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Tipp-Kicker des Monats September 2017: Jakob Weber

Eine Wahl der Superlative endete passend mit einem Sensationssieger: rekordverdächtige 78 Stimmen wurden insgesamt gezählt, 36 mal stand ein Name auf dem Stimmzettel, dessen Träger im September weder ein Turnier gewonnen noch mit einer sagenhaften Liga-Einzelbilanz aufgewartet hatte: Jakob Weber von PWR Wasseralfingen ist Tipp-Kicker des Monats September 2017!

Nach über vier Jahren zurück an der Platte: Jakob Weber, Tipp-Kicker des Monats September 2017! (Foto: W. Renninger)

 

Abstimmung:

 

Noch nie war eine Wahl zum Tipp-Kicker des Monats so von einer Veranstaltung geprägt, noch nie wurde der Verlierer eines Finals anschließend zum Kicker des Monats gekürt. Zugegeben, es war nicht irgendeine Veranstaltung und auch kein x-beliebiges Finale: Die Deutsche Einzelmeisterschaft 2017 drückte der Abstimmung ihren Stempel auf, mit Max Bartels und Fabio de Nicolo waren unter den sechs nominierten Kandidaten nur zwei Kicker, die ihre Bewerbung nicht auf der DEM abgegeben hatten. Anna Lena Neumann (Deutsche Damen-Meisterin 2017), Daniel Bialk (Deutscher U-18-Meister 2017) und Philipp Baadte (Deutscher Einzelmeister 2017) holten die Titel bei der DEM.
Wenn dann am Ende der Verlierer des Finales der DEM zum Tipp-Kicker des Monats gewählt wird, muss es sich um eine besondere Geschichte handeln. Deshalb haben wir Jakob einige Fragen gestellt. Im Interview präsentierte er sich so, wie man ihn spätestens seit der DEM auch wieder an und neben der Platte wahrnimmt: Selbstbewusst, reflektiert, einfallsreich und extrem sympathisch!

Interview:

 

–              Hallo Jakob, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum Tipp-Kicker des Monats September 2017!

Vielen Dank!

–              Mal ehrlich: Bist Du überrascht über die Wahl oder hattest Du nach deinem fulminanten Auftritt bei der DEM und der denkbar knappen 2:3 Finalniederlage gegen Philipp Baadte sogar damit gerechnet?

Bei all den anderen Tipp-Kickern, die zur Wahl standen, konnte ich nicht unbedingt damit rechnen. Es freut mich natürlich umso mehr, dass so viele in der Tipp-Kick-Gemeinschaft für mich gestimmt haben und so in gewisser Weise meine Leistung honorieren.

–              In deinen eigenen Worten: Wer ist eigentlich dieser Jakob Weber?

Jung (19), akribisch, keck, originell, begabt, willensstark, ehrgeizig, beredsam, emotional, rechthaberisch.

–              Erst in der letzten Saison hast Du bei PWR wieder komplett durchgespielt, vorher war einige Jahre nichts mehr von dir zu hören. Hattest Du einfach „die Schnauze voll“ von Tipp-Kick oder waren andere Gründe dafür ausschlaggebend?

„Die Schnauze voll“ von Tipp-Kick? Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen! Tipp-Kick war, ist und wird immer ein großes Thema für mich sein. Da gab es andere Gründe, die mich davon abgehalten haben.

–              Gab es in dieser Zeit auch Phasen, in denen Du über einen längeren Zeitraum wirklich keinen Kicker in der Hand hattest?

Im Hause Weber ist es beinahe bis vollkommen unmöglich, keine Kicker in der Hand zu haben. Aber mit der Frage sind bestimmt meine eigenen Kicker gemeint. In den Jahren ohne Turnier gab es Phasen, in denen ich meine Spieler mal mehr und mal weniger in der Hand hatte. Wenn ich genau überlege, dürfte die längste komplette Abstinenzphase beinahe ein halbes Jahr gedauert haben.

–              Erzähl doch bitte mal, wie Du selbst die DEM in Bockenem erlebt hast. Hattest Du schon vor dem Turnier ein gutes Gefühl? Ab wann hast Du dann schließlich realisiert: Das kann heute ganz weit gehen?

Donnerstagmittag saß ich noch in der Hochschule und habe in einem Tutorium neue Erstsemester betreut, da hatte ich noch kaum einen Gedanken an die DEM verloren. Auch wenn die Zeit davor relativ intensiv hinsichtlich Tipp-Kick war, ging es dann am Freitagmittag ziemlich spontan gen Norden. Nach ziemlich genau 4,5 Jahren wieder ein DTKV-Turnier zu spielen, wieder mit Bruder und Papa unterwegs zu sein – das war schon ein Erlebnis an sich. Das Finale bei der DEM zu spielen hätte ich im Vorfeld sofort unterschrieben und ist mehr, als ich mir vorgenommen hatte. Wo ich stehe, konnte ich auch nicht hundertprozentig einordnen. Wenn ich ehrlich bin: Primäres Ziel war es zunächst, Tag 2 zu erreichen; ich habe dann jeweils von Runde zu Runde gespielt. Nachdem ich an Tag 2 mal wieder schlecht gestartet bin (0:4 Punkte und eine saftige Klatsche gegen Fabio), war ich extrem fokussiert und konnte das noch ausbügeln. Dementsprechend bin ich auch mit 4:0 Punkten in die Vorschlussrunde gestartet und war voll da!

–              In der Endrunde hast Du gegen Alex Beck, Frank Hampel, Jens Foit und Patrick Malessa gekickt, die zusammen insgesamt 37 Endrunden bei Deutschen Meisterschaften auf dem Buckel haben; nur Robert von Hering war Novize wie Du, hatte allerdings im letzten Jahr schon das Tourfinale für sich entschieden. Trotzdem hast du keines der fünf Matches verloren. Musstest Du dich zwischendurch mal zwicken oder hast Du gewusst, dass Du das drauf hast?

Gegen Robert, den ich bei der DEM kennenlernen durfte, war ich der Niederlage am nächsten, weil er sich erst einige Sekunden vor Schluss eine Ecke selbst reingeschossen hat (jedoch ging auch ein unhaltbarer Torwartschuss von mir an den Pfosten 🙂 !). Es hat sich zeitweise echt surreal angefühlt, weswegen ich mich und auch ein paar wenige Tipp-Kicker verdutzt fragen musste, ob das alles gerade so passiert. Ich weiß aber natürlich, was ich kann (und was nicht). Wenn das Ganze läuft und ich mein Ding mache, kann ich alles schaffen.

–              Hand aufs Herz: Dein erster Gedanke nach dem Schlusspfiff des Finales?

5 Sekunden vor Schluss: Mist, das war’s!
3 Sekunden vor Schluss: Das ist deine Chance!
1 Sekunde vor Schluss: Geil, der sitzt!

Im allerersten Moment danach habe ich mir gedacht, wie ich den nur darüber setzen konnte. Das hat aber nur sehr kurz angehalten. Philipp war stark und er ist auch ein Typ, dem ich das sehr gönne – ich für meinen Teil war und bin froh, das geschafft zu haben. Der Nachmittag hat sich einfach extrem geil angefühlt und mein erster Gedanke war: Das will ich wieder haben!

–              Wie wichtig war es für dich, dass dein Papa Bernd und dein Bruder Jonathan dabei waren? Hat dich das zusätzlich gepusht?

Familie ist nicht das Wichtigste, sie ist alles. Nach dem Ende der Vorschlussrunde war ich abseits vom Geschehen mit meinem Papa und Jonathan alleine, da bin ich ein wenig emotional geworden (auf Details verzichte ich hier 😉 ). Sonst waren (und sind) die beiden ein riesengroßer Rückhalt für mich, insofern hat es mir natürlich geholfen, dass sie dabei waren. Zum anderen hat mich einfach das Ereignis an sich getragen, mit der großen „Tipp-Kick-Familie“ (ein großes Danke an alle – nach all der Zeit hat sich nichts geändert) Zeit zu verbringen.

–              Wie schätzt Du selbst dein Spiel ein? Wo liegen deine Stärken, wo siehst Du Schwächen?

In letzter Zeit konnte ich beobachten, dass ich zum Teil extrem schwach in Spiele starte. Ich muss danach schauen, dass ich dauerhaft über 10 Minuten an der Platte zeige, was ich alles kann. Meine technischen Fähigkeiten sind grundsolide und damit lässt sich arbeiten, doch da hat mir der ein oder andere Spieler gewiss noch etwas voraus. Wenn ich etwas erreichen will, kommt mir zugute, dass ich Ehrgeiz, Mentalität und Wille habe: Ein ums andere Mal durfte ich gegen einen Rückstand anspielen und Spiele, in denen ich punkten oder gar gewinnen musste, konnte ich zu 100 Prozent für mich entscheiden.

–              Du als Sohn des größten Spieler-Tüftlers der Szene musst es doch wissen: Braucht man Lagerspieler?

Etwas zu brauchen sehe ich als ziemlich philosophische Frage an und gerade im Tipp-Kick gibt es einige Philosophen und Philosophien. Letztendlich zählt, dass ich einen Kicker in der Hand habe, mit dem ich Dir das Zwölfeck ins Viereck knalle. Vor ein paar Monaten (als ich noch nicht mit Lagerspielern gespielt habe) hätte ich diese Frage wohl noch anders beantwortet. Hinsichtlich Reproduzierbarkeit der Schüsse sehe ich nach etwa einem dreiviertel Jahr einen kleinen, aber feinen Vorteil (der oft entscheidend sein kann) auf der Seite der Lagerspieler. Was in meinen Augen aber viel schwerer wiegt, ist der Aspekt der Wartung. Bei der DEM muss ein Fussel in meinen Spieler gekommen sein, Schraube lösen, durchpusten, Schraube anziehen und alles war wieder in Ordnung. Scheiben hätte ich nicht so schnell wieder einsetzen können. Das System Lagerspieler bringt in meinen Augen keine Nachteile, lediglich Vorteile. Wenn ich das subjektiv bewerte, sehe ich einfach mit welch einer Leidenschaft mein Papa dabei ist und wie viel Spaß ihm das Basteln macht – objektiv betrachtet ist das, was er da macht und reinsteckt, einsame Spitze und spricht für sich selbst.

–              Wenn du dein Verhältnis zu Jonathan in Sachen Tipp-Kick betrachtest, was überwiegt: Konkurrenz oder Unterstützung?

Ich denke jeder, der Geschwister hat, kennt das, dass in jüngeren Jahren das ein oder andere Mal gestritten wird, mit der Zeit reduziert sich das aber auf ein Minimum. Man kann auf jeden Fall sagen, dass wir uns nahestehen. Genauso ist es in Sachen Tipp-Kick. Im Vordergrund steht bei unseren zum Teil exzessiven Sessions (Prädikat „meistbespielteste Platte Deutschlands“) nicht mehr die Frage, wer jetzt gewonnen hat und wer der bessere Spieler ist (diese Frage können sich gerne die anderen stellen), sondern die gemeinsame Zeit, die Freude (riesengroß!) und das gegenseitige Voranbringen. Auch in der Mannschaft ist es ein Miteinander. Nachdem es letzte Saison so knapp nicht gereicht hat, ist es unser gemeinsames Ziel, den PWR in die 1. Bundesliga zu führen.  Also: Unterstützung!

–              Endspiel DEM 2018 in Berlin: Jakob Weber – Jonathan Weber. Traum oder Alptraum?

Familie Weber regiert Tipp-Kick Deutschland? Nice! Bei mir überwiegt der Traum, bei dem Gedanken an ein Duell unter Brüdern wäre das für meinen Papa aber wohl eher ein Alptraum!

 

Gewinner des Materialgutscheins:

Unter den 78 Teilnehmern der Abstimmung haben wir wieder einen Materialgutschein in Höhe von 10.- Euro verlost. Der Gewinner ist:

Frank Derkow

Herzlichen Glückwunsch von der Rundschau-Redaktion!