Tourfinale 2016: Robert von Hering schafft die Sensation

Hätte man vor dem Tourfinale nach einem Favoriten auf den Gewinn gefragt, wären sicher die üblichen Verdächtigen genannt worden. Aber es sollte nicht so kommen. Der Sieg von Robert von Hering ist ungefähr so einzuordnen wie die Meisterschaft Leicester City´s in der englischen Premier League: Er gewann völlig überraschend und mit einem ganz eigenen Spielstil, den er der „Kieler Schule“ zuschreibt.

Für das Tourfinale haben sich im vergangenen Turnierjahr die 32 besten Tipp-Kicker qualifiziert, von denen tatsächlich 26 teilnehmen sollten. Pikant war, dass das Turnier im Schweizer System mit 10 Spielen in der Vorrunde ausgetragen wurde, sodass man ständig auf einem hohen Niveau spielte und sich keinen Durchhänger leisten durfte. Abgerundet wurde das Turnier durch ein progressives Play-Off. Dabei haben sich die 4 Bestplatzierten für das Viertelfinale direkt qualifiziert; die Plätze 5 bis 12 spielten in einer Extrarunde deren Gegner aus.

Nach der Vorrunde lag Max Daub (Hirschlanden) mit 16:4 Punkten auf Platz 1, nachdem er am Vortag bereits die 56. Norddeutsche Einzelmeisterschaft gewonnen hatte. Komplettiert wurden die Top 4 von Robert von Hering, Alex Beck und Beni Buza (beide Frankfurt). Die Play-Offs wurden im Best-of-three Modus ausgetragen, sprich man musste 2 von 3 möglichen Spielen für sich entscheiden, um in die nächste Runde einzuziehen.

 

Extrarunde

Frank Hampel (Frankfurt) – Max Gottschalk (Berlin) 3:1 / 6:4

Im Duell der ehemaligen Vereinskameraden setzte sich mit Frank die Erfahrung durch. Insbesondere seine Strafraumbälle stellten eine scharfe Waffe gegen Max dar, der nicht wirklich ins Spiel kam.

Artur Merke (Hirschlanden) – Florian Stähle (Hirschlanden) 7:5 / 4:2

Wie oben besiegte die Erfahrung das Talent. Gerade im ersten Match lag Florian viel zu schnell viel zu hoch hinten, um Artur ernsthaft zu gefährden. Dieser wusste diesen Vorteil geschickt zu nutzen und hatte in den beiden Partien keine Probleme mit seinem Vereinskameraden, der dennoch ein starkes Turnier zeigte.

Jonathan Weber (Wasseralfingen) – Philipp Baadte (Kaiserslautern) 1:3 / 4:2 /4:0
Nachdem Philipp das erste Duell noch ungefährdet für sich entschieden hatte, schienen bei ihm die Kräfte nachzulassen, sodass er nach eigener Aussage immer schwächer spielte. Daher war es die logische Konsequenz, dass Jonathan die Oberhand behalten würde. Einziges Manko bei ihm: Im entscheidenden 3. Spiel ließ er 6 (!) zentrale Strafraumbälle aus.

Patrick Malessa (Berlin) – Fabio de Nicolo (Grönwohld) 0:2 / 4:6

Im Duell der beiden Lautsprecher sollte sich Fabio glatt in zwei Spielen durchsetzen. Im zweiten Spiel konnte Patrick gut mithalten, aber er musste einiges riskieren, um nochmals zurückzukommen. Dies sollte aber nicht sein, sodass sich das Nordlicht über den Einzug in das Viertelfinale freute.

 

Viertelfinale

Max Daub – Frank Hampel 3:4 / 6:1 / 4:3

Nachdem Frank das erste Spiel mit 4:3 für sich entschieden hatte, überzeugte Max im zweiten und machte seinen Gegner mit 6:1 nieder. Psychologisch im Vorteil dominierte er auch das dritte Duell, welches mit 4:3 zu seinen Gunsten endete. Am Vortag der Sieger und dann im Halbfinale: Max ist aktuell in absoluter Topform.

Beni Buza – Artur Merke 0:1 s.d. / 3:5

Ein 0:0 nach der normalen Spielzeit von 10 Minuten ist im Tipp-Kick etwas Seltenes, geht es doch ständig hin und her. Die beiden Duellanten Beni und Artur vollbrachten im ersten Spiel aber dieses Kunststück. Im Sudden Death allerdings fiel sehr schnell das 1:0 für Artur. Gestärkt durch diesen Erfolg setzte sich dieser auch im zweiten Duell gegen den zweifachen Deutschen Einzelmeister durch.

Robert von Hering – Jonathan Weber 4:3 s.d. / 4:2

Im Duell der letzten Zweitligisten war Robert der stärkere Akteur, zumal er in der Vorrunde seinem schwäbischen Konkurrenten beim 3:0 keine Chance ließ. Im ersten Spiel rettete sich Jonathan noch ins Sudden Death, allerdings sollte der K.O. direkt mit dem ersten Schuss erfolgen. Im zweiten Spiel jagte er ständig einem Rückstand nach, sodass Robert verdient ins Halbfinale einzog.

Alex Beck – Fabio de Nicolo 2:1 / 3:2

In der Neuauflage des DEM-Finales von 2010 sollte auch dieses Mal Alex die Oberhand behalten. In zwei sehr von der Taktik geprägten Partien setzte sich der Frankfurter durch. Gekonnt wusste er, wie er den knappen Vorsprung verwalten musste, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren.

 

Halbfinale

Max Daub – Artur Merke 2:3 / 2:1 / 3:4 s.d.

Das Duell der Teamkollegen fand auf Augenhöhe statt. Nachdem Artur mit einem 3:2-Sieg vorlegte, konnte Max im zweiten Duell durch ein 2:1 nachziehen. Weil im letzten Spiel keiner von beiden wirklich besser war, musste das Sudden Death entscheiden. Hier war Artur der Glückliche.

Robert von Hering – Alex Beck 3:2 s.d. / 1:2 / 2:1

Im Duell der Defensivspezialisten war Robert stets ein bisschen besser. Weil das erste Spiel nach 10 Minuten unentschieden stand, musste er im Sudden Death alles klar machen. Die daraus resultierende Frustration konnte Alex aber im zweiten Duell zu seinem Vorteil bündeln, denn er setzte auf mehr Ballbesitz. Im dritten Spiel stand es lange ausgeglichen, aber heute stand das Glück des Tüchtigen auf Roberts Seite, sodass der Kieler für alle überraschend das Finalticket buchte.

 

Finale

Im Finale standen sich mit Artur und Robert zwei sehr rational denkende Tipp-Kicker gegenüber. Beide spielen nur mit einem Kicker und zudem sehr konzentriert, sodass sie stets in der Lage sind, die Fehler des Gegners auszunutzen. Artur hatte im Gegensatz zu Robert Finalerfahrung: Neben einigen kleineren Turnieren gewann er die Ostdeutsche Einzelmeisterschaft 2015. Robert hatte sich in den letzten Jahren stetig verbessert und als Vertreter des „Tipp-Kick-Sports“ im Verein zweimal in der Woche trainiert.

Robert (rechts) ließ Artur im Tourfinale-Finale keine Chance.

Man merkte den Kontrahenten die Anspannung an. In der ersten Halbzeit kontrollierte Robert das Spiel, ohne jedoch zu gefährlich zu werden. Dennoch konnte er in Führung gehen und auf dieser in der zweiten Halbzeit aufbauen. Schon kurz nach dem Seitenwechsel jubelte der Kieler abermals, als er mit einem Grinsen im Gesicht schon vor dem Schuss wusste, den Ball zu versenken. Alle hatten erwartet, dass Artur nun alles dafür tun würde, um nochmals ranzukommen. Dem war aber nicht so, denn Robert konnte durch einen sehenswerten Treffer mit 3:0 davonziehen. Als Artur dann aber in der vorletzten Minute den Anschlusstreffer erzielte, keimte nochmals Hoffnung auf, welche sofort wieder zunichte gemacht wurde: Robert erzielte einhändig das 4:1, weil er nach einem Abpraller schneller als sein Gegner schaltete. Zu diesem Zeitpunkt wussten alle Zuschauer in der Halle, dass dieses Finale entschieden war. Gekonnt spielte der Doktorand die letzten Sekunden runter, um dann jubelnd den Erfolg zu genießen!

 

Alle Platzierungen werden demnächst hier veröffentlicht.