Kai Schäfer: „31 Jahre für den ersten großen Titel“

1984 gründete Kai Schäfer mit zwei Freunden den TKV Grönwohld und ist seither die große Konstante des Vereins. Am vorigen Wochenende gewann er mit seinem Team die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und den DTKV-Pokal.

Hallo Kai, herzlichen Glückwunsch zum Double-Gewinn! Lass uns mal kurz in dein Seelenleben blicken. Was bedeutet dir dieser Titel?
Ich hätte bis vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass wir als Team einmal so weit kommen können. Insofern herrscht bei mir im Moment eine ganz große Freude über das Erreichte und natürlich auch ein wenig Stolz auf die in der Saison und den Playoffs gezeigte Leistung vor. Als ich 1984 mit Tipp-Kick anfing, waren Drispenstedt und Rehberge Berlin die dominierenden Mannschaften, zu denen man aufgeschaut hat. Bald schon darauf begann die „Ära Lübeck“ und ich fand es schon überragend, dass wir 2000 in die Bundesliga aufsteigen konnten und uns nach einigen Auf- und Abstiegen in den letzten Jahren sogar ein bisschen etabliert haben. Nach der ersten Playoff-Teilnahme 2012 hatte ich dann allerdings schon etwas Blut geleckt und wollte mehr, zumal wir sehr knapp gescheitert waren. Im Jahr darauf langte es auch mit der Besetzung Koch, Zaczek, Mozelewski und Schäfer gegen Frankfurt wieder nicht zum Finale. 2014 waren wir dann schon einen Schritt weiter und konnten ins Finale einziehen, in dem wir gegen die SG ’94 Hannover sehr knapp mit 15:17 verloren haben. Nach einer sehr guten Bundesligasaison hatte ich bei den Playoffs ein sehr schlechtes Wochenende erwischt und war mit meiner Leistung im Finale gegen die Hannoveraner überhaupt nicht zufrieden. Das sollte noch besser gehen. Insofern bin ich froh, dass ich in diesem Jahr gegen Berlin und insbesondere im Finale gegen Frankfurt ein lockeres Händchen hatte – hier und da auch das nötige Quäntchen Glück – und meinen Teil zum Titelgewinn beitragen konnte.

Kai Schäfer eingerahmt von Marc Koschenz, Fabio de Nicolo, Michael Hampel und Michal Zaczek (v.l.)

Kai Schäfer eingerahmt von Marc Koschenz, Fabio de Nicolo, Michael Hümpel und Michal Zaczek (v.l.)

Ihr wusstet bis zum Samstagmorgen nicht, welcher Club im Halbfinale der Meisterschaftsplayoffs gegen euch spielen würde. In wiefern hat euch diese „ungewisse“ Ausgangslage im Vorfeld beschäftigt?
Mich persönlich hat das gar nicht beschäftigt, da es eine große Ehre ist, überhaupt an den Playoffs teilnehmen zu dürfen. Bei uns wurde es am letzten Spieltag ja auch nochmal richtig spannend mit der Qualifikation. Ich war mir ziemlich sicher, auf Celtic zu treffen, was mir auch ganz recht war, da ich gegen die Berliner zwei Wochen vorher gut gespielt und gepunktet hatte. Die Meinung in der Mannschaft zum „Lieblingsgegner“ war aber geteilt, wobei sich aber alle nicht allzu sehr damit beschäftigt haben. Es kommt halt, wie es kommt.

Du warst am Sonntag privat verhindert, hast den „Schäfchen“ aber auch noch den DTKV-Pokal einfahren lassen. Konntest du beim Sieg trotzdem mitfiebern?
Ich konnte nicht dabei sein, weil meine Frau Geburtstag hatte und weil das Reinfeiern schon den Meisterschaftsplayoffs zum Opfer fiel, war der Kompromiss, dass ich mich Samstagabend nach dem Finale auf den Heimweg mache. Beim Pokal war ich durch Christan Thieke über Facebook und unsere „Play-Off Berlin 2015“-WhatsApp-Gruppe ständig auf dem Laufenden. Nicht spielen zu können und in der Ferne auf die Ergebnisse zu warten, ist nervenaufreibender als selbst an der Platte zu stehen. Mit Hümpi hatte ich aber einen mehr als gleichwertigen Ersatz. Haben die Jungs gut gemacht!

Für Kai Schäfer im DTKV-Pokal eingesetzt: Michael Hampel (l.)

Für Kai Schäfer in den DTKV-Pokal-Playoffs eingesetzt: Michael Hümpel (l.)

Durch deine vorzeitige Abfahrt konntest du wahrscheinlich noch nicht wirklich mit deinen Jungs feiern!? Wird nochmal ordentlich auf den Putz gehauen?
Nach dem Endspiel gab es vor Ort noch zwei Bierchen, unzählige Glückwünsche und viele nette Gespräche, bevor ich mich auf den Weg gemacht habe. Eine große Sause hat es bei den anderen aber ja auch nicht gegeben, weil am nächsten Tag ja noch der Pokal anstand. Unser Marc hat da rechtzeitig zum Zapfenstreich geblasen. Wir werden wohl am 25. Juli die große Double-Feier starten, zu der wir auch ein paar alte Weggefährten der letzten Jahre einladen werden. Die Planungen laufen gerade.

Michal Zaczek, Michael Hümpel und du seid die alt eingesessenen Grönwohlder und seid auch durch eine längere Zeit als Fahrstuhlmannschaft zwischen 1. und 2. Bundesliga gegangen. Habt ihr vor ein paar Jahren noch an den Titel geglaubt?
Wir wussten schon immer, dass wir an einem guten Tag jede andere Mannschaft sehr in Bedrängnis und vielleicht sogar schlagen können. Dafür mussten alle aber ihr bestes Tipp-Kick abrufen. Daran hat es aber dann immer gemangelt. Meistens waren ein oder zwei Spieler dabei, die unter dem Schnitt waren und da wir nie einen absoluten Top-Mann in unseren Reihen hatten, der das auffangen konnte, blieb es bestenfalls meist bei einem Mittelfeldplatz in der Liga. Das hat sich in unserer ersten Saison mit Freddy Mozelewski geändert. Mit ihm, Hacky Jüttner, Michal Zaczek und mir waren wir gleich vier Akteure, die als Mannschaft sehr gut aufgetreten sind, ausgeglichen bis positiv gepunktet haben und auch mal einen schwachen Tag eines einzelnen Spielers ausgleichen konnten. Michael Hümpel und Tobi Stock konnten als weitere Teammitglieder bei ihren Einsätzen auch überzeugen. Diese Geschlossenheit sollte uns ab diesem Zeitpunkt, egal in welcher Besetzung, auch auszeichnen. Ab dieser Saison vor vier Jahren habe ich dann auch geglaubt, dass es mal mit dem Titel klappen kann, wenn alles zusammenpasst. Die Zielsetzung vor jeder Saison ist allerdings immer erst der Klassenerhalt und das wird auch im nächsten Jahr so sein. Erst die Punkte sammeln, um in der Bundesliga zu bleiben und dann kann man eventuell weiterplanen. Alles andere wäre bei dieser ausgeglichenen Liga zu arrogant und mit einer zu optimistischen Zielsetzung kann man sich auch schnell in Tabellenregionen wiederfinden, die man meiden wollte. In diesem Punkt sind wir uns alle im Team auch absolut einig.

Welchen Anteil haben die beiden Lecker Jungs, Fabio de Nicolo und Marc Koschenz, an den Titeln?
Mit Fabio und Marc haben wir natürlich enorm an Spielstärke gewonnen, aber in der Mannschaft haben sie am Erfolg einen Anteil von je 25 Prozent, so wie jeder andere auch. Jeder auf seine Art ist mit seinem Charakter und seiner Spielweise wichtig im Team. Mit Fabio haben wir einen emotionalen Leader bekommen, der nach fünf Playoff-Halbfinalpleiten mit Leck die Drucksituationen kennt und die Mannschaft auch mal zusammentrommelt, um Ansagen zu machen. Darin ist er einzigartig. Über seine spielerischen Fähigkeiten und seine derzeitige Form muss man als Nummer 1 in der Rangliste wohl auch kein Wort verlieren.
Marc ist dagegen unser Iceman, der Mann ohne Nerven. Er ist bestimmt einer der talentiertesten und besten Spieler Deutschlands und ist damit unser Mann für die entscheidenden Spiele in der letzten Runde. Kaum auszudenken, was mit mehr Training und häufigeren Turnierteilnahmen beim ihm noch möglich wäre.
Aber auch Michal Zaczek hat einen ebenso großen Anteil am Erfolg. Er spielt technisch auf einem hohen Niveau und bringt die gewisse Lockerheit mit, ist aber in den entscheidenden Momenten auch sehr konzentriert und fokussiert. Im Gegensatz zu Marc oder mir kann er auch sehr extroviert und laut an der Platte sein. Sonst würde man ja auch nur Fabio bei unseren Clubkämpfen hören…

Wie beurteilst du eigentlich nach dem Titelgewinn und mit ein bisschen Abstand eure Zeit als „SG Grönwohld/Lübeck“?
Zunächst einmal war es für mich eine Ehre, mit Normann Koch in einer Mannschaft gespielt zu haben, auch wenn es nur für ein Jahr war. Die SG hätte vielleicht noch länger Bestand gehabt, wenn Oliver Schell und Normann nicht zu Hannover gewechselt wären. Mit den anderen beiden Lübeckern, Dirk Kallies und Sebastian Winckelmann, war die SG nicht fortzuführen, weil Dirk seinen endgültigen Rückzug vom Tipp-Kick schon kurz nach der Gründung angekündigt hatte und Sebastian ohnehin nur im Notfall aushelfen wollte. Im Nachhinein betrachtet war es eine schöne Saison, aber zu kurz um richtig zusammenzuwachsen.

Artikel Kai Schäfer DMM Zunge

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Ich möchte mich bei allen bedanken, die uns die Daumen gedrückt haben und von denen ich ganz, ganz viele liebe Glückwünsche erhalten habe. Insbesondere freue ich mich auch sehr, dass viele mir persönlich den Titel nach so vielen Jahren, in denen ich nun dabei bin, gegönnt haben. Toll fand ich auch die Unterstützung von vielen Nichtvereinsmitgliedern neben der Platte, wie von Marcus Socha, der bei den Playoffs zwischen den Spielen immer positive Worte gefunden hat.
Sehr schön ist nach wie vor die Fairness in der Bundesliga. Es ist zwar immer wieder hart, die Clubkämpfe zu bestreiten und es kostet immer sehr viel Energie, aber es bringt nach wie vor immer noch sehr viel Spaß gegen ebenso positiv Verrückte zu spielen.
Und an den Nachwuchs: Immer dabei bleiben und Spaß haben, auch wenn der schnelle Erfolg ausbleibt oder es auch mal einen Rückschritt gibt. Der alte Mann aus Grönwohld musste auch erst 31 Jahre spielen, um den ersten großen Titel zu gewinnen.