Flo“ hat mir damals gezeigt, wie ich die Abwehr stellen muss, um die nötige Stabilität zu haben. Mit diesem Team wurde ich insgesamt wesentlich ruhiger und dann kamen langsam auch die Erfolge, die mich sicherer werden ließen.

Was hat dazu beigetragen, dass du deine ersten beiden Finals 1994 und 2011 nicht gewinnen konntest?
Normann Koch und Jens König waren besser, ganz einfach.

Artikel 50. DEM Benjamin Buza Tattoo

Tipp-Kicker durch Mark und Bein: Benjamin Buza

Deine Meistertitel hast du dir samt Tipp-Kick-Männchen auf den Oberarm tätowieren lassen. Waren sie die Initialzündung für das Tattoo und was willst du damit ausdrücken?
Die Initialzündung kam durch den Sieg bei der Deutschen Einzelmeisterschaft 2013. Ich wollte mir ein Tipp-Kick-Motiv tätowieren lassen und meine Frau hat mich auf die Idee mit dem Tipp-Kick-Männchen gebracht. Sie wollte es zwar nicht so groß, aber ich denke es passt perfekt. Es soll jeder sehen, wie sehr ich diesen Sport liebe.

Seitdem du ein Kind warst, spielst du aktiv Tipp-Kick. Welche Rolle spielt dieses Spiel und das dazugehörige Umfeld in deinem Leben?
Es spielt eine sehr große Rolle. Seitdem ich zwölf Jahre alt war, also seit 29 Jahren, spiele ich Tipp-Kick. Es gehört zu meinem Leben und ist ein sehr schöner Ausgleich in meiner Freizeit. Ich freue mich immer wieder auf den Wettkampf und vor allem auf die tollen Jungs mit Gesprächen rund um Tipp-Kick.

In der Tipp-Kick-Szene wird ein Nachwuchsproblem beklagt. Wie ist deine Position zu diesem Thema? Siehst du aktuell junge Spieler, die für dich bald für einen großen Titel in Frage kommen oder über deren Entwicklung du dich besonders gefreut hast?
Es ist schwierig, junge Leute für Tipp-Kick zu begeistern. Das Spiel stellt zu Fußball, Basketball, Tennis oder Computer keine Konkurrenz dar. Aber immer mal wieder kommen neue Spieler dazu. Der nächste junge Spieler, der ein großes Turnier gewinnen wird, könnte Jonathan Weber sein. Christian Kuch und Max Daub traue ich auch sehr viel zu. „Dr.“ Vincent Höhn und die beiden Berliner Jungs, Patrick Malessa und Max Gottschalk, sind auf einem verdammt guten Weg. Wir in Hirschlanden haben auch wieder ein Juwel: Florian Stähle, gerade mal 14 Jahre jung. Da geht was!

Was glaubst du, wer Deutscher Einzelmeister 2015 wird und wie schätzt du deine eigenen Chancen ein?
Zu den Favoriten gehören für mich die Frankfurter Jungs, Fabio de Nicolo, Jens König und Christian Kuch. Ich denke, ich gehöre auch dazu. Den Hattrick zu holen, wäre natürlich der Hammer! Einen Überraschungsfinalisten kann es dieses Mal aber auch geben.

Artikel 50. DEM Benjamin Buza BPM Finale

Bei der Berliner Pokalmeisterschaft 2015 holte Buza seinen letzten Titel. Hier im Finale gegen Rainer Schlotz.

Du bist mehrfacher Einzelmeister, Mannschaftsmeister und DTKV-Pokalsieger. Welche Ziele setzt du dir noch und was denkst du, wie lange du noch Tipp-Kick spielst?
Zur Zeit bin ich echt „heiß“ auf Tipp-Kick und will noch viele Titel gewinnen, sei es im Einzel oder mit der Mannschaft. Ich bin total motiviert und spiele, solange es mir Spaß macht. Und das kann noch ganz schön lange so weitergehen.

Hast du im Kreis der Aktiven noch irgendwelche Vorbilder oder Spieler, deren Stil dir imponiert?
Vorbilder habe ich keine. Jeder Spieler ist individuell und von jedem kann man sich etwas abschauen.

Was erhoffst du dir vom Jubiläum der Deutschen Einzelmeisterschaft? 
Ich hoffe, dass die Veranstalter der Deutschen Einzelmeisterschaft dieses Mal bessere Platten zur Verfügung stellen, als bei der letzten Westdeutschen Einzelmeisterschaft. Die waren sehr schlecht.

Magst du sonst noch etwas loswerden?
Ein großer Dank gilt dir, Max, für die Wiederbelebung der Tipp-Kick-Rundschau und der neuen Homepage des Deutschen Tipp-Kick-Verbandes. Weltklasse!

 

Informationen und Anmeldung zur Deutschen Einzelmeisterschaft am 9. und 10. Mai 2015 unter sturmdrang.de.

 

Fotos: Jens Käthner, Jürgen Prem, Max Gottschalk

Michael Link: „An einem guten Tag muss alles laufen, nur dann ist der Klassenerhalt möglich“

„Betzenberg goes Bundesliga!“ Der 1. FC Kaiserslautern muss sich für diese Schlagzeile noch ein wenig ins Zeug legen, die Tipp-Kicker vom 1. TKC `86 Kaiserslautern sind den Fußballern dagegen schon einen Schritt voraus: Durch die Niederlagen des TKC Preußen Waltrop II gegen die SG Karlsruhe/Mayence und den PWR `78 Wasseralfingen konnten sich die Pfälzer die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Süd/West sichern. Das Rundschau-Team führte ein Interview mit Clubchef Michael Link.

Hallo Michael, ohne selbst an der Platte gestanden zu haben, ist euer direkter Wiederaufstieg perfekt. Herzlichen Glückwunsch von unserer Seite. Wie fühlt ihr euch mit der Gewissheit, im nächsten Jahr in der Bundesliga zu spielen?
Natürlich war der direkte Wiederaufstieg unser Ziel, aber dass die Meisterschaft quasi vom Sofa aus errungen wurde, empfand ich persönlich als etwas störend. Die Emotionen, für die wir Lauterer bekannt sind, blieben dementsprechend etwas auf der Strecke. Henning Horn hielt uns über das Geschehen in Waltrop auf dem Laufenden und als alle Ergebnisse feststanden, konnten wir den Aufstieg gar nicht realisieren. Über unsere Whatsapp-Gruppe meinte Harald Geier, dass jetzt nur noch acht Spielpunkte zum Aufstieg fehlen würden. Daraufhin habe ich noch mal nachgerechnet und erkannt, dass wir sogar uneinholbar Meister sind. Das war schon komisch, aber ein Weizen wurde schon geöffnet. Insbesondere für Mathias Hahnel und Philipp Baadte ist es gut, sich wieder mit den Besten messen zu können, da beiden absolutes Bundesliganiveau haben. Ich persönlich treffe auch gerne auf die Teams der 2. Bundesliga Süd/West.

Am letzten Spieltag tretet ihr in Hirschlanden gegen deren dritte Mannschaft und den OTC `90 Amberg an. Beide Teams befinden sich noch im Abstiegskampf. Wie geht ihr mit der Konstellationnach nach dem bereits feststehenden Aufstieg mit um? Werdet ihr mit der Bestbesetzung anreisen und alles abrufen?
Wir werden auch hier hundert Prozent geben. Einziger und ich denke auch positiver Unterschied ist, dass wir dies ohne Druck tun können. Vor der Saison gehörte Amberg zu meinen Geheimfavoriten. Wenn sie in Bestbesetzung antreten, wird es schwer sie zu schlagen und hier liegt für mich auch der besonderer Reiz. Hirschlanden hat eine erfahrene Truppe und mit Rainer Schlotz den vielleicht besten Einzelspieler der Liga. Wir wollen beide Spiele gewinnen und versuchen in Bestbesetzung anzutreten, allerdings erwartet meine Frau Mitte bis Ende Juli unser drittes Kind. Ich muss ihr Befinden abwarten, ansonsten wäre Markus Meyer sicher ein adäquater Ersatz für mich.

Dem letzten Bundesliga-Abenteuer folgte der direkte Wiederabstieg. Was spricht in der Saison 2015/2016 dafür, dass ihr den Klassenerhalt packt?
Das ist schwer zu sagen, gerade weil ich nicht so unbedingt davon überzeugt bin. Klar, Mathias und Philipp sind richtig stark und haben Erstliganiveaua, aber bei den restlichen Spielern unseres Clubs suche ich diese Spielstärke jedoch vergebens. Markus Meyer, Sebastian Baadte, Sascha Fohlmeister und auch ich können in der 2. Bundesliga Süd/West gute Ergebnisse erzielen, für ganz oben fehlt aber die Konstanz. Gegen die richtigen Gegner muss an einem guten Tag alles laufen, nur dann ist der Klassenerhalt möglich. Ich persönlich hätte gerne Vincent Höhn bei uns in der ersten Mannschaft gesehen. Höhn, Hahnel, Baadte – das wäre schon eine Bank gewesen. Natürlich freut es mich auch, dass die „Brucker“ wieder eine Mannschaft stellen werden.

Dich hat man im letzten Jahr nur sehr selten auf Einzelturnieren gesehen. Steigt deine Motivation durch den Aufstieg wieder, ein Turnier zu besuchen?
Nein. Leider muss ich diese Frage so klar beantworten. Meine letzten Turnierteilnahmen oder das, was ich da erleben musste, haben mir etwas die Lust genommen. Wenn man ein klares Tor erzielt, der Gegner schon Anstoß machen möchte, weil er es die Situation genauso gesehen hat, aber plötzlich die Entscheidung des Schiris, der auf „Kein Tor“ entscheidet, annimmt, finde ich das traurig. Bei meinen letzten beiden Turnieren habe ich genau solche Erfahrungen machen müssen. In einem der beiden Fälle bestätigte mir der Gegner sogar nach dem Spiel, dass ich Recht hatte. Er wollte das Schiriurteil aber so stehen lassen, weil er sich im Verlauf des Turnieres auch schon zu Unrecht behandelt gefühlt hätte. Das brauche ich echt nicht mehr. Bei der Deutschen Einzelmeisterschaft in Bornheim versuche ich aber teilzunehmen, weil man dort viele nette Bekannte trifft. Das „neben der Platte“ steht aber hier für mich im Vordergrund.

Wisst ihr schon, ob ihr die kommende Saison mit unverändertem Kader  bestreiten werdet?
Wir haben intern noch nicht darüber gesprochen, deshalb kann und möchte ich mich hier noch nicht dazu äußern

Ihr seid in dieser Saison mit drei Mannschaften im Ligabetrieb an den Start gegangen. Erzähl doch mal, wie ihr es schafft, Nachwuchs anzuwerben und diesen auch langfristig bei der Stange zu halten?
Seit dem Bestehen des Clubs nehmen wir am Sommerferienprogramm der Stadt Kaiserslautern teil. In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren konnten so unter anderem Horst Fohlmeister, Christoph Haag, die Hahnel-Brüder und ich für Tipp-Kick begeistert werden. Zuletzt engagierten sich insbesondere Philipp Baadte und Markus Meyer in der Nachmittagsbetreuung in einer Ganztagsschule. Hier konnten wir Tipp-Kick quasi als Unterrichtsfach einführen, um es den Schülern schmackhaft zu machen und unser Talent Justin Rennings entdecken. Aktuell bietet Harald Geier Tipp-Kick als Erzieher in einer Hortgruppe für Kinder und Jugendliche an. Vereinsintern unternehmen wir viel, um den Nachwuchs bei Laune zu halten. Es gibt Jugendmeisterschaften und ein spezielles Jugendtraining, um sie auch für externe Turniere zu begeistern. Viele Kosten werden hier von Sponsoren übernommen.

Der 1. FC Kaiserslautern steht momentan auf dem 2. Rang im Fußball-Unterhaus. Wird es Ende Mai eine gemeinsame Aufstiegsparty geben, bei der ihr den Betzenberg zum Beben bringen werdet?
Ich gehe stark davon aus, dass der FCK diese Saison aufsteigt, aber irgendwie bin ich aus dem Partyalter raus. Sicherlich werden wir im Juli oder August eine schöne Grillparty mit dem 1. TKC Kaiserslautern veranstalten, doch beben wird da nichts.

 

Fotos: tippkick-kl.de

TKC Phoenix Herne: Jens Schüring gründet neuen Club

Hoffnung in der Sektion West! Nachdem in den letzten Wochen zwei Mannschaften aus der Verbandsliga West vom Spielbetrieb zurückgezogen wurden (tippkick-liga.de berichtete), gibt es für die nächste Saison die erste positive Nachricht zum Erhalt der Liga. Die Tipp-Kick-Rundschau führte ein Interview mit Jens Schüring vom TKC Preußen Waltrop, dem Initiator und Mitbegründer des TKC Phoenix Herne.

Hallo Jens, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Bitte stelle dich denjenigen, die dich gar nicht oder nur flüchtig kennen, mal kurz vor.
Hallo, das mache ich doch gerne. Ich bin 38 Jahre alt, wohne, lebe und arbeite in Herne, wo ich als Vermessungstechniker bei der Stadt im Außendienst tätig bin. Im Dezember 2008 bin ich durch Zufall beim Tipp-Kick gelandet. In meinem Fußballverein haben wir ein Tipp-Kick-Turnier veranstaltet, bei dem ich Vierter wurde. Mein Ego hat das so herausgefordert, dass ich mich auf das nächste Turnier gewissenhaft beim TKC Preußen Waltrop vorbereitet habe. Mit Erfolg, denn ich konnte das nächste Turnier gewinnen. Tipp-Kick hat mir dann soviel Spaß gemacht, dass ich dabeigeblieben bin und meine aktive Fußballkarriere beendet habe.

In der kommenden Saison gehst du mit einem von dir mitbegründeten Club in der Sektion West an den Start, dem TKC Phoenix Herne. Was war für dich die Motivation, einen neuen Club zu gründen?
Die Gedanken einen Herner Tipp-Kick-Club zu gründen, begleiten mich ehrlich gesagt vom ersten Tag an. Ich bin sehr heimatverbunden und wollte immer für einen Club aus Herne spielen. Das Sportjugendhaus, das unser Spielort sein wird, habe ich sogar schon als Kind besucht.

TKC Phoenix Herne

Das Vereinslogo des neuesten Tipp-Kick-Clubs im DTKV

Kannst du uns etwas mehr über den TKC Phoenix Herne verraten? Wie wird die Mannschaft in der kommenden Saison aussehen?
Von ehemaligen Waltropern und vereinslosen Spieler bis hinzu absoluten Neulingen ist alles dabei. Mit an Bord sind Michael Guhl, Klaus Horstkotte, Frank Straubel, Marcel Koch, Maurice Bludau und ich. Weitere könnten folgen, da ist aber noch nichts spruchreif.

Frank Straubel? Das überrascht viele aufgrund seines Wohnsitzes in Schweden mit Sicherheit sehr.
Frank war einer der Ersten, die unseren Verein unterstützen wollten. Ich bin mit ihm schon länger befreundet und wenn wir Spiele haben, wird er bei mir wohnen. Er ist ein extrem sympathischer Kerl und wird ein toller Repräsentant unseres Vereins. Sein kleines Tipp-Kick-Projekt mit den TKF Swedish Devils ist leider gescheitert. Dass er für uns nicht jedes Spiel bestreiten kann, liegt auf der Hand, aber er wird definitiv seine Einsätze bekommen. Es ist toll, dass es jetzt Direktflüge von Ystaad nach Düsseldorf gibt und ihm der Weg nach Herne leichter gemacht wird.

In dieser bzw. letzter Saison gab es einige Rückzüge in der Sektion West. Mit den Ostwestfalen Magic, Omega Dortmund und dem TKC ´92 Sprockhövel meldeten sich gleich drei Urgesteine der Sektion West ab. Zudem zog die zweite Mannschaft der Essener Löwen rund um die alten Hasen Martin Ziegelmann und Jörg Rohrlack zurück. Die Borussia aus Schwerte stand kurz vor der Abmeldung und auch bei einigen anderen Vereinen ist es fraglich, ob in der kommenden Saison eine oder mehrere Mannschaften gestellt werden können. Wie beurteilst du diese Situation? Wo liegen deiner Meinung nach die Gründe für den massiven Rückgang im Westen?
Es ist sehr schwierig, das aus der Ferne zu beurteilen und es steht mir eigentlich auch nicht zu. Ich finde es persönlich sehr schade, dass der Tipp-Kick-Sport einige Typen verliert. Ich glaube, dass wir alle sehr viel investieren müssen, um neue Mitglieder zu finden, aber auch um die alten Mitglieder zu halten. Dazu gehört ein gesundes und ausgeglichenes Vereinsleben, was in erster Linie auf Tipp-Kick basiert ist, aber auch noch weitere Highlights parat hält. Man muss sich wie in einer intakten Familie fühlen, und jeder muss etwas zum „Familienleben“ beitragen. Das ist unser Konzept. Vermutlich schmunzeln jetzt einige Bundesligaspieler, die 300 Kilometer auseinander entfernt wohnen, aber deren Ansatz ist eben der Spitzen- und unserer der Breitensport.

Welche Ziele steckt ihr euch für eure erste Saison mit dem TKC Phoenix Herne?
Wir wollen uns erst mal etablieren und Spaß am Tipp-Kick haben. Außerdem sollen unsere neuen Spieler viele Einsatzzeiten bekommen – da ist das Ergebnis erstmal zweitrangig. Ein Ziel von uns ist es, in der nächsten Saison zwei Turniere auszurichten und Leute für Tipp-Kick zu begeistern.

Die Neugründung des TKC Phoenix Herne bedeutet für dich auch den Abschied vom TKC Preußen Waltrop. Mit der zweiten Mannschaft wart ihr das absolute Überraschungsteam der aktuellen Saison in der 2. Bundesliga Süd/West.
Ich hatte sechs wirklich schöne Jahre bei Waltrop mit der „Hammer-Saison“ in dieser Spielzeit, in der wir als Aufsteiger die Vizemeisterschaft in Liga 2 holen konnten. Ich gehe ganz sicher nicht im Unfrieden, nur ist dieser neue Verein für mich einfach etwas ganz besonderes. Ich bin schon jetzt so stolz auf das, was wir hier aufgebaut haben. Bei unserem ersten Mannschaftsspiel am 8. Mai wird das extrem emotional für mich.

Fotos: Jens Schüring, tkc-preussen-waltrop.jimdo.com/

Melanie Grämmel: „Frauen im Tipp-Kick? Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten“

Auf Turnieren und bei Ligaspielen treten auch Mädchen und Frauen an, hauptsächlich ist Tipp-Kick aber eine Männerdomäne. Melanie Grämmel aus Alfeld in Niedersachsen lässt sich davon nicht abschrecken und ist schon seit 2005 am Ball. Die 21-jährige, die für den TFB ’77 Drispenstedt antritt, gehört zu einem kleinen Kreis sehr ehrgeiziger Tipp-Kickerinnen in der aktiven Szene. Im Mai will sie in Bornheim bei Köln unbedingt Deutsche Damenmeisterin werden.

Hallo Melanie, was macht dir am Tipp-Kick so viel Spaß und wie bist du dazu gekommen?
Ich habe meinen Vater, der schon seit 1979 aktiv ist, gefragt, ob ich mal zum Tipp-Kick mitkommen kann. Ende 2005 habe ich dann beim TKV Jerze das erste Mal mittrainiert. Am Anfang war die Situation nicht so leicht für mich: Ich war zwölf Jahre alt, beinahe das einzige Mädchen und hatte keine Erfahrung an der Platte. Manchmal habe ich mich hinter meinem Vater versteckt, weil ich so schüchtern war. Aber ich bin bis heute ohne Unterbrechung dabeigeblieben, weil mir Tipp-Kick vom spielerischen Ablauf unglaublich viel Spaß macht. Ich habe Lust, immer weiter dazuzulernen und bin stolz darauf, ein Hobby zu haben, was nicht jeder hat. Ganz wichtig ist für mich auch das familiäre Miteinander. Das Gemeinschaftsgefühl beim Tipp-Kick, das man auch unter den einzelnen Vereinen spürt, ist wirklich toll und für viele ein entscheidender Beweggrund, immer wieder an Turnieren teilzunehmen.

Du bist häufig auf Turnieren unterwegs und eine von meist wenigen weiblichen Teilnehmern. Was erhoffst du dir für die weibliche Tipp-Kick-Szene?
Natürlich hoffe ich, dass mehr Frauen Interesse am Tipp-Kick finden. Mit der Zeit habe ich immer mal wieder Freundinnen zum Training mitgenommen. Von ihnen ist leider nur eine am Ball geblieben: Anna-Lena Neumann vom Delligser SC. Wir wenigen Frauen und Mädchen müssen unser Bestes tun, um auch andere zu überzeugen. Das gilt aber auch für alle Vereine, egal ob es dort bereits Damen gibt oder nicht.

Wie steht es um dein Verhältnis zu den meist männlichen Spielern? Fühlst du dich gut aufgehoben und wertgeschätzt?
Der Kontakt zu den männlichen Spielern ist echt gut. Natürlich gibt es hier und da mal jemanden, der einen Spruch reißt, aber da stehe ich drüber. Und wenn mir irgendetwas nicht passt, dann sage ich das auch. Ich fühle mich rundum akzeptiert und mir wird Respekt entgegengebracht. Richtig gut finde ich, dass mir Spieler aus anderen Vereinen Ratschläge geben und mich darauf hinweisen, was ich spielerisch besser machen kann. Ob Frau oder Mann, Mädchen oder Junge – mir bereitet es immer viel Freude, wenn ich sehe, dass ein guter Spieler, einem nicht so guten etwas erklärt.

Beschreibe mal den Kreis der Damen, die häufig auf Turnieren präsent sind und schätze sie ein.

Artikel Melanie Grämmel Koegel Greta

Tipp-Kick-Damen unter sich: v.l. Melanie Grämmel, Michaela Koegel und Greta Schotmann

Leider sind von den wenigen Frauen und Mädchen häufig nur vier regelmäßig bei Turnieren dabei. In erster Linie sind das Michaela Koegel von TK Rheinland United, Manuela Winter vom TKC Gevelsberg, die erst zwölfjährige Greta Schotmann vom Delligser SC und ich. Manuela, Michaela und ich sind meiner Meinung nach die spielstärksten, während Greta noch ein bisschen dazulernen muss.
Doch auch wenn wir nur so wenige sind, nehmen wir unseren Wettkampf genauso ernst wie die Männer. Leider gibt es bei den DTKV-Turnieren noch keinen einheitlichen Modus für uns Damen, genauso für den U18-Wettbewerb. Mal wird ein eigenes Turnier ausgespielt, dann gewinnt die Dame, die am weitesten kommt oder es wird ein Endspiel der beiden Bestplatzierten ausgetragen.

Du hast in der letzten Saison noch beim Delligser SC gespielt, einem Club, in dem überdurchschnittlich viele Mädchen und junge Frauen spielen. Warum gibt es in Delligsen so viele, obwohl es bei den meisten Clubs überhaupt keine gibt?
Beim Delligser SC sind einige Mädchen über ihre Väter zum Tipp-Kick gekommen, haben mittrainiert, Spaß gefunden und andere Freundinnen mitgebracht. Sie haben aber auch viel Werbung gemacht, Aktionen gestartet und viel daran gesetzt, ihre Mitglieder zu halten. Sina Weitze hat zum Beispiel mal ein Ferienpassturnier gewonnen und hat so auch ihren Vater, Christian Weitze, zum DSC gelockt.

Artikel Melanie Grämmel Defensive

Den Deutschen Meistertitel der Damen fest im Blick: Melanie Grämmel

Jedes Jahr wird am Wochenende der Deutschen Einzelmeisterschaft auch die Deutsche Damenmeisterschaft ausgerichtet. Wie wichtig ist dir dieses Event und welche Chancen rechnest du dir aus?
Dieses Turnier ist für mich sehr wichtig, weil ich es leider noch nie geschafft habe, Damenmeisterin zu werden. Ich trainiere momentan sehr viel und möchte den Titel in diesem Jahr auf jeden Fall gewinnen. Von allen Damen in Deutschland habe ich das wohl intensivste und beste Training, da einige meiner Teamkollegen in der 1. Bundesliga spielen. Sie geben sich echt viel Mühe und zeigen mir viel, wovon ich echt profitiere. Da ich mein Spiel gerade komplett umstelle, kann ich meine Chancen aktuell aber nur schwer einschätzen. Ich merke trotzdem, dass die Umstellung schon etwas gebracht hat. Ein spezielles Training für die DEM mache ich aber nicht, sondern übe Schusstechniken und Defensivverhalten gleichermaßen.

Welche Tipps gibst du unerfahrenen Tipp-Kickerinnen mit auf den Weg?
Sie sollen den Kopf nicht in den Sand stecken, wenn mal etwas nicht klappt. Training ist wichtig und ohne geht nichts. Lasst euch nicht unterkriegen! Es sind zwar nicht viele Frauen und Mädchen dabei, aber Tipp-Kick kann auch so sehr viel Spaß bereiten.
Die Turnierrangliste der Damen findest du unter artbot.de/dtkv.

 

Fotos: Jens Käthner, Michaela Koegel, Max Gottschalk