Interview mit dem neuen Deutschen Einzelmeister Artur Merke
1. Zum historischen Triumph
„Herzlichen Glückwunsch zum dritten Titel! Aller guten Dinge waren diesmal drei – damit gehörst du nun endgültig zum erlesenen Kreis der dreifachen Deutschen Einzelmeister. Was bedeutet Dir dieser spezielle Titel bei der 60. Jubiläumsmeisterschaft im Vergleich zu Deinen Siegen 2022 und 2024?“
Irgendwie waren alle Titel wichtige Meilensteine für mich. 2022 wäre ich fast gar nicht hingefahren, aber dann habe ich mir gesagt, dass wenn ich nicht zur DEM fahre, dann geht es irgendwie dem Ende zu. Ich hatte auch schon fast damit abgeschlossen, dass ich jemals den größten Traum wohl eines jeden Tkers noch schaffen würde. 2024 war natürlich das Mega Highlight, eines der 10 meistbesuchten Turniere in der TK Geschichte, und dann auch noch die tolle Atmosphäre des 100 jährigen Jubiläums. Nach dem verlorenen Finale 2025, hätte es mich schon gewurmt zum zweiten Mal in Folge zu verlieren. Aber zum Glück habe ich mir während des Turniers (und auch während des Finales) nicht groß Gedanken dazu gemacht. Spätestens ab der 2. Halbzeit war ich voll im Flow. Das nötige Quäntchen Glück war in der ersten Halbzeit dabei. Im Moment fühle ich mich irgendwie vollständig, was meine TK Karriere angeht. Soll aber nicht heißen, dass ich nicht wieder angreifen werde.
2. Zur Final-Dynamik gegen Benjamin Buza
„Das Finale gegen Deinen ehemaligen Teamkollegen Benjamin Buza ging nach einem unglücklichen Eigentor zum 1:1-Ausgleich in eine heiße Phase. Danach hast Du ‚wie aus einem Guss‘ agiert. Wie schafft man es in so einem mentalen Schlüsselmoment auf diesem Niveau, die Nerven zu behalten und das Spiel so dominant an sich zu reißen?“
Die einfache Antwort steht schon in meinen Ausführungen oben. Wenn man es schafft in den Flow zu kommen (und das ist wahrlich nicht so einfach), dann nimmt man keine Zeit mehr wahr, ist voll im Jetzt und die abertausenden von Stunden, die man an der TK Platte verbracht hat, machen auf einmal auf Autopilot. So habe ich es jedenfalls empfunden. Tatsächlich war ich bei allen 3 DEM Titeln voll im Flow. Der Rückstand nach dem Mega Brett von Beni hat mich auch gar nicht so beschäftigt. Natürlich war der Ausgleich sehr glücklich, aber die 2 Halbzeit ging dann voll an mich.
3. Zum Vereinswechsel und Deine Skills in der Mannschaft
Du bist bei der Deutschen für den TKV Grönwohld angetreten. Wie erklärst du dir, dass du so ein überragender Einzelspieler bist, aber in der Mannschaft nicht an diese Leistungen anknüpfen kannst?
Dazu habe ich mir auch schon so meine Gedanken gemacht. Im Prinzip sind es zwei verschieden Disziplinen (so hat es Georg mal bezeichnet). Bei der einen muss du sofort von 0 auf 100% voll da sein, sonst gehst Du knallhart unter die Räder.
Ein Turnier hat so seine eigene Dynamik, die man richtig Lesen und für sich Nutzen können muss. Ich habe es auch immer gehasst, im Gruppenmodus am Sonntag in die erste Runde zu gehen (damit bin ich aber wahrscheinlich nicht alleine). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich nach der DEM 2024 nicht voll mit meinem Material zufrieden war. Daher waren meine Ergebnisse für KL wirklich unterirdisch.
Auch die ganzen zweiten Plätze letztes Jahr und die verkorkste erste Jahreshälfte 2026 (nicht ansatzweise eine Sektionsendrunde erreicht) zeugen ein Bisschen davon. Ich habe tatsächlich nach der SDEM gesagt, dass ich das Jahr eigentlich nur noch retten kann, wenn ich DEM werde (da war es noch ein Scherz :-).
Habe dann im Sommer etwas an meinem Material gearbeitet, und dann auch gleich gemerkt, dass ich ein viel besseres Gefühl habe. Bin dann aber erst mal in Urlaub gegangen, und quasi direkt danach ohne zu üben nach Düsseldorf gefahren. Komplett ohne Druck irgendetwas gewinnen zu müssen. Und siehe da, der Spieler ging immer noch voll ab. Bis zur DEM habe ich im Training mit Georg meine Abwehr stabilisiert, und schon hat die Mischung gestimmt.
4. Zu den Erfolgsfaktoren im Tipp-Kick
„Drei Titel in fünf Jahren zeigen eine enorme Konstanz. Was sind die größten Faktoren für Deine Erfolgsgeschichte?
Jeder hat so seine Methoden, die auch nicht lautstark verraten werden 🙂 Man darf nicht vergessen, dass auch immer etwas Glück im Spiel ist. Tatsächlich hat mich aber der erste DEM Titel irgendwie gefestigt (die erste Million ist die schwierigste :-).
Ein Faktor ist sicher auch, dass ich nur mit einem Spieler spiele (schon immer). Allerdings muss dieser auch passen, wenn der schwächelt, bin ich fast schon aus dem Gefecht genommen. Umgekehrt aber, wenn der gut läuft, bin ich mit dem so eingespielt, wie kaum jemand sonst mit seinen Spielern.
Ich habe mir (auch schon früher) viele Gedanken zur mentalen Stärke gemacht. Habe seinerzeit viel dazu gelesen, und versucht es in der Praxis umzusetzen. Ich würde z.B. nie auf ein Turnier fahren, und mir vornehmen, es gewinnen zu müssen. Ich nehme mir eher vor, gut zu spielen, und bisher hat es das eine oder andere Mal zu (sehr) guten Ergebnissen geführt.
5. Zum Blick in die Zukunft
„Mit 53 Jahren stehst Du auf dem Zenit des deutschen Tipp-Kicks. Dein Sohn Lasse strebt Dir nach. Sehen wir Dich in naher Zukunft zusammen mit Deinem Sohn in einer Mannschaft? …und wer wird Deutscher Mannschaftsmeister 2026?
Ich glaube ich bin der älteste DEM aller Zeiten :-). Momentan fühle ich mich auch fit genug, es mit der jungen (und mittlerweile auch sehr starken) Garde aufzunehmen. Ist vielleicht etwas wie im Dart Sport, wo auch schon mal ältere Semester Weltmeister geworden sind. Mit Mannschaftspielen habe ich (fast) abgeschlossen. Mein Gastspiel für Grönwohld hat aber tatsächlich mal wieder richtig gute Laune gemacht. Also Jungs, wenn Ihr mal wieden gen Süden müsst, könnt Ihr mich wieder anrufen :-).
Es würde mich wohl auch nochmal reizen, mit einer guten Mannschaft in einem DMM Playoff(finale) zu spielen. Vielleicht um mal mein Alleinstellungsmerkmal etwas abzumildern, da ich der einzige Tipp Kicker bin, der mit 0:8 Punkten im Finale, DMM geworden ist (allerdings war ich maßgeblich daran beteiligt, dass wir damals nicht abgestiegen sind, und überhaupt das Finale erreicht hatten).
Ansonsten müsste ich öfters mit Lasse trainieren, das haben wir leider etwas schleifen lassen, Aber er ist noch jung, und der Spaß dabei ist das Wichtigste. Die vielen Niederlagen zu Beginn sind natürlich schwer zu verdauen. Man trifft ja fast auf keine Anfänger mehr. Von daher schauen wir mal, wie es sich weiter entwickelt, ohne großen Druck. Sollte irgendwann der große Ehrgeiz dazukommen, werde ich natürlich als Sparringspartner (und ein Bisschen auch als Trainer) zur Verfügung stehen.
Wegen DMM 2026: es läuft auf ein Duell zwischen Frankfurt und Hirschlanden hinaus. Hirschlanden hat eine super Saison gespielt, und sehr geschlossen agiert. Es wird etwas auf die Tagesform ankommen. Im Moment sehe ich trotzdem Frankfurt leicht im Vorteil (es wird wohl auch auf den Joker William Schwaß ankommen), würde aber ungern größere Mengen Geld darauf wetten. Wie eng es zugehen kann sieht man auch daran, dass Beni mit lediglich einem Tor Vorsprung vor Max Gottschalk die BL Einzelwertung gewonnen hat.
Vielen Dank für das Interview Artur und weiterhin viel Spaß mit dem zwölfeckigen Ball!
- 2026
- Finale 2026
- 2022 – Jerze
- 2024 – Villingen Schwenningen
- Sohn Lasse mit Max Daub
- Meistermannschaft 2013
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