Deutscher Meister Philipp Baadte: „Die Gier nach Erfolgen ist jetzt umso größer“

Philipp Baadte hat eine sehr emotionale Woche hinter sich. Am vergangenen Sonntag trat er überraschend aus dem Schatten der Top-Favoriten hervor und wurde Deutscher Einzelmeister im Tipp-Kick. Mit dem Finalsieg gegen Fabio de Nicolo vom TKV Grönwohld ist er der erste Spieler seit 2004, der beim Titelgewinn unter dreißig Jahre alt war. Die Rundschau lud zum Meisterinterview mit Deutschlands Bestem.

Hallo Philipp, nochmal herzlichen Glückwunsch zum Meistertitel! Hast du ihn schon gebührend feiern können?
Vielen Dank! Am Montag gab es direkt eine Meisterfeier mit der Familie und am Mittwoch ging es im Clubraum rund. Natürlich habe ich dort die Kicker wieder in die Hand genommen. Jeder wollte ein Spiel gegen den neuen Deutschen Einzelmeister machen. Leider musste ich auch meine erste Niederlage nach dem Turnier einstecken.

Nach dem Endspiel hast du gesagt, dass du deinen Erfolg noch gar nicht realisieren kannst. Wie sieht es mittlerweile aus?
Es geht. Ein ungewohntes Gefühl, aber ich habe ja noch ein Jahr Zeit, das alles richtig zu begreifen.

Hast du dich auf das Wochenende in irgendeiner Art und Weise besonders vorbereitet oder eingestellt?








Eigentlich nicht. In der Woche vor einem solchen Turnierwochenende kicken mein Bruder und ich an einem Abend zusammen. Wir üben noch ein paar Schüsse, damit wir mit einem guten Gefühl anreisen können.

Artikel Deutsche Einzelmeisterschaft 2015 Endspiel

Philipp Baadte im Endspiel gegen Fabio de Nicolo

Was ist dir vom Finale besonders im Kopf geblieben?
Ehrlich gesagt nicht so viel, was echt schade ist. Ich war so im Tunnel, dass nicht viel hängengeblieben ist. Meine letzte Aktion habe ich aber klar in Erinnerung: Ich schieße einen Eckball über das Tor und der Ball fällt auf den Boden. Fabio macht noch einen langen Abstoß in Richtung Mittelkreis, ich stelle den Kicker zur kurzen Deckung und gerade als er schießen will, kommt die Schlusssirene, die direkt von lautem Jubel um mich herum übertönt wird.

Erinnerst du dich gar nicht an die drei Tore?

Leider nicht. Ich weiß nur, dass mein Gegentor direkt nach zehn Sekunden gefallen ist. Ein Farbfehler von mir beim Anstoß und dann ein Innenristdreher von Fabio!?

Es war ein Aufsetzer bei kurzer Deckung. Deine beiden Toren waren „Bretter“ in die kurze Ecke. Nach 1:50 waren bereits alle Tore gefallen.
Okay, krass. Dass es ein Doppelschlag war, weiß ich noch. Ich muss mir unbedingt mal das Video vom Finale angucken. Vieles ist nur ganz vage im Kopf. Wie auch immer: Der Plan, den ich in der zweiten Halbzeit verfolgt hatte, ist in den letzten zwei bis drei Minuten super aufgegangen.

Der war wie?







Aus jeder Position alles direkt zu schießen, um ja keinen Ball mehr ins Feld prallen zu lassen. Es sollte nichts mehr Unkontrolliertes passieren. Ich war innerlich auf einmal sehr nervös und konnte kaum noch Farbe legen. Das wichtigste war, keinen Konter mehr zu riskieren.

Du hattest in der letzten Minute zwei Mal die Möglichkeit, Fabios Spieler aus nächster Nähe anzuschießen, hast dich aber für Dreher entschieden, die beide im Toraus landeten. Fabio kam dadurch in Ballbesitz. Hättest du dich bei einem späten Gegentor nicht wahnsinnig über diese Aktionen geärgert?







Definitiv nicht. Wie gesagt, ich wollte kein Risiko eingehen, weil mir das Farbelegen nicht mehr so leicht fiel. In der letzten Minute habe ich angefangen, mir Gedanken zu machen, was gleich passiert, wenn der Schlusspfiff kommt. Ich hatte ein super Gefühl für die Abwehr und versucht, jeden eigenen Schuss so gefährlich wie möglich auf das Tor zu bringen. Bei einem Gegentor hätte es Verlängerung gegeben, also auf jeden Fall schon mal keine Niederlage. Natürlich kann das auch ins Auge gehen. Fabio wurde aber auch immer nervöser und seine Aktionen hektischer.

Wie war dein Grundgefühl zum Beginn der Playoffs?
In der Vorrunde habe ich schon echt gute Spiele gezeigt, vor allem gegen Jens König. Spätestens nach dem zweiten Platz im Schweizer System war mir klar, dass ganz viel möglich ist. Marcus Socha, auf den ich im Viertelfinale getroffen bin, liegt mir von der Spielweise, was mein gutes Gefühl noch zusätzlich bestärkt hat. Während den Partien hatte ich außerdem das Gefühl, dass sich in der Halle alles auf Mathias Hahnel gegen Vincent Höhn konzentrierte. Sie waren in letzter Zeit deutlich besser drauf als ich und hatten für Furore gesorgt.

Wäre etwas anders gelaufen, wenn auf dir ein größerer Fokus gelegen hätte?
Eigentlich nicht. Die Konzentration lag komplett beim Spiel, von den Zuschauern habe ich nicht so viel wahrgenommen. Im Halbfinale war ich gegen Beni Buza, der den Meister – Hattrick vollbringen wollte, schon Außenseiter. Die Partie in der Vorrunde ging aber klar an mich, was mich an die Finalteilnahme glauben ließ. Zufall oder nicht: Mein letztes Spiel im Schweizer System hatte ich gegen Fabio. Dies konnte ich ebenfalls gewinnen und mir noch in Erinnerung rufen, wie ich meine Taktik für das Finale zu wählen hatte.

Artikel Deutsche Einzelmeisterschaft 2015 Siegerjubel

Zwei ganz starke Kaiserslauterer: Mathias Hahnel (l.) beglückwünscht Philipp Baadte

Ein reines Kaiserslauterer Finale wäre für euren Club ein weiteres Highlight bei diesem ohnehin schon erfolgreichsten Turnier der Vereinsgeschichte gewesen. Wie wäre dein Gefühl gegen Mathias Hahnel gewesen?
Vergleichsweise schlecht. „Matze“ hat von den letzten 15 Monats-Clubmeisterschaften zwölf Mal gewonnen, ich dagegen keine. Ich denke, das sagt schon alles. Intern ist er die unangefochtene Nummer Eins.

Als Deutscher Einzelmeister hast du das erreicht, was für viele ein Karriereziel darstellt. Was ist von dir in Zukunft zu erwarten?
Es ist echt super, dass ich direkt den wichtigsten Titel der Tour geholt habe. Ich musste Markus Meyer nach dem Erfolg sogar versprechen nicht aufzuhören. Aber für mich ist klar: Es fehlen noch vier Sektions- und der Mannschaftstitel. Mit mir wird auch in Zukunft bei großen und kleinen Turnieren zu rechnen sein.

Ich persönlich freue mich sehr, dass sich ein Spieler aus der „neuen“ Tipp-Kick-Generation durchsetzen konnte. Denkst du, dass dein Sieg ein Startschuss für weitere große Titel aus dem Kreis der Youngsters war?
Es können ja auch nicht immer die Gleichen oder Alten gewinnen. Es waren in der Vergangenheit schon etliche junge Spieler nah dran, einen großen Titel zu holen. Vielleicht braucht es in solchen Momenten einfach auch die Erfahrung, die wir jüngeren noch nicht haben. Leider lässt sich dies von außen schlecht bewerten. Ich gehe aber stark davon aus, dass sich sogar noch mindestens ein weiterer junger Spieler in diesem Jahr in die HALL OF FAME eintragen wird.

Was bedeutet dir dieser Titel?
Für mich ist ein sehr großer Traum in Erfüllung gegangen. Seit meiner ersten Deutschen Einzelmeisterschaft 2006 in Kaiserslautern war es mein Ziel, auch einmal dieses Finale spielen zu können. Damals standen sich Normann Koch und Oliver Schell gegenüber, die mich persönlich sehr beeindruckt hatten.
Planen kann man so einen Titel natürlich nicht, weil die Leistungsdichte im Teilnehmerfeld so groß ist. Nach so einem langen Wochenende gibt in meinen Augen die Tagesform den Ausschlag. Es gehört deshalb auch Glück dazu, überhaupt mal diese zehn Minuten spielen zu dürfen. Durch den Erfolg ist meine Gier nach Titeln jetzt umso größer. Ungeduld wird bei mir aber jetzt nicht aufkommen.

 

Fotos: Jan Komareck