Melanie Grämmel: „Frauen im Tipp-Kick? Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten“

Auf Turnieren und bei Ligaspielen treten auch Mädchen und Frauen an, hauptsächlich ist Tipp-Kick aber eine Männerdomäne. Melanie Grämmel aus Alfeld in Niedersachsen lässt sich davon nicht abschrecken und ist schon seit 2005 am Ball. Die 21-jährige, die für den TFB ’77 Drispenstedt antritt, gehört zu einem kleinen Kreis sehr ehrgeiziger Tipp-Kickerinnen in der aktiven Szene. Im Mai will sie in Bornheim bei Köln unbedingt Deutsche Damenmeisterin werden.

Hallo Melanie, was macht dir am Tipp-Kick so viel Spaß und wie bist du dazu gekommen?
Ich habe meinen Vater, der schon seit 1979 aktiv ist, gefragt, ob ich mal zum Tipp-Kick mitkommen kann. Ende 2005 habe ich dann beim TKV Jerze das erste Mal mittrainiert. Am Anfang war die Situation nicht so leicht für mich: Ich war zwölf Jahre alt, beinahe das einzige Mädchen und hatte keine Erfahrung an der Platte. Manchmal habe ich mich hinter meinem Vater versteckt, weil ich so schüchtern war. Aber ich bin bis heute ohne Unterbrechung dabeigeblieben, weil mir Tipp-Kick vom spielerischen Ablauf unglaublich viel Spaß macht. Ich habe Lust, immer weiter dazuzulernen und bin stolz darauf, ein Hobby zu haben, was nicht jeder hat. Ganz wichtig ist für mich auch das familiäre Miteinander. Das Gemeinschaftsgefühl beim Tipp-Kick, das man auch unter den einzelnen Vereinen spürt, ist wirklich toll und für viele ein entscheidender Beweggrund, immer wieder an Turnieren teilzunehmen.

Du bist häufig auf Turnieren unterwegs und eine von meist wenigen weiblichen Teilnehmern. Was erhoffst du dir für die weibliche Tipp-Kick-Szene?
Natürlich hoffe ich, dass mehr Frauen Interesse am Tipp-Kick finden. Mit der Zeit habe ich immer mal wieder Freundinnen zum Training mitgenommen. Von ihnen ist leider nur eine am Ball geblieben: Anna-Lena Neumann vom Delligser SC. Wir wenigen Frauen und Mädchen müssen unser Bestes tun, um auch andere zu überzeugen. Das gilt aber auch für alle Vereine, egal ob es dort bereits Damen gibt oder nicht.

Wie steht es um dein Verhältnis zu den meist männlichen Spielern? Fühlst du dich gut aufgehoben und wertgeschätzt?
Der Kontakt zu den männlichen Spielern ist echt gut. Natürlich gibt es hier und da mal jemanden, der einen Spruch reißt, aber da stehe ich drüber. Und wenn mir irgendetwas nicht passt, dann sage ich das auch. Ich fühle mich rundum akzeptiert und mir wird Respekt entgegengebracht. Richtig gut finde ich, dass mir Spieler aus anderen Vereinen Ratschläge geben und mich darauf hinweisen, was ich spielerisch besser machen kann. Ob Frau oder Mann, Mädchen oder Junge – mir bereitet es immer viel Freude, wenn ich sehe, dass ein guter Spieler, einem nicht so guten etwas erklärt.

Beschreibe mal den Kreis der Damen, die häufig auf Turnieren präsent sind und schätze sie ein.

Artikel Melanie Grämmel Koegel Greta

Tipp-Kick-Damen unter sich: v.l. Melanie Grämmel, Michaela Koegel und Greta Schotmann

Leider sind von den wenigen Frauen und Mädchen häufig nur vier regelmäßig bei Turnieren dabei. In erster Linie sind das Michaela Koegel von TK Rheinland United, Manuela Winter vom TKC Gevelsberg, die erst zwölfjährige Greta Schotmann vom Delligser SC und ich. Manuela, Michaela und ich sind meiner Meinung nach die spielstärksten, während Greta noch ein bisschen dazulernen muss.
Doch auch wenn wir nur so wenige sind, nehmen wir unseren Wettkampf genauso ernst wie die Männer. Leider gibt es bei den DTKV-Turnieren noch keinen einheitlichen Modus für uns Damen, genauso für den U18-Wettbewerb. Mal wird ein eigenes Turnier ausgespielt, dann gewinnt die Dame, die am weitesten kommt oder es wird ein Endspiel der beiden Bestplatzierten ausgetragen.

Du hast in der letzten Saison noch beim Delligser SC gespielt, einem Club, in dem überdurchschnittlich viele Mädchen und junge Frauen spielen. Warum gibt es in Delligsen so viele, obwohl es bei den meisten Clubs überhaupt keine gibt?
Beim Delligser SC sind einige Mädchen über ihre Väter zum Tipp-Kick gekommen, haben mittrainiert, Spaß gefunden und andere Freundinnen mitgebracht. Sie haben aber auch viel Werbung gemacht, Aktionen gestartet und viel daran gesetzt, ihre Mitglieder zu halten. Sina Weitze hat zum Beispiel mal ein Ferienpassturnier gewonnen und hat so auch ihren Vater, Christian Weitze, zum DSC gelockt.

Artikel Melanie Grämmel Defensive

Den Deutschen Meistertitel der Damen fest im Blick: Melanie Grämmel

Jedes Jahr wird am Wochenende der Deutschen Einzelmeisterschaft auch die Deutsche Damenmeisterschaft ausgerichtet. Wie wichtig ist dir dieses Event und welche Chancen rechnest du dir aus?
Dieses Turnier ist für mich sehr wichtig, weil ich es leider noch nie geschafft habe, Damenmeisterin zu werden. Ich trainiere momentan sehr viel und möchte den Titel in diesem Jahr auf jeden Fall gewinnen. Von allen Damen in Deutschland habe ich das wohl intensivste und beste Training, da einige meiner Teamkollegen in der 1. Bundesliga spielen. Sie geben sich echt viel Mühe und zeigen mir viel, wovon ich echt profitiere. Da ich mein Spiel gerade komplett umstelle, kann ich meine Chancen aktuell aber nur schwer einschätzen. Ich merke trotzdem, dass die Umstellung schon etwas gebracht hat. Ein spezielles Training für die DEM mache ich aber nicht, sondern übe Schusstechniken und Defensivverhalten gleichermaßen.

Welche Tipps gibst du unerfahrenen Tipp-Kickerinnen mit auf den Weg?
Sie sollen den Kopf nicht in den Sand stecken, wenn mal etwas nicht klappt. Training ist wichtig und ohne geht nichts. Lasst euch nicht unterkriegen! Es sind zwar nicht viele Frauen und Mädchen dabei, aber Tipp-Kick kann auch so sehr viel Spaß bereiten.
Die Turnierrangliste der Damen findest du unter artbot.de/dtkv.

 

Fotos: Jens Käthner, Michaela Koegel, Max Gottschalk