„Denk-Anstoß“: Fair geht vor!

An dieser Stelle möchte ich mich mal wieder zu Wort melden und eine Thematik, die ich vor kurzer Zeit im Internet aufgeschnappt habe, nochmals aufgreifen. Aus einer einfachen Regelfrage zum Thema Strafstoß, ergab sich auf Facebook eine rege Diskussion, in derem weiteren Verlauf es nicht mehr nur um die Auslegung und Anwendung der Regel an sich, sondern auch um Moral und Fair Play ging. „Darf“ ein Strafstoß, der zum Beispiel durch ein unbeabsichtigtes Handspiel verursacht wurde, aufs Tor geschossen werden oder sollte er – der ungeschriebenen Regel folgend – ins Aus geschossen werden?

Besonders von den erfahrenen Tipp-Kickern, die bereits über mehrere Jahrzehnte am Ball sind, ist immer wieder zu hören, dass es an der Platte inzwischen wesentlich fairer zugeht als zu deren Anfangszeiten. Wenn man den virtuellen Aussagen Glauben schenken mag, gibt es aber auch heute noch diverse Beispiele von Kaltschnäuzigkeit. Ob nun fair oder nicht, letzten Endes bewegen wir uns in der Thematik immer noch innerhalb der offiziell festgelegten Regeln und es muss jeder für sich selbst entscheiden, in wieweit er diese zu seinen Gunsten auslegt oder ob er darauf verzichtet und die „ungeschriebenen Regeln“ anerkennt. Um hier eine verbindliche und einheitliche Regelung zu finden, wurden bereits Stimmen nach entsprechenden Regeländerungen laut.

Artikel Zukunft Sternberg

Shakehands vor dem Spiel von Andreas Schrödter (l., Spandauer Filzteufel) und Karl-Heinz Sternberg (r., Germania 09 Neukölln)

Egal ob Strafstoß schießen oder ins Aus spielen – ich kann beide Positionen nachvollziehen und auch in gewisser Weise verstehen, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob weitere Regeln alles besser machen. Meiner Meinung nach sollte man viel mehr auf ein Umdenken innerhalb der Szene hinwirken und an die Einsicht und persönliche Reife der Spieler appellieren, anstatt ein recht einfaches und leichtverständliches Kinderspiel tot zu reglementieren. Das wäre sicherlich auch nicht im Interesse unseres Sports und schon gar nicht, um ihn einladend und attraktiv zu präsentieren.

Ich persönlich spiele Tipp-Kick vor allem weil es mir Spaß macht und erst in zweiter Linie um Erfolg haben. Natürlich möchte auch ich am liebsten jedes Spiel gewinnen, aber eben nicht um jeden Preis. Mir ist es viel wichtiger, meine eigenen Fehler zu minimieren und möglichst mein bestes Tipp-Kick zu spielen. Wenn das der Fall ist, bin ich unabhängig vom Spielausgang zufrieden. Zu gewinnen, weil ich den Gegner zu Fehlern gedrängt oder ausgetrickst habe, kann mir diese Befriedigung nicht annähernd verschaffen und ich bedauere ehrlich gesagt jeden, der es nötig hat, sich auf diese Art seine persönlichen Triumphe zu holen.

Bisher habe ich überwiegend gute Erfahrungen mit meinen Mitspielern sammeln dürfen und kann mich nicht erinnern, jemals einen Strafstoß aufs Tor geschossen oder geschossen bekommen zu haben. Im Gegenteil: Ich habe es oft erleben dürfen, dass Gegner mich Situationen wiederholen ließen, in denen ich unbeabsichtigt Foul gespielt habe. In anderen Partien wurde der Ball einfach ins Aus gespielt und es ging normal weiter. Als blutiger Anfänger fand ich das sehr beruhigend und es half mir, ins Spiel zu kommen und sicherer zu werden. Deshalb versuche ich die Erfahrungen, die ich gemacht habe, genauso an andere weiterzugeben und verzichte gerne auf die Auslegung der Regeln zugunsten des Spielspaßes.

Artikel Denk-Anstoß Fair geht vor Komareck de Nicolo

Mit- statt gegeneinander: Jan Komareck (l., Celtic Berlin) und Fabio de Nicolo (r., TKV Grönwohld)

Natürlich kann man niemandem verbieten, die Regeln auszuschöpfen, doch sollte man sich auf einen allgemein anerkannten Standard einigen, so dass wir alle unter gleichen Voraussetzungen an der Platte stehen und uns unnötigen Ärger ersparen. Letzten Endes hängt Fairness jedoch nicht nur von den Regeln ab, sondern von der grundsätzlichen Einstellung zum Spiel und dem Sportsgeist. Bei allem gesunden Ehrgeiz sollte man immer noch Mensch bleiben und das sollte man doch von überwiegend erwachsenen Spielern erwarten dürfen!?

Es ist schön, dass Fairness von vielen Tipp-Kickern vorgelebt wird und wir uns hier lediglich über wenige Ausnahmen „ärgern“ müssen. Ob die Unverbesserlichen durch eine Änderung der Spielregeln oder gar die Einführung einer Fair Play-Trophäe zum Umdenken zu bewegen sind, halte ich zwar für fragwürdig, fände es als deutliches Statement seitens des Verbandes jedoch durchaus überlegenswert.

Dem fairen Sportsmann bleibt ansonsten doch irgendwann der bittere Beigeschmack, „immer wieder nur der Dumme“ oder Benachteiligte zu sein und könnte ihn erwägen lassen, zukünftig selbst, „abgebrühter“ zur Sache zu gehen. Das würde ich nicht nur menschlich bedauern, sondern auch als Rückschritt für unseren Sport verstehen. Sind wir uns dem fairen Umgang miteinander noch ein bisschen bewusster, erhöht sich der Spielspaß bei allen Beteiligten ungemein und macht unseren Sport auch für Neulinge wesentlich attraktiver.

In diesem Sinne wünsche ich euch und mir selbst weiterhin gute Spiele, Fair Play und vor allem viel Spaß!

 

Fotos: Max Gottschalk, Jens Käthner