Schwarz und Weiß im Wandel der Zeit

Wie viele andere Sportarten hat sich auch das Tipp-Kick in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Professionalisierungen in der Verbandsstruktur, Verfeinerungen des Regelwerkes, zunehmende Stringenz in den Turnierdurchführungen und Herstellung perfekten Materials sind nur einige Pfeiler, die diesen Wandel der letzten 20 Jahre stützen. Der Zuwachs an Fairness ist ebenfalls zu erwähnen, dieser wurde bereits im Internet und in der Szene ausreichend erörtert.

Nur eins von acht DEM-Finals verloren: Koch vs. Schell 2006

Das einzige von acht DEM-Finals, das Normann Koch verlor: 2006 in Kaiserslautern gegen Oliver Schell

Wo es auf den Turnieren in der Mitte der 90er Jahre noch die sogenannten „Hans-Meiser-Gruppen“ (Metapher für Gruppen mit geringer spielerischer Qualität) gab, gewann die breite Masse ab 2005-2010 wesentlich mehr an Qualität dazu. In der Vergangenheit gab es ca. 15 Spieler, die um den Turniersieg kämpften und danach kam lange Zeit nichts. Vielleicht konnten sich nicht mal eine Hand voll Spieler, die nicht zu diesen 15 Leuten gehörten, als kurzzeitiger Stolperstein erweisen. Das kam dennoch sehr selten vor. Spieler wie Koch, Kaus, Schell, König, Kallies, Hahne und Runge beherrschten die Szene nach Belieben. Die Mannschaftsmeisterschaften verliefen noch monotoner. Hier hieß der Sieger fast immer Blau Weiß Concordia Lübeck, obwohl sie ihren sogenannten „Pferdefuß“ einige Zeit mit „durchschleppen“ mussten. Frankfurt bot als einziger der wenigen Clubs konstant über einen längeren Zeitraum Paroli. Hirschlanden schuf mit Buza, Bareis und den Wagner-Legionären eine Truppe, die ab 2010 als starke Mannschaft mitmischte und gewann. Benjamin Buza entwickelte sich weiter und durchlebte eine Renaissance. Zwischen 2009 und 2015 errang der ehemalige Heißsporn viele Mannschafts- und Einzeltitel.

Hans-Meiser-Gruppen sind derzeit ad acta. Die allermeisten beherrschen nahezu ein gutes Farbspiel und ein vernünftiges Repertoire an Torschüssen, um jeden Ball aus jeder Position aufs gegnerische Tor zu feuern. „Top-Spieler“ können sich einfach nicht mehr bis in die Vorschlussrunde „daddeln“ und dann um den Einzug in die Endrunde spielen. In puncto Taktik hat sich das Spiel so stark verändert, dass der spielerisch-ästhetische Aspekt kaum mehr beachtet wird. Jens König und Oliver Hahne sind einer der wenigen Spieler, die aus jeder Situation gewillt sind, einen „Zauberball“ zu schießen. Der Rest der Szene bezieht sich auf Effizienz, Kontrolle und Abwehrschlachten. Vorne gewinnst du Spiele, hinten gewinnst du Meisterschaften.

Artikel Schwarz Weiß Kugellager

Spielfiguren mit Kugel- bzw. Gleitlager-Systemen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen

Der Norden verlor im Verlauf der Jahre seine Dominanz. Die einstige Hochburg Schleswig-Holstein besitzt heute nur noch drei ansässige Vereine. Durch die Kugellager-Spieler verschiedener Hersteller ist das geradlinige Spiel angestiegen, da durch das Lagermaterial ein konsequentes „Geballer“ leicht möglich ist. Für solch einen Kicker wird teilweise bis zu 180 Euro ausgegeben. Oliver Wegener kann sich vor Aufträgen nicht retten. Material-Guru Bernd Weber lernt seinen Sohn an, damit in schwäbischer Manier alles weiter läuft. Mitte der 90er Jahre waren Preise für einige Kugellager-Spieler der heutigen Zeit undenkbar! Im Verhältnis dazu kosteten sehr gute Spieler aus der Runge-Schmiede damals 60-70 DM. Das war quasi der Mercedes. In der Vergangenheit gab es mehr Individualisten in den Spielstilen, heutzutage zocken sehr viele Tipp-Kicker mit einer ähnlichen Basis. Unikate wie Sascha Kansteiner, man ziehe die Körperhaltung und „Ornella“ in Betrachtung, „Schorse“ Becker, Uwe Grabenkamp, Andreas Schneider, Sebastian Winckelmanns „Himbeer-Toni“ und viele andere mehr sind so gut wie verschwunden. Einzelne Spielstile stechen weniger heraus. Qualitativ ist die Breite zwar stärker geworden, doch der Individualismus des Spielstils scheint in den Hintergrund zu rücken. Wie oft zitterte Tipp-Kick-Deutschland, wenn Normann Koch seinen sogenannten „Spacken“ zog und mit dem letzten Schuss einen unfassbaren Außenrissdreher schoss oder ein unhaltbares Klemmbrett in den Winkel jagte. Der Materialwert dieses Spielers dürfte aber nicht einmal ein Mittagessen in einer mittelklassigen Imbissbude übertreffen. Auch beim Tipp-Kick ist es so, dass Geld nicht immer gleich Tore schießt. Ein Generationswechsel scheint sich dennoch langsam anzubahnen. Mit Chris Kuch, Vincent Höhn, Oliver Marx, Patrick Malessa („Immer bessah mit Malessa!“), Philipp Baadte und einigen anderen scheinen jüngere Spieler endgültig in die Spitze vorzudringen! Ab und zu kommt das Phantom Marc Koschenz, siegt und verschwindet wieder lautlos. Ende der neunziger gab es einen ähnlichen Typen, Nils Storre. Er atmete maximal dreimal pro Halbzeit. Ganz große Sprünge in den Jahren zuvor gelangen nur Fabio de Nicolo, den Wagner-Brüdern, Artur Merke oder William Schwaß aus der jüngeren Fraktion. Wobei William noch kein Hall-of-fame-Mitglied ist, eigentlich nicht zu glauben. Wo der Trend bei den gebürtigen Ambergern, den Wagner-Brüdern, die Hirschlanden zu goldenen und ruhmreichen Zeiten verholfen, läuft, bleibt abzuwarten. Die Interessen in puncto Freizeitgestaltung haben sich anscheinend etwas verändert bzw. forciert. Man bedenke, dass vielleicht einige Lücken der Jugend gerade aufzuholen sind, da die Eltern ihre Kinder die vollständige Kinder- und Jugendzeit durch die Bundesrepublik fuhren, um ihre Sprösslinge sportlich zu fördern. Mannschaftskollege William Schwaß würde es eventuell in seiner neuen Wahlheimat unter dem Motto „oans, zwoa, gsuffa“ bezeichnen. Wohin der Weg dieser drei Top-Spieler gehen wird, ist nach der Saison 2014/2015 offen. Wer weiß, vielleicht startet der König aus dem Welfenland noch einen Lauschangriff. Gerüchten nach zu Folge soll aber ein weiteres enfant terrible der abendlichen Freizeitgestaltung verpflichtet worden sein.

2009 sogar mal als Turnierveranstalter in Erscheinung getreten: William Schwaß

2009 sogar mal als Turnierveranstalter in Erscheinung getreten: William Schwaß

Jüngere Spieler, die in den 90er Jahren geboren wurden, können sich kaum vorstellen, dass man Tage nach gewissen Ergebnissen hinterher telefonieren musste. Sehnsüchtig wurde auf die damalige Rundschau gewartet, um den Informationsdurst einiger Tipp-Kicker zu stillen. Martin Brand, Mr. Rundschau, verzückte die Tipp-Kick-Gemeinde mit Spielberichten, Interviews und einer gewissen Dame auf der Rückseite, Bini. Dieses Informationsmedium ist aufgrund des Internets überholt und etabliert sich derzeit online, was durchaus vernünftig und günstiger ist. Dennoch war die Rundschau in der Printform einfach nur großartig, da es den Aufbau eines Magazins besaß und einfach ein fester Bestandteil der Szene war. Martin kam und ging.

Navigationssysteme waren in den 80ern und 90ern noch lange nicht auf dem Markt und die Heimmannschaft hat der Gästemannschaft Wegbeschreibungen per Brief zukommen lassen. In Zeiten des Internets unvorstellbar. Kurz gesagt: Früher musste man Monate warten, heute regelt Michi K. das innerhalb von Sekunden via Facebook. In puncto Aktualität wurde ein Email-Circle vor ca. 15 Jahren eingerichtet, dieser verlor nach Facebooks Siegeszug so ziemlich die letzte Bedeutung. Weiterhin schuf Artur Merke mit der Homepage „artbot“ ein unglaubliches Archiv, das brandaktuell und übersichtlich ist. Ein großer Gewinn für Tipp-Kick-Deutschland! Der einzige Fehler dieser Seite, der die Wirklichkeit verzerrt, ist, dass Grönwohlds Zazcek nahezu auf jedem Endrundenfoto drauf ist, obwohl er diese längst nicht immer spielt. Dieser Running Gag ist einfach nicht zu beheben.

Artbot-Siegerfoto der ODEM 2014: Finde den Fehler!

Artbot-Siegerfoto der ODEM 2014: Finde den Fehler!

Das damalige „Wimbledon des Tipp-Kicks“ gibt es leider nicht mehr. Pfingsten war es usus, auf die Ostalb zu reisen und an den Turnieren des PWR Wasseralfingen teilzunehmen. In Kombination aus guter schwäbischer Küche und hervorragendem Weizen vom Fass immer eine sinnvolle Entscheidung, in den Süden zu reisen. Es gab ebenfalls genug Gäste an jenen Wochenenden, die sämtliche Prioritäten auf die Abendgestaltung mit Fußball-Endspielen und Musikabenden legten. Michael Picha und Peter Bumke müssten es nach 2004 und 2005 wieder besser gehen. Mit den großen Veranstaltungen in Berlin und Erlensee entwickelten sich grandiose Events im Verlauf der letzten Jahre! Vorreiter für Perfektion in Turnierveranstaltungen in sämtlichen Details ist Christian „Lohmeier“ Lorenzen. Trotzdem ging durch den Verlust der Wasseralfinger Turniere ein Stück Kultstatus verloren.

Die DEM 2012 war leider das vorerst letzte Turnier der Wasseralfinger

Die DEM 2012 war leider das vorerst letzte Turnier der Wasseralfinger

Das Gleiche gilt wohl auch für die Wettkämpfe in Schöppenstedt, von den Abenden in der Gaststätte „Zum Schwan“ ist heute noch zu hören. Klaus Höfers Überflieger 1998 in Düdinghausen ist unvergessen. Der ansonsten immer braun gebrannte Sportsfreund besaß an jenem Abend die Gesichtsfarbe grün, er wurde dennoch optimal betreut. Die Menge feierte und trotz des Verlustes sämtlicher physischer Funktionen und angeschlagenen Sprachzentrums verließ Höfer die Party nicht. Der eiserne Klaus. Einige Sportsfreunde aus dem Süden oder Westen der Republik vollbrachten ihren Urlaub an der Nordsee. Auch diese Gegend machten Kicker wie Höfer, Beck, Kirschner, Schiller oder Peukert beispielsweise unsicher. Klaus Höfer wird als Empfehlung die Peking-Ente in Leck bestätigen, Michael Picha, falls man ihn sehen sollte, ebenfalls. Auch die jüngere Generation stellte gegen Ende der 90er Abgesandte in die abendlichen Veranstaltungen. Die Vertreter aus Aitrach und die Hirsche aus Altmannshofen waren diesbezüglich absolute Spitze.

Artikel Schwarz Weiß Krapoth

Sebastian Krapoth auf der DEM 2003 in Schöppenstedt

Vereinsgründungen in den „neuen“ Bundesländern sind damals wie heute ein Fiasko. Nachwuchs ist eines der brisantesten Themen in der sehr aktiven Online-Community des Zwölfecks. Der Angriff sollte in den Ganztagschulprogrammen getätigt werden, die Altersklasse 12-13 scheint am günstigsten zu sein. Der TKC Kaiserslautern ist auf diesem Weg derzeit sehr erfolgreich und scheint langsam immer größere Früchte zu ernten. Imagefilm und andere Ideen sind beim DTKV in der Entwicklung. Der amtierende Präsident des Verbandes, Peter Funke, scheint hier investieren zu wollen und zeigt diesbezüglich ein großes Maß an Transparenz. Er löste Sebatian Krapoth ab, der nach vielen, vielen Jahren sein Amt abgab. Eine Ära ging zu Ende. Die Szene kann sich glücklich schätzen, dass es Menschen gibt, die die Verbandsstruktur so gut organisieren und strukturieren aber auch über das geforderte Maß hinaus einen großen Aufwand betreiben. Mit Alexander Beck fand man im Bereich Finanzen einen absoluten Fachmann, von dem der Verband nur profitieren kann.

Wohin die Reise gehen wird, wird sich in Zukunft zeigen. Die Verschwörungstheorien um Frank During und gewissen Aktionen sind wohl immer noch ein Geheimnis – und werden auch immer eins bleiben. Es ist aber deutlich zu merken, dass innerhalb der Szene ein größeres Maß an Solidarität herrscht und viele an einem Strang ziehen. Allein in den letzten 20 Jahren der Bundesliga hat sich das Klima stark verändert. Es gibt nahezu keine großen Rivalitäten mehr, sportlich selbstverständlich. Wenn man an die ganz alten Geschichten aus Hildesheim denkt oder vergangene Nord-Süd-Rivalitäten, die auch schon mal von Antipathie geprägt waren, dann ist die gegenwärtige Atmosphäre eher als familiär zu bezeichnen. Heimmannschaften beköstigen die Gäste sogar sehr oft mit Snacks und Getränken.

© Andreas Hofert

Die „Fantastic Four“ von Blau-Weiß Concordia Lübeck

In vergangenen Dekaden wurden sogar nachts heimlich die Platten auf den Turnieren vertauscht, dadurch erhofften sich einige gesetzte Spieler einen Vorteil. 1998 und 1999 wurden die „Fantastic Four“ aus der Marzipanstadt dabei auf frischer Tat ertappt. An den Platten und in den Blogs geht es mittlerweile auch ziviler zu. Der eine oder andere Außenstehende müsste sich sicherlich gefragt haben, wo er gelandet sei. Dabei sind wir doch wie kleine Kinder, die einfach nur spielen wollen und den Moment des Glücks jagen. Für Beleidigungen übers Internet oder gewisse Auseinandersetzungen an den Platten wurden gewisse Leute sogar für sechs Monate oder länger vom Turnierbetrieb ausgeschlossen. Gegenwärtig scheint es den Anschein zu haben, dass viele ihre „Macken“ an den Platten gegenseitig respektieren bzw. darüber gelacht wird. Ein Michael Kalentzi wurde sogar zivil. Love saves the day. Der eine oder andere ist gerne für ein gewisses Maß an Entertainment durchaus geschaffen, andere wiederum auch nicht. Letztendlich ist die Szene nur ein Abbild unserer bundesrepublikanischen Gesellschaft, in der sich alle Dialekte und Schichten unseres Landes widerspiegeln. In der Schule nennt man das Integration bzw. Inklusion. Der Sport verbindet, insofern sind wir diesbezüglich definitiv Vorreiter. Der Clash of cultures in Form der Ausuferung sämtlicher Dialekte ist teilweise – uferlos.

Auch Mitleid ist durchaus zu verzeichnen. Wenn man bedenkt, dass ein Spieler wie Michael Kaus seinen großen Traum, den Titel des Deutschen Einzelmeisters, so jagt und so oft in Form einer griechischen Tragödie in der Endrunde bereits scheiterte, dann ist das schon mehr als bitter. 2004 schoss ihn sogar unwissentlich sein eigener Teamkollege in der letzten Runde der Endrunde raus. 2009 hätte er im letzten Spiel gegen Christoph Weishaupt bei einer 4:3 Führung den Abstoß nicht mehr spielen müssen, doch er spielte diesen. Der Ball kam nicht aus dem Strafraum und Weishaupt lupfte den Freistoß, mit einem mehr als alten und für die technischen Möglichkeiten heutzutage eher rotten Spieler, den Ball ins Tor. 4:4 Endstand und Kaus war dadurch nicht im Endspiel, sondern mal wieder ein gewisser Herr Koch aus Lübeck. Ein wahrer Sisyphos-Effekt. Vielleicht sollte sich Herr Kaus auch an seine alten Tugenden erinnern und mit der sehr individuellen Vorbereitung aus dem Jahr 1999 auseinandersetzen. Schließlich gewann er dort seinen ersten Sektionstitel. Im Voraus schonte er sich so sehr, dass sein Jugendkumpel Alex Beck ihm sogar das Auto einparkte. Vielleicht sollte das „im Ansatz“ die richtige Marschroute sein. Seine Techno-Attacke 1998 in Düdinghausen bleibt bis heute ebenfalls unvergessen.

Wieder nur Zugucken: Michael Kaus (ganz rechts) bei der DEM 2009

Wieder nur Zugucken: Michael Kaus (ganz rechts) bei der DEM 2009

Viele können es einfach auch nicht lassen. Einige Akteure, die zu früheren Zeiten erfolgreich waren und dann irgendwann aufhörten, kamen urplötzlich wieder. Von André Bialk, Chrisitan Schäl über Stefan Pfaff oder Jürgen Marquardt. Bei dem Letzteren ist es dennoch so, dass weiterhin die alten Geschichten erzählt werden. Eine lebendige Endlosschleife. Abgefahren, das Unglaubliche ist, dass er für sieben Euro indirekt reaktiviert wurde. Auch er kommt vom Zwölfeck nicht los und opferte seine vielversprechende World-of-Warcraft-Karriere. Das Ergebnis: Nach eineinhalb Jahren in der zweiten Bundesliga Nordost. Ewige Talente aus Berlin wie Carsten Handtke versanken im Nirvana und kamen nie zurück. Einige andere haben mittlerweile nie mehr die Chance zurückzukehren. Mögen sie in Frieden ruhen. Auffällig ist jedoch, dass Leute, die ihren alten Spielstil behalten bzw. nach einer längeren Pause wieder begonnen haben, nicht an ihre alten Glanzzeiten anknüpfen können. Ein klarer Beweis dafür, dass das Niveau unseres Sports stark angestiegen sein muss.

Tipp-Kick wurde nicht nur professioneller, sondern im Rahmen der Gleichstellung entwickelte man sich ebenfalls. Einige Frauen steigerten ihr Niveau und sind mittlerweile über Jahre dabei, dennoch wird Birgit Kirschner schmerzlich vermisst. Aus beruflichen Gründen wurde sie teilweise zum Kosmopoliten. Separate Damenrunden sind bei der DEM normal und oftmals wird bei Turnieren die beste Dame mit einem Pokal geehrt. Dasselbe gilt für U-18 Teilnehmer. Political correctness! Eine Abstimmung zum/zur Spieler/in des Monats Mai 2015 zeigte sogar ein überraschendes Ergebnis: Manuela Winter erhielt mehr Stimmen als der frische Deutsche Einzelmeister, Philipp Baadte. In der Relation zur Frauenquote in der deutschen Wirtschaft haben wir anscheinend einiges voraus.

Die aktuelle Deutsche Einzelmeisterin Manuela Winter

Die aktuelle Deutsche Einzelmeisterin Manuela Winter

Vereine kommen und gehen. Während es den FC Bayern des Tipp-Kicks nicht mehr gibt, haben sich auch Traditionsvereine wie TKC Fortuna Hamburg, Wiking Leck oder der TKC Peine aufgelöst. Einige Vereine kamen (wieder) aus dem Nichts und verschwanden wieder, siehe Eving und Sprockhövel. Schade um diese großen Clubs. Dennoch ist es auf der anderen Seite erstaunlich, dass sich andere Vereine seit mehreren Jahrzehnten halten. Unangefochten die TFG aus Hildesheim, die seit 1938 besteht. Hoffentlich bleibt das auch so! Deutschlands größter Verein, der TKC Hirschlanden, ist aus seiner Heimatstadt nicht einmal wegzudenken und hat sich dort zu einer festen Institution entwickelt. Die Vereinsmeisterschaft ist teilweise stärker besetzt, als so manches Turnier. Unglaublich und Hut ab, Andreas Sigle! In den letzten 20 Jahren entwickelte sich auch Celtic Berlin zu einer Top-Adresse! „Lohmeier“ und seine Rasselbande avancieren zu einem Spitzenclub der Bundesliga. Drispenstedt gibt es auch seit fast drei Dekaden, einfach nur hervorragend. Es ist auffällig, dass aus verschiedensten Gründen ein Spielerkarussel entstanden ist. Einige haben in ihrer Laufbahn schon für zehn Vereine oder mehr gespielt. In anderen Geschichten erzählt man sich, dass es sogar einen Menschen in der Szene gibt, der mal wegen des Tipp-Kick-Sports von Stuttgart nach Berlin umgezogen ist. Das dürfte durchaus als Besonderheit gelten. Was die Zukunft bringen wird, wird sich zeigen. Nichtsdestotrotz lässt sich resümieren, dass sich vieles allein in den letzten 20 Jahren verändert hat. Fast durchgehend positiv. Doch bei den nächsten Veranstaltungen bleibt eines immer gleich: Schwarz und Weiß ändern sich nie und es heißt weiterhin „Zeit läuft“, hoffentlich noch viele Jahrzehnte weiter.

 

Fotos: Jens Käthner, Michal Zaczek, Andreas Hofert, Stefan Heinze, Max Gottschalk, Jan Komareck, artbot.de/dtkv