„Denk-Anstoß“: Schaffen wir dem DTKV eine Zukunft – zusammen!

Kinderspiel, Generationen verbindende Aktivität, Mannschaftssport und Einzelwettkampf – Tipp-Kick hat viele Facetten.

Für die Einen geht es um Ruhm, Ehre und Ranglistenpunkte, für die Anderen um Spaß am Spiel und kurzweiligen Zeitvertreib. So vielfältig wie das Spiel selbst, das ursprünglich für die Kinderzimmer konzipiert wurde und sich zielstrebig den Weg in den Hobbysportbereich und das Vereinsleben im deutschsprachigen Raum gebahnt hat, sind auch seine Spieler und ihre Ansprüche an das Spiel und den Deutschen Tipp-Kick-Verband.

Der Spielbetrieb, der sich seit den Dreißiger Jahren enorm professionalisiert hat und die Entwicklung innerhalb der Spielerszene, sind zur Zeit Inhalt zahlreicher Diskussionen – auf Turnieren, bei Liga-Spielen, vereinsintern sowie auch in den virtuellen sozialen Medien, wie beispielsweise Facebook. Themen wie das Vereinssterben, Jugendförderung sowie Spiel- und Turniermodi werden heiß diskutiert.

Ich nehme dabei freudig zur Kenntnis, wie lebhaft diese Diskussionen geführt werden und dass ein grundsätzliches Interesse am Sport sowie auch an Mitgestaltung auf recht breiter Ebene vorhanden ist. Das bei vielen verschiedenen Menschen auch viele verschiedene Ideen und Meinungen zusammenkommen, die sich teilweise auch mal widersprechen, ist doch ganz normal. Entscheidend ist, dass die Bereitschaft Probleme anzupacken da ist. Nun ist es wichtig das diese Impulse nicht in endlosen Diskussionen auf Facebook verhallen oder einmaliger Gesprächsstoff in einer Spielpause bleiben.

So schön und notwendig es auch sein mag, sich einfach mal auszutauschen, sollte man sich allerdings auch bewusst machen, was nötig ist, um Veränderungen zu bewirken.
Das fängt mit dem Verbesserungsvorschlag an. Wenn Kritik nicht konkret und konstruktiv geäußert wird, kann der Adressat damit oft nur wenig anfangen und es passiert leider gar nichts, obwohl die Idee hinter der Kritik vielleicht absolut berechtigt und wichtig ist. Nur dann, wenn man genau benennt, was nicht passt und optimalerweise sogar einen Vorschlag hat, wie es zukünftig besser laufen könnte, kann man gemeinsam an einer Lösung arbeiten.

Die Statuten des Verbandes sehen vor, dass Vorschläge zu Anträgen ausformuliert und auf den Regionalversammlungen eingereicht werden. Nach erfolgter Zustimmung werden diese dann von den Sektionsleitern im Bundestag bekanntgegeben und auf höchster Ebene erneut darüber abgestimmt. Auch wenn dieses Verfahren einen eher bürokratischen Charme hat, so hat es sich in der Vergangenheit bewährt.

Ausgehend von diesem Status Quo sollte sich jeder, der eine gute Idee hat, Kritik äußern möchte oder Vorschläge für Verbesserungen hat, nochmal bewusst machen, wie diese am schnellsten umzusetzen sind.

– Austausch mit anderen Tipp-Kickern, Sammeln von Ideen
– konkrete Vorschläge, bzw. konstruktive Kritik formulieren
– als Antrag bei der jeweiligen Regionalversammlung des DTKV einreichen

Sicherlich wird euch euer Sektionsleiter mit den Anträgen behilflich sein, wenn ihr ihn fragt.

Ich persönlich sehe die Tipp-Kick-Szene als eine große Familie an, in der jeder Spieler seinen Platz hat. Nicht mit jedem Aktiven versteht man sich gleich gut, doch jeder sollte sich angenommen und dazugehörig fühlen. Auch wenn es bedingt durch Ligazugehörigkeit oder Ranglisten-Platzierungen verschiedene Blickwinkel gibt, so sind wir uns doch alle in dem Punkt einig, dem Vereinssterben entgegenwirken zu müssen und die Jugendarbeit der Vereine auszuweiten und zu fördern, um unserem Sport die Weichen für die Zukunft stellen zu können.

Einige gute Ideen habe ich schon gehört oder gelesen, wie den Vorschlag separate U-18-Wettkämpfe als Teil der Turniere auszuspielen. Für die jungen Spieler wäre das ein toller Anreiz. Es muss auch gar nicht unbedingt ein Pokal ausgespielt werden. Bei vielen Fußballvereinen gibt es eine Tombola mit Preisen, die die ortsansässigen Firmen gespendet haben (muss ja nicht unbedingt ein Kartenspiel vom Getränkemarkt oder ein Kuli von der Sparkasse sein), sodass sich auf diesem Wege doch bestimmt auch ein paar kleine Sachpreise für unsere Tipp-Kick-Junioren organisieren ließen?!

Jugendarbeit im Verein wird teilweise schon sehr vorbildlich gelebt, häufig aber auch vernachlässigt. Natürlich hat nicht jeder Club die besten Voraussetzungen für eine eigene Jugend, jedoch sollte man sich vereinsintern zumindest Gedanken darüber machen. Weitere Vergünstigungen für Jugendspieler seitens des Verbandes wären hier ebenso denkbar. Desweiteren ist die Außendarstellung unseres Sports für die Attraktivität auf Außenstehende, insbesondere Kinder und Jugendliche wichtig. Wir sollten raus aus der Nerd-Schublade, in der sich Erwachsene um ein Kinderspiel scharen – hin zum alternativen, sympathischen Sport für alle Altersklassen.

Es gab bereits den Vorschlag eines Imagefilms, den ich persönlich sehr gut fand und mich auch gern an der Verwirklichung, in welcher Form auch immer, beteiligen würde. Viel wichtiger ist aber das Image, das wir alle durch unser Auftreten an der Platte verbreiten. Bei einem sportlichen Wettkampf können schon mal die Emotionen hochkochen und dass man sich bei Freude oder Enttäuschung spontan lautstark Ausdruck verleiht, kann sicherlich jeder nachvollziehen. Trotzdem sollte sich jeder selbst hinterfragen, wie lautes Schreien und Fluchen wohl auf anwesende Kinder und Schaulustige wirkt, sich mal selbst in die Pflicht nehmen und um mehr Beherrschung bemühen. Den Gegner oder Schiedsrichter anzugehen, ist ohnehin unabhängig vom Alter ein No-Go. Ich persönlich empfinde so etwas menschlich als großes Armutszeugnis für den Betreffenden. An dieser Stelle möchte ich gerne mal den 13-jährigen Valentin Tenner aus Gießen positiv erwähnen, der beim Oster-Turnierwochenende eine falsche Schiedsrichterentscheidung trotz besseren Wissens nach einmaliger kurzer Nachfrage klaglos hinnahm und einfach weiterspielte. Als ich ihm nach dem Spiel – ich habe zugeschaut – sagte, dass ich seinen Ball drin gesehen habe, meinte er lediglich mit einem achselzuckenden Lächeln: „War auch drin, aber der Schiri entscheidet.“ Dieser Junge beweist Sportsgeist und verliert trotzdem nicht den Blick für‘s Ganze!

Artikel Zukunft Valentin Tenner

Es ist schließlich nur ein Spiel und verlieren gehört nun mal genauso dazu wie gewinnen. Außerdem sind auch Schiedsrichter nur Menschen und machen genauso Fehler wie jeder andere auch. Wer noch nie eine falsche Entscheidung an der Platte getroffen hat, oder sich nicht hundertprozentig sicher war, der werfe den ersten Stein.

Wir sollten uns mehr Gedanken über ein harmonisches Miteinander machen, denn es wurden zuletzt Stimmen laut, dass sich die „Elite“ unseres Sports von den „normalen“ Spielern abschotten würde und Anfänger es so besonders schwer hätten, Fuß zu fassen oder überhaupt in Kontakt zu treten. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen und jedem nur empfehlen, einfach mal den ersten Schritt zu machen und auf Leute zuzugehen, sie anzusprechen oder einfach mal um Tipps oder ein Freundschaftsspiel zu bitten. Damit habe ich ausschließlich gute Erfahrungen gesammelt und konnte einige nette Bekanntschaften machen und Kontakte knüpfen. Gerade diese Nähe zu den Besten unseres Sports macht für mich einen guten Teil der familiären Atmosphäre innerhalb der Tipp-Kick-Szene aus.

Beim Thema Vereinssterben stellt sich mir die Frage, was aus den Spielern der aufgelösten Vereine wird. Sicher mangelt es dem ein oder anderen vielleicht an der Lust, doch ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass alle ihre Tipp-Kicker an den Nagel hängen und gar nicht mehr spielen wollen. Viel mehr liegt doch die Vermutung Nahe, dass zumindest ein Teil sich einem anderen Verein anschließt und diesen somit verstärkt, vielleicht sogar dort eine weitere Mannschaft ermöglicht.
Entgegen einer solchen Entwicklung wäre es natürlich wünschenswert, flächendeckend mehr Vereine in Tipp-Kick-Deutschland zu haben, um Interessenten den Einstieg zu erleichtern und die Chance zu haben, mal in ein Training bei einem ortsnahen Verein hereinschnuppern zu können.

Letzter Punkt ist eine Überarbeitung der Turnier-Modi um diese für Anfänger möglichst attraktiv und leicht durchschaubar zu gestalten. Auch hier wäre es sinnvoll, Anreize durch Preise und Erfolgserlebnisse zu setzen, um neue Spieler langfristig für unseren Sport zu begeistern.

Artikel Zukunft Elesbao Marx

Die Anregungen, die in der Szene in letzter Zeit gesammelt wurden, müssen nun konkretisiert werden. Jeder Club sollte sich dazu intern Gedanken machen. Vielleicht entwickelt ihr noch weitere Ideen und verfasst entsprechende Anträge für die nächste Regionalversammlung?!

So verschieden wir alle auch sein mögen, so sind wir doch immer noch eine große Familie und haben das selbe gemeinsame Ziel: unseren Sport weiterhin zahlreich mit netten Menschen zu betreiben und diese Erfahrung an den Nachwuchs weitergeben zu können!

 

Fotos: Jens Käthner, Max Gottschalk

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