Eine Stille, die schmerzt – Tipp-Kick und die Corona-Pandemie

Liebe Freunde des gepflegten Tipp-Kick-Spiels,

ja, in diesen Zeiten fällt es schwer, über Tipp-Kick nachzudenken, aber auch gleichzeitig auf spannende Matches und Wettkämpfe zu verzichten. Die Gesundheit steht an erster Stelle – die schrecklichen Bilder von Bergamo oder New York hat jeder wahrgenommen – da gibt es keine Zweifel. Meine Tipp-Kick-Spieler haben Namen ehrwürdiger Fußballspieler. Die letzten Wochen verbrachte ich oft alleine an der Platte und inzwischen läuft das Corona-Team auf: Drosten als Spielmacher, Kekulé der Strafraumkönig. Was so ein klitzekleines Corona-Virus von 160 nm Größe alles bewirken kann…

Bleibt so ein Virus eigentlich am Tipp-Kick-Ball haften? Und wenn mein Gegner jubelt oder flucht, spielen bestimmt nicht nur die Endorphine im Gehirn Salto Mortale, sondern auch die Viren in den feinen Tröpfchen von denen wir Tausende pro Atemzug ausatmen. Und verlassen unter Umständen ihren letztmaligen Besitzer. Hier könnte natürlich ein wirksamer Mundschutz unterstützend schlimmeres verhindern. Doch müssen wir beim nächsten Turnier Sanitäter bereitstellen, die die Hyperventilierenden beruhigen?

Auch wenn zur Zeit die Beschränkungen je nach Bundesland immer weiter aufgehoben werden, bedeutet alleine die Vorgabe eines Mindestabstandes, dass wir unser geliebtes Hobby noch nicht weiter ausüben dürfen.

Dieses Wissen vorausgesetzt, sollen hier die Auswirkungen der Corona-Infektionswelle auf unseren geliebten „Tipp-Kick-Sport“ betrachtet werden. Leidet der Hersteller des Spieles, die Firma Mieg, darunter? Wie reagiert der DTKV, unser Verband? Was bedeutet das Geschehen für die Ausrichter der Deutschen Einzelmeisterschaft? Wie beeinflusst die Pandemie das Vereinsleben?


Fragen an Jochen Mieg (Gesellschafter der Edwin Mieg OHG)

Die Firma Mieg stellt unser Spiel seit 1924 her. Finden Fußball-Großereignisse statt, steigt parallel der Umsatz an. Doch welchen Einfluß hat Corona auf den Hersteller? Wird wegen der verschobenen Europameisterschaft der Fußballer weniger umgesetzt? Oder sogar mehr, weil die Familien plötzlich mehr Freizeit haben? Einzelne Materialien werden im Ausland angefertigt, auch in China. Sind oder waren die Lieferketten unterbrochen? Gibt es Kurzarbeit am Heimatstandort der Tipp-Kick-Spielwarenfirma? Wie können die einzelnen Tipp-Kicker den Hersteller unterstützen?

Jochen Mieg, Gesellschafter der Edwin Mieg OHG, beantwortete mir diese Fragen folgendermaßen:

„Wir hatten unglaubliches Glück, bis dato völlig unbeschadet aus der bzw. durch die Corona-Krise zu kommen. Weder war Kurzarbeit nötig, noch mussten wir irgendwelche Hilfen oder Förderprogramme in Anspruch nehmen – im Gegenteil, wir haben uns sogar für die Monate ab März bis Juli/August einen jungen Aushilfs-Mitarbeiter ins Haus geholt um dem Geschehen Herr zu werden. Freilich hatte dies auch damit zu tun, dass wir seit dem Tod unseres langjährigen Mitarbeiters Johann Thiessen im Jahr 2018, der die Verantwortung für den gesamten nicht-administrativen Bereich trug, personell am absolut unteren Limit agierten. Viele Aufgaben im gewerblichen Bereich hatten seit 2018 Mathias und ich zusätzlich übernommen.

Wichtige oder auch glückliche Faktoren für die gesamte Branche der Spieleverlage während der harten Phase der Corona-Krise (Lockdown) waren in der Tat, dass viele Familien durch Homeoffice, Quarantänemaßnahmen etc. plötzlich viel Zeit für sich hatten. Auch mussten innerhalb dieser Familien viele Kids neben dem „Home-Schooling“ und gewiss drastisch gestiegener Online-Zeiten auch anderweitig sinnvoll beschäftigt werden. Diesen Fakten geschuldet, konnten wir und unsere Kollegen/-innen aus der Branche einen deutlichen Anstieg des Online-Geschäftes verzeichnen. Im Online-Umsatz hatten wir quasi ein zweites Weihnachten.

Der Wermutstropfen dabei: Bestellungen aus dem Spielwaren-Fachhandel waren sehr spärlich – lediglich die Händler, die neben dem stationären Geschäft auch online tätig sind, konnten den durch die angeordneten Ladenschliessungen entstandenen Ausfall wenigstens etwas kompensieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Situation kurz- und mittelfristig im Handel auswirkt. Wir befürchten, dass die Corona-Krise den Spielwarenfachhandel in Deutschland und Europa, der ja ohnehin nicht zu einer wachsenden und renditestarken Branche gehört, weiter ausdünnen wird.

Ein weiterer Glücksfaktor für uns war, dass wir trotz Corona sämtliche bei uns im Hinblick auf die geplante 2020er EM beauftragten Großprojekte zu 100% abschließen konnten. Die Großprojekt-Kunden haben aufgrund der EM-Verschiebung aktuell daher gut mit TIPP-KICK Artikeln gefüllte Lager und haben die geplanten Aktionen logischerweise auf 2021 verschoben. Da sind noch ein paar sehr spannende Sachen dabei – to be continued in 2021  😉

Dass wir in der Lage waren, diese Projekte ohne eine einzige Beanstandung und ohne Zeitverzug abzuschließen, war selbst für uns unfassbar, da wir die „Big Deals“ alle zu 100% in China produzieren. Dem Einsatz unseres Agenten in China (er gehört inzwischen fast zur Familie) gebührt hier das größte Lob.

Vor Chinese New Year (CNY) hatten wir ca. 30% der für die Projekte benötigten Ware bereits ausgeliefert, bzw. auf See, unterwegs zu unseren Kunden. 70% mussten nach CNY (also ab Anfang Februar) bis ca. Mitte April produziert und auf die Reise gebracht werden, also genau in der Zeit, in der in China der 100% Lockdown herrschte. Unser Agent hatte Mühe, von der Nürnberger Spielwarenmesse zurück nach China zu kommen, da quasi keine Flüge mehr angeboten wurden. Es gelang ihm schliesslich mit irgend einer russischen Fluggesellschaft mit einwöchiger Verspätung. Damals war die EM noch nicht abgesagt, für uns war klar, dass wir ohne Zeitverzögerung liefern müssen, um nicht unseren Kunden eine Möglichkeit zu geben, Verträge zu kündigen oder Vertragsstrafen „ziehen“ zu können.

Unser Produktionsbetrieb in China war allerdings auch nach Chinese New Year komplett unbesetzt, lediglich die Inhaberfamilie und unser Agent waren vor Ort. Circa 70 Arbeitnehmer, die für unsere Projekte arbeiten, befanden sich mangels erlaubter Reisemöglichkeiten noch in ihrer Heimat oder in Quarantäne. Um die Produktion wieder in Gang zu bringen, sammelte unser Agent mit der Inhaberfamilie durch Haus-zu-Haus-Besuche im Umkreis des Betriebes Menschen ein, die nicht in Quarantäne sein mussten und froh waren, irgendwo ein Einkommen erzielen zu können. Diese zumeist völlig ungelernten Kräfte wurden mittels „learning by doing“ in die erforderlichen Arbeiten eingewiesen. So wurde mit einem Miniteam über ca. 3 Wochen produziert – unser Agent erzählte, dass der Betrieb der einzige in weiter Umgebung war, der überhaupt produzieren konnte.

Im März konnte der Produktionsbetrieb dann wieder mit 100% agieren und mittels initiiertem Mehrschichtbetrieb war dann schnell klar, dass wir keine Verzögerungen gegenüber unseren Kunden kommunizieren mussten. Durch frühzeitigste Disposition von Containerplätzen , die aufgrund kaum noch fahrender Frachtschiffe zu einem super knappen Gut wurden, konnten wir auch dieses letzte Glied in der Kette so organisieren, dass alles, wirklich alles, sauber durchlief.

Einschätzung unserer Aussichten:

Spannend wird, wie sich das Weihnachtsgeschäft 2020 darstellen wird. Wurden in der Corona-Krise bereits Käufe vorgezogen? Wird innerhalb unserer Zielgruppe aufgrund wirtschaftlicher Faktoren (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit …) künftig am Budget für Spielwaren / Spielzeug gespart? Wie viele Spielwarenhäuser werden bis dahin insolvent sein?

Andererseits werden wir mit Sicherheit von der auf 2021 verschobenen EM nochmals profitieren. Der eine oder andere Kunde, der in 2020 noch nicht dran gedacht hatte, wird bis dahin noch auf die Idee kommen, TIPP-KICK als sein individuelles Werbemittel einzusetzen. Auch haben wir im Werbemittelbereich Kunden, die bereits angekündigt haben, dass sie ihre 2020er Aktion mit TIPP-KICK durchziehen und im Jahr 2021 noch einen drauf setzen wollen.

Es bleibt für uns spannend. Wir selbst bleiben optimistisch.

Die letzte Frage, wie Ihr TIPP-KICK bzw. uns unterstützen könnt:

Wir drücken die Daumen, dass es bald wieder möglich sein wird, TK-Turniere zu organisieren und den Ligenspielbetrieb wieder aufzunehmen. Durch große und kleine Presseberichte, die Ihr Profis ja immer wieder initiiert und bekommt, tragt Ihr einen wirklich tollen Teil dazu bei, dass TIPP-KICK im Gespräch bleibt.“


Interview mit Peter Funke (Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Vorsitzender des DTKV-Präsidiums)

Peter Funke verkündete am 14. März den gemeinschaftlichen Beschluss des DTKV-Vorstandes über den Lockdown des Verbandes. Sämtliche Pflichtspiele des Mannschaftsspielbetriebes sowie der komplette Einzelspielbetrieb wurden mit sofortiger Wirkung eingestellt. Am 20. Juni teilte er nach einer Telefonkonferenz mit den Mitgliedern der Sektionsleitungen aller vier DTKV-Sektionen sowie dem Präsidiumsmitglied Vito Filipiak mit, dass der Lockdown im Wesentlichen weiterhin bestehen bleibt. Es gibt noch keine endgültige Entscheidung, ob die Saison weitergeführt oder annulliert wird. Sämtliche Beschlüsse dazu wurden auf der Verbandsseite (www.dtkv.info) sowie in der Facebook-Gruppe veröffentlicht.

A.B. (André Bialk):

Hallo Peter, nach langen Wochen gab es auf der Facebook-Seite wieder ein offizielles Statement des Verbandes. Wie sehr hat die Corona-Pandemie unseren Tipp-Kick-Sport zurückgeworfen? Ist zu befürchten, dass wir Vereine verlieren und die Mitgliederzahlen weiter sinken werden?

P.F. (Peter Funke):

Es ist schon ein herber Einschnitt, dass so plötzlich alles auf Null gesetzt wurde. Aber da man davon ausgehen kann, dass dadurch viele ihr Leben behalten haben, ist dies das absolut kleinere Übel. Man sieht ja auch gerade, was in den Ländern passiert, wo die Schutzmaßnahmen erheblich lockerer gehandhabt werden. Und bei allem haben wir den „Vorteil“, dass niemand von uns Spielern durch Corona Einnahmen aus Tipp-Kick verliert. Und die Statements aus Schwenningen geben ja ebenfalls keinen Grund zur Panik.

Dass wir Vereine verlieren werden, befürchte ich nicht. Es könnte aber sein, dass der eine oder andere Einzelspieler, der eh schon länger ans Aufhören gedacht hat, jetzt solch einen Schritt vollzieht.

Vito Filipak berichtet als Bundesmitgliederbetreuer andererseits von Neuinteressenten, so dass hier vielleicht sogar der ein oder andere Rückzug kompensiert werden kann.

A.B.:

Im letzten Beschluss wurde vorsichtig die Hoffnung geäußert, dass es im September weitergehen könnte. Glaubst du persönlich, dass wir wieder tolle Matches erleben werden – ohne Masken und Desinfektionsspender an jeder Platte?

P.F.:

Hier bleibt leider nach den jüngsten Nachrichten noch ein gehöriges „Vielleicht“. Spielen mit Masken ist gedanklich gewöhnungsbedürftig – das würde nur Sinn machen, wenn alle Tipp-Kicker da mitziehen. Jemand, der mit Asthma zu kämpfen hat, tut sich da besonders schwer – und das ist natürlich auch zu berücksichtigen. Kurzum – ich favorisiere die Variante ohne Masken. Dass nun ausgerechnet beim Tipp-Kick das mit dem Abstand nicht hinzukriegen ist, ist wirklich bedauerlich. Eventuell die Saison nochmals zu strecken und dann eine Saison zu haben, die insgesamt zwei Jahre läuft – für mich eine Variante, mit der man man leben könnte (also den Spielbetrieb im Januar 2021 wieder aufnehmen – vielleicht macht man dann Sektionswochenenden – samstags das Turnier für 2020 und sonntags das für 2021).

A.B.:

Am 26. September soll die Deutsche Meisterschaft in Wolfsburg stattfinden. Was ist, wenn kurzfristig der Landkreis Wolfsburg den Lockdown verkünden würde? Würde dann der DTKV den finanziellen Schaden des Veranstalters ausgleichen?

P.F.:

Die Wolfsburger haben bezüglich der Halle eine Stornierungsoption. Sollte es aber dennoch zu einem Schaden zu Lasten der Wolfsburger kommen, würde der Verband helfen. Dafür sind Rücklagen da.

A.B.:

In letzter Zeit hatte der Verband unruhiges Fahrwasser. Stetig sinkende Mitgliederzahlen, zurückgetretene Präsidiumsmitglieder, Diskussionen um die Turnierrangliste, das Thema „e.V.“ usw. Konnte in der Zwischenzeit das ein oder andere Thema vorangebracht werden?

P.F.:

Die Zahl der Vereine mit einer richtigen Struktur und regelmäßigem Trainingsbetrieb ist klein geworden. Da macht der e.V. des Verbandes aus meiner Sicht keinen Sinn. Die Turnierrangliste läuft weiterhin über artbot. Jetzt für eine Aufwandsentschädigung – wo ich aber nicht dagegen bin. Es ist mir lieber, es macht einer von uns zuverlässig, als dass wir alle Jahre verzweifelt jemanden suchen müssen, der eine teure Alternativlösung betreut. Ansonsten ist es viel ruhiger geworden. Zarte Pflänzchen der Verständigung wachsen. Da habe ich Hoffnung, dass wir nicht mehr durch Streitereien im Gespräch bleiben, sondern aufgrund sachlicher Themen. Wenn die Fußball-EM 2021 stattfinden kann, hoffe ich, dass die Aktionen der Firma Mieg auch der Mitgliedergewinnung förderlich sind.

A.B.:

Auch der jährliche Bundestag fiel der Pandemie zum Opfer. Werden wir erstmalig in der Tipp-Kick-Geschichte eine Videokonferenz erleben, auf der der Bundestag nachgeholt wird? Vielleicht sogar mit Dutzenden Zuschauern?

P.F.:

Wir planen für den 12.9.2020 den Bundestag in Bochum mit persönlicher Anwesenheit. Wir kommunizieren aber die ganze Zeit, so dass wir aktuell reagieren können.

A.B.:

Vielen Dank, Peter, für deine Antworten! Bleib gesund!

P.F.:

Das wünsche ich Dir und allen Tipp-Kickern auch, danke!


Infos von Marcel Becker (SG Wolfsburg/Adersheim) zur DEM 2020 in Wolfsburg

Für den 26./27. September ist offiziell die Durchführung der Deutschen Einzelmeisterschaften in Wolfsburg geplant. Marcel Becker, Mitorganisator der ausrichtenden SG Wolfsburg-Adersheim, teilt zum momentanen Stand der Vorbereitungen für die 60. Deutschen Meisterschaften in einem Beitrag auf Facebook folgendes mit:

 

„Wir werden definitiv keine 1,5 m Sicherheitsabstand einhalten können. Den ganzen Tag mit Masken spielen, sofern uns das auferlegt wird, ist nicht realisierbar. 
Unser jetziger Stand ist, dass die Halle definitiv für uns reserviert ist. Ich bin in intensiven Gesprächen mit der Stadt Wolfsburg, dem Eigentümer der Halle, und die Vertreter der Stadt sind sehr kooperativ. Wir hoffen natürlich, dass weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen einen „normalen“ Turnierablauf ohne Auflagen ermöglichen. Wenn abzusehen ist, dass aufgrund von Corona bei einer DEM bspw. nur 60-70 Leute erscheinen, müssen wir uns als Veranstalter auch Gedanken machen, ob das noch Sinn macht. Bei einer Hallenmiete von über 1.200 Euro sind wir auf Startgelder und Einnahmen durch Catering angewiesen, ansonsten machen wir nur Verluste.
… Aktuell dürfen in Niedersachsen in der Öffentlichkeit (nur) maximal 10 Leute ohne Mindestabstand von 1,5 m zusammenkommen und auch ohne Maskenpflicht. Bei mehr als 10 Personen gilt die Zwei-Haushalte-Regel.

Ich interpretiere das so, dass unter diesen Umständen keine DEM 2020 in Niedersachsen stattfinden kann.

Somit sind wir auf weitere Lockerungen angewiesen, die es uns erlauben, eine Veranstaltung von über 100 Personen, ohne Sicherheitsabstand, ohne Maskenpflicht durchzuführen.

Die Vorbereitungszeit für die DEM 2020 ist ohnehin schon sehr kurz, weil wir aktuell noch gar nicht wissen, ob es stattfindet, wie es stattfindet und was genau wir beachten müssen. Umfangreiche Hygiene-Konzepte können wir gar nicht planen, weil wir nicht wissen, welche da auf uns zukommen und ob wir das neben der „normalen“ Vorbereitung überhaupt schaffen. Nebenbei bemerkt: Wir haben zwei Teams: Catering und Turnierleitung, vielleicht brauchen wir Team 3 für Hygiene, um die Bälle zu putzen …“


Infos von Andreas Sigle (TKC 71 Hirschlanden)

Etliche Vereine haben das Training wieder aufgenommen. Teilweise mit Maske. Was macht ein mitgliederstarker Verein wie Hirschlanden? Trainiert man bereits oder befindet man sich noch im Wartemodus? Wie hat die Pandemie das Vereinsleben beeinflusst?

Der TKC 71 Hirschlanden ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der deutschen Tipp-Kick-Szene. Andreas Sigle ist langjähriger Clubchef eines der mitgliederstärksten Vereine im DTKV. Über die Corona-Zeit und den status quo in seinem Verein teilt er Bemerkenswertes mit.

 

„Wir sind jetzt soweit, dass wir einen Hygieneplan – den die Stadt Ditzingen allen Vereinen, welche die städtischen Räumlichkeiten nutzen, zur Auflage gemacht hat – eingereicht haben. Wir hoffen natürlich, dass er genehmigt wird.

Nur so viel ist für uns klar: Wir sehen uns als Sportart und sind als diese auch in unserer Stadt voll anerkannt, akzeptiert und integriert. Und dementsprechend müssen wir uns auch als Sportler verhalten. Auch wenn Tipp-Kick kein anerkannter Leistungssport ist. Das hat meines Erachtens nur etwas mit der fehlenden Lobby im DSB zu tun. Ich bin der Meinung, dass wir mindestens so viel Sport treiben, wie die anerkannten Leistungssportarten Schach, Skat, Billard, Dart oder Tischfußball (Tischkicker).

Eines ist für uns auch klar: so lange der Corona-Virus noch da ist, spielt jeder auf eigene Gefahr. Für uns heißt das: Spielen nur unter strengen Hygienevorgaben. Konkret beinhaltet das – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die folgenden Maßnahmen: Mund-Nasenschutzmaske sowohl für Spieler als auch Zuschauer, vor jedem Einzelspiel Hände desinfizieren bzw. alternativ mit Seife waschen, bei jeder Veranstaltung Adressliste von Teilnehmern und Besuchern erstellen und diese anschließend vier Wochen aufbewahren. Und wer bei Turnieren oder Ligaspielen keine 1,5 Meter Abstand garantieren kann, der muss es bleiben lassen.

In diesen Zeiten ist eben alles anders. Mann könnte bei Turnieren z.B. einen anderen Modus einführen (z.B. wieder mit Vierergruppen spielen wie in den 70er und 80er Jahren).

Für mich persönlich gibt es in Hinsicht auf die Hygienemaßnahmen keine Alternative. Ohne strenge Corona-Regeln würde ich persönlich in dieser Zeit nicht mehr Tipp-Kick spielen. Ich trainiere als Hochrisikopatient in meinem Herzsportgruppen-Studio, wie alle anderen auch, mit Mund-Nasenschutzmaske. In unserem TKC sind derzeit nicht alle Aktiven dazu bereit, aus Gründen der Vorsicht zu diesen Bedingungen mitzuspielen. Sie wollen den Verlauf der Corona-Welle erst einmal bis September abwarten.

Sobald unser Hygieneplan von der Stadt genehmigt wird, was wir uns natürlich sehr wünschen, werde ich diesen umgehend an Peter Funke senden.“

Wenige Tage nach dem Verfassen dieser Zeilen genehmigte die Stadt Ditzingen das Hygienekonzept der Hirschlandener Tipp-Kicker. Andreas Sigle betonte, dass dieses Konzept gerne veröffentlicht werden kann, so dass auch andere Vereine davon profitieren können. Danke, Andreas!


Hygienekonzept des TKC 71 Hirschlanden für die Ausübung des Trainingsbetriebes in Hallen und Räumen der Stadt Ditzingen

 

– die Turnier-Spieltische stehen in einem Mindestabstand von zwei Metern

– wir spielen und trainieren mit Mund- und Nasenschutz, dies gilt auch für Besucher und Zuschauer

– jeder Aktive muss sich vor jedem Einzelspiel entweder die Hände desinfizieren oder alternativ mit Seife waschen

– von jeder Trainings-/Sportveranstaltung wird eine Liste mit Namen und Anschriften aller Teilnehmer geführt. Diese Liste muss anschließende jeweils bis zu vier Wochen aufbewahrt werden

– für ein Training in der Karl-Koch-Halle (kleiner oder großer Saal) dürfen maximal sechs Turnier-Spieltische mit genügend Abstand stehen. In diesem Zeitraum dürfen sich nicht mehr als 12 Personen (Aktive, Besucher) gleichzeitig in der Halle aufhalten. Toilettenbenutzung max. je 2 Personen für die Damen- und Herrentoilette

– für ein Training im Trainingsraum, Vereinsraum West der Karl-Koch-Halle, dürfen maximal vier Turnier-Spieltische mit genügend Abstand stehen. In diesem Zeitraum dürfen sich nicht mehr als 8 Personen (Aktive, Besucher) gleichzeitig im Raum aufhalten. Toilettenbenutzung max. je 1 Person für die Damen- und Herrentoilette


Die Corona-Pandemie hat – wie erwartet – ernsthafte Auswirkungen auf unsere Hobby-Bewegung. Alle Spieler hoffen, dass dieser „Albtraum“ bald beendet ist und es an den Platten wieder heisst: „Platten fertig? Zeit läuft!“

In diesem Sinne: Bleibt alle gesund!